Er ist 44 Jahre alt und heute so einflussreich in Bamberg wie nie. Klaus Stieringer, der langjährige Stadtmarketing-Geschäftsführer, ist unzweifelhaft einer der Gewinner der letzten Kommunalwahlen. Der gebürtige Bremer, der erst Anfang 2013 von den Bamberger Realisten in die SPD-Fraktion gekommen war, hat sich in den letzten Monaten nach ganz vorne in die Stadtspitze vorgearbeitet. Und schon werden ihm Ambitionen unterstellt, Wirtschaftsreferent oder nach 2020 gar OB werden zu wollen.

So viel ist heute schon Fakt: Als Fraktionschef bekleidet der Marketingfachmann ähnlich wie Helmut Müller von der CSU mit die meisten Spitzenpositionen im Stadtrat. So wurde er in den wichtigen Stiftungsrat der Sozialstiftung gewählt und als Verwaltungsrat der Sparkasse bestätigt. Diese Woche hat ihn OB Starke (SPD) zusätzlich zum "Botschafter für den Wirtschaftsraum Bamberg" ernannt.

Doch merkwürdig. Der Durchmarsch an die Spitze, ermöglicht durch die Zustimmung in den demokratisch legitimierten Gremien, stößt in Bamberg gerade im Fall Stieringers auch auf kritische Stimmen. "Ist das wirklich so in Bamberg, dass die zunehmende Machtkonzentration um den Stadtmarketingchef niemanden stört?", lautet der Einwurf eines Lesers - kein Einzelfall. Selbst in Kreisen der Wirtschaft bricht kein Jubel darüber aus, dass einer der ihren an den Schalthebeln der Macht sitzt. "Ich glaube, dass die Innenstadtentwicklung mehr denn je die volle Kraft des Stadtmarketing-Geschäftsführers bräuchte", formuliert der Präsident der IHK für Oberfranken, Heribert Trunk, zurückhaltend. Und auch in SPD-Kreisen schläft das Unbehagen nicht ein: "Dass ein Vorsitzender nicht Parteimitglied ist, kommt nicht gut an", sagt SPD-Urgestein Sabine Sauer.

Fragt man Stieringer, so kann der Wahlfranke gut damit leben, dass er Kritiker hat. "Wir vom Stadtmarketing arbeiten in einem Spannungsfeld, in dem wir immer Interessen tangieren. Unsere Arbeit polarisiert." Wichtig ist ihm, dass er auch sehr viele positive Rückmeldungen erhält: aus der Innenstadt, der Politik, aber auch der SPD, für die er bereits einen Aufnahmeantrag gestellt hat.

Seinen Aufstieg auf Platz 1 der Fraktion sieht Stieringer als Bestätigung für das Engagement der letzten Jahre. Als Karrieresprung will er ihn nicht verstanden wissen. "Damit ist vor allem Arbeit verbunden."

Auch im Kreise der Stadtratskollegen wird Stieringers wachsende Bedeutung in Bamberg kontrovers diskutiert. Vor allem die Grünen sehen es als bedenklich an, wenn ein Funktionsträger, der zum Großteil von der Stadt bezahlt wird, als Stadtrat tätig ist, noch dazu in führender Funktion. Auch die fehlende Parteiorientierung kritisieren sie. "Der Wechsel von den Realisten zur SPD und der Aufstieg dort waren sehr überraschend. Stieringer vertritt keine SPD-Position, er ist ein Wirtschaftspolitiker, der in der Verkehrspolitik sehr autoorientiert denkt", sagt Peter Gack von der GAL.

Andererseits gelang es Stieringer zuletzt, selbst langjährige Widersacher zu überzeugen: "In vielen persönlichen Gesprächen haben mich die intellektuelle Kraft und das politische Gespür von Klaus Stieringer beeindruckt. Er kann wesentlich mehr als man ihm zutraut", lautet die neu gewonnene Einschätzung von Helmut Müller (CSU).
Auch für OB Andreas Starke (SPD) kommt der Erfolg seines engen Freundes nicht von ungefähr: "Er hat sich in den letzten Jahren zu einem echten Leistungsträger der Stadtpolitik entwickelt", sagt Starke und lobt vor allem seine Tätigkeit als Stadtmarketingchef und Stieringers kulturelles Engagement. "Ich bin froh, dass er das Amt des Fraktionsvorsitzenden übernommen hat."

Die Vorschusslorbeeren von manchen, die ihn bereits auf dem Stuhl des Wirtschaftsreferent oder (nach 2020 ) dem des Oberbürgermeisters sehen, lehnt Stieringer übrigens dankend ab: "Ich habe kein Interesse. Ich bin mit meinem jetzigen Job sehr zufrieden."