Es sollte der große Wurf werden in einer Stadt, die vom explosionsartigem Einwohnerzuwachs geprägt ist: 230 Bauplätze zwischen Wald und Wiese. Gute Busanbindung, Nähe zu Schulen und Einkaufsmöglichkeiten. Doch Jungkreut, wie das Neubaubaugebiet nach einem alten Flurnamen heißen soll, sah kurz nach dem Start des Rahmenplanverfahrens bereits wieder alt aus. Die Gründe sind vielfältig, beispielhaft für die komplexe Problemlage in dicht besiedelten Städten. Aktuell mehren sich jedoch wieder die Chancen, dass es zu einer Ausweisung kommt. Die Häuslebauer. In Bamberg wohnen Hunderte junger Familien, die gerne ein Einfamilienhaus bauen würden, doch die wenigsten kommen zum Zug. Die Gründe liegen im Preisniveau einer Schwarmstadt, aber auch am schieren Mangel an Angeboten. Nirgendwo weiß man das besser als in der Stadtverwaltung, die unlängst 23 Bauplätze zu vergünstigten Preisen ausgeschrieben hat. Die Offerte für "Megalith" war im Nu vierfach überzeichnet. Das bedeutet auch: 60 Familien werden eine Absage erhalten. Die Gegner. Kaum wurde über den Rahmenplan berichtet, formierte sich schon eine Bürgerinitiative gegen das Jungkreut. Zu den Aktivisten, die sich gegen das Baugebiet aussprechen, gehören viele Bürger, die in unmittelbarer Nachbarschaft wohnen. Sie bezweifeln in einem Schreiben, dass es notwendig sein könnte, "für über 400 Neubürger Wohnraum schaffen zu müssen" und fürchten den wachsenden Verkehr vor ihrer Haustür. Nach eigenen Angaben haben sie 650 Unterschriften gegen das Baugebiet gesammelt. Eine Prüfung, woher diese stammen, fand freilich noch nicht statt. Die Befürworter. Auch sie haben starke Argumente, die in ungewöhnlich vielen positiven Stellungnahmen aufscheinen. Heinz Brechtefeld, der für die elf Eigentümer der Flurstücke spricht, kämpft bereits seit Jahrzehnten für das Baugebiet, hätte gerne selbst hier gebaut. Dass es dazu nicht kam, lag auch an der Vorbehaltsfläche für den Lehmabbau der Firma Agrob (später Megalith). Glaubt man Brechtefeld, könnte durch Jungkreut die Abwanderung vieler junger Familien ins Umland gestoppt werden. Empört ist er darüber, dass einige derer, die das Baugebiet ablehnen, selbst am Rande der Bebauung leben. Der Brunnen. Für die Befürworter war es ein Schock, als plötzlich die Stadtwerke Einspruch gegen das Baugebiet mit dem Hinweis auf ein laufendes Wasserrechtsverfahren einlegten. Der Brunnen Gaustadt 2, der mitten in der Altsiedlung liegt, schüttet im Jahr 35 000 Kubikmeter Trinkwasser. Das entspricht 0,7 Prozent des Gesamtbedarfs der Stadt. Das "qualitativ hervorragende Tiefenwasser" sei unverzichtbar für eine kostengünstige Trinkwasserversorgung in Bamberg, sagt Jan Giersberg. Ein Ausschlussargument? Zwar hat das Wasserwirtschaftsamt 2010 eine Bebauung in der neuen Schutzzone kategorisch ausgeschlossen, wie Achim Welzel vom Planungsamt sagt. Dennoch verliefen die Gespräche sehr konstruktiv und lösungsorientiert. Derzeit sei alles offen. Noch zwei Brunnen . Wie erst jetzt bekannt wurde, gibt es am Waldrand zwei weitere Brunnen, die die Stadtwerke "aus Qualitätsgründen" stillgelegt haben. Ein neues Gutachten soll nun klären, ob ihre Ertüchtigung möglich ist. Hoffnung ergibt sich für die Häuslebauer durch den Fakt, dass 90 Häuser bereits in der heutigen Wasserschutzzone 3, teilweise gar in der Zone 2 stehen. Sollte es zu einer Neufestlegung der Zonen kommen, sind Auflagen möglich. Der Verkehr. Die Befürchtungen vieler Anlieger, das Chaos sei unvermeidlich, wenn das Baugebiet kommt, kann die Verwaltung mittlerweile entkräften. Ein seit Januar vorliegendes Gutachten sagt, dass die ausgebaute Breitäckerstraße den zusätzlichen Fahrzeugverkehr leicht aufnehmen könnte. Auch eine Verschlechterung des Abflusses sei nicht zu befürchten.   Die GroKo. CSU und SPD haben in der jüngsten Sitzung des Bausenats den Ball flach gehalten und "nicht einmal nichts" gesagt. Grund: Es fehlen noch abschließende Untersuchungen. Handlungsalternativen gibt es: Die Grünen wollen das Verfahren komplett einstellen. Auch Norbert Tscherner sagt nein:  Trinkwasser sei lebenswichtig. Für einen Kompromiss mit "maßvoller Bebauung" machen sich Martin Pöhner (FDP) und Daniela Reinfelder (BuB) stark. Bei der Bürgervereinsvorsitzenden meldeten sich wiederholt Familien, die in Gaustadt zur Miete wohnen und sich ein eigenes Haus bauen wollen. Auch sie hat die Hoffnung, dass durch die zwei stillgelegten Brunnen noch Bewegung in die Sache kommt. "Ein Kompromiss muss möglich sein."