Vielleicht lag es am Schirm einer 300-jährigen Buche, in deren gewaltigem Schattenwurf die Stadträte am Wanderparkplatz Handthaler Grund den Boden des Steigerwald betraten. Selten verliefen Stadtratssitzungen so einmütig. Nahezu alle Mitglieder des Gremiums, die der Einladung zur Exkursion gefolgt waren, ließen sich faszinieren von dem Gedanken, dass hier, im oberfränkischen Herzen des Steigerwalds, einmal ein Unesco-Naturerbe entstehen könnte.



Wolf Strecker vom Verein Nationalpark Nordsteigerwald zeichnete das Bild einer "Welterbeachse", die Bayreuth, Bamberg und Würzburg über den Steigerwald verbinden könnte. "So wie es Bamberg vor 25 Jahren gelang, den Titel Weltkulturerbe zu erhalten, so streben wir den Titel Weltnaturerbe für den Steigerwald an", sagte Strecker verheißungsvoll. Dabei kann nicht behauptet werden, dass der Tal-grund mit seinen bewaldeten Hängen in den letzten Jahren ein Tummelplatz für Romantiker gewesen wäre. Im Gegenteil. Um wenige Wälder in Deutschland hat es ein ähnliches Tauziehen gegeben wie um das 775 Hektar große Forstgebiet. Selbst höchste Gerichte mussten sich mit dem Wald befassen.

Dennoch blitzt der Grundkonflikt auch an jenem sonnendurchglühten Montag auf, als für manche überraschend der Leiter des Forstbetriebs Ebrach, Ulrich Mergner, erscheint und als Vertreter des Eigentümers darum bittet, den Standpunkt der Staatsforsten darlegen zu können.


Kritik von "Unser Steigerwald"

Auch Daniela Reinfelder (BuB) fragte, warum der Stadtrat "nur aus einer Hand" informiert werden soll. Sie bezog sich in ihrer Kritik auf einen Brief, den Oskar Ebert vom Verein "Unser Steigerwald" an alle Bamberger Stadträte geschrieben hatte. Darin ist die Rede davon, dass sich die Stadt Bamberg in die Diskussion um einen Nationalpark "einmischt" und "neue Gräben aufreißt". Der Stadtrat wird darin aufgefordert, "die ablehnende Haltung weitester Bevölkerungskreise zur Kenntnis zu nehmen".
Dem wird nun insofern Rechnung getragen, als Ulrich Mergner die Sicht der Staatsforsten im Stadtrat nach der Sommerpause darlegen kann.

Dass der Brief dennoch wenig Wirkung zeigte, mag nicht nur am Ton gelegen haben, den Stadträte als unangemessen empfanden. Ralf Straußberger und Georg Sperber informierten die Fraktionen ebenso kenntnisreich wie sachlich über die mittlerweile elfjährige Debatte um den Schutz der Steigerwaldbuchen. Hört man Straußberger, soll die normale Forstwirtschaft nicht verdrängt, sondern auf wenigen Prozent der Fläche ergänzt werden. Ziel ist es, die Artenvielfalt zu erhöhen und einen Teil Frankens touristisch zu entwickeln.


Kommt es zu einer Resolution?

Dennoch ist es unwahrscheinlich, dass der Bamberger Stadtrat eine Resolution beschließt, und seine Forderung nach einem Weltnaturerbe nun auch schriftlich formuliert. Diese Rücksichtnahme ist der Befindlichkeit des Bamberger Landrats Johann Kalb (CSU) geschuldet, der bekanntlich einen abweichenden Weg anstrebt. Bambergs OB Andreas Starke (SPD) schlägt deshalb vor, im Herbst eine Delegation der Stadt ins Umweltministerium zu schicken, um sich dort für ein Weltnaturerbe einzusetzen, möglicherweise unter veränderten politischen Vorzeichen. Starke ist sich sicher: Ein Weltnaturerbe vor den Toren der Welterbestadt wäre ein großer Gewinn für die Region. Bamberg stehe in besonderer Verantwortung, "dass der hochwertige Buchenwald den Schutz erhält, den er verdient".

Fast schon euphorisch äußerte sich der CSU-Fraktionschef Helmut Müller. Die Fahrt in den Steigerwald habe ihn darin bestätigt, dass Bamberg etwas tun müsse, damit der Schutz der Buchen erhalten bleibe. Sein Kollege Gerhard Seitz gab sich als Anhänger der Nationalparkidee zu erkennen.Eine solche Einrichtung sei auch ökonomisch der bessere Weg, sagte er. Auch Norbert Tscherner, Chef der Bürger-Block-Fraktion, will den Schutz der alten Buchen.

Freilich: Tscherner verknüpfte die Steigerwald-Debatte mit dem Streit, der derzeit in Bamberg um den Gewerbepark Muna tobt. Diese Pläne müssten reduziert werden, sagt Tscherner. Es sei ein Widerspruch, im Steigerwald für ein Schutzgebiet einzutreten und in Bamberg große Teile des Hauptsmoorwaldes abzuholzen.