Fabian Dörner will als OB-Kandidat der "Partei" nach eigenen Worten "mehr Unvernunft wagen". Meint der das ernst? Das fragt nicht nur FT-Redaktionsleiter Michael Memmel im Interview. Wohlwissend, dass es mit dem "Ernst" bei der Satirepartei so eine Sache ist. "Wir machen ernsthafte Politik mit satirischen Mitteln. Satire war noch nie angebrachter als heute", erklärt dazu Dörner.

Der OB-Kandidat der "Partei" bewegt sich zwischen Satire und Realpolitik, aber auch zwischen Gegenwart und Geschichte. Zu seinen Hobbys zählt "Mittelalter Reenactment": Mit Gleichgesinnten will Dörner nacherleben, wie die Menschen früher gelebt haben. Außerdem wirft er als "Guerilla-Gärtner" so genannte Samenbomben an Orten aus, die aus seiner Sicht mehr Grün vertragen könnten. Daher kommt auch Dörners Spitzname "Samenbomber". Die Liebe führte den Elektrotechniker, der bei Siemens im Bereich Photovoltaik tätig ist, 2012 nach Bamberg. Seine Liebe zu Bamberg ist bis heute geblieben.

In der "Partei" sei der schon früh politisierte 40-Jährige seit 2016 richtig aktiv - eine Folge der Flüchtlingskrise: "Als dieses rechte Geschwurbel so richtig aufgekommen ist und es jeden Tag so schlimme Aussagen von angeblich intelligenten Menschen gab, da musste ich was machen." Aber die Grünen, die er früher gewählt hatte, waren ihm irgendwann nicht mehr grün genug. Dagegen sei ihm "Partei"-Vorsitzender Martin Sonneborn in der Hinsicht ein Vorbild gewesen, "dass er Missstände und seltsame Vorgänge im EU-Parlament an die Öffentlichkeit bringt".

Warum aber nicht gleich reine Satire? Das sei im Feld der Kommunalpolitik nicht zu leisten, dafür sei die Materie zu trocken. Aber: "Die Partei macht Kommunalpolitik viel interessanter." Er und seine "Partei"-Genossen fordern unter anderem einen Mauerbau zwischen Bamberg-Ost und West, eine Bierpreisbremse (das Seidla unter zwei Euro) oder eine Umgestaltung der Langen Straße in einen Offroad-Parcours für SUV. Noch mehr Aufschlüsse über die Pläne der Partei soll das Wahlprogramm "Fünf Punkte vor zwölf" bringen.

Damit das Programm überhaupt eine Rolle spielen kann, muss aber auch die "Partei" zunächst die Hürde von 340 Unterschriften nehmen. Denn nur, wenn zwischen den Jahren genug Unterstützer im Rathaus unterschreiben, wird die "Partei" überhaupt zur Kommunalwahl zugelassen. Das sagt der Bewerber um den Spitzenposten über... ...kommunalpolitisches Engagement: "Ich bin seit meiner Geburt in der Politik." Für seinen für die Freien Wähler engagierten Vater hat er von klein auf Plakate geklebt, war auf Wahlkampfveranstaltungen und hat sich schon mit 14 im Jugendtreff mit NPD-Jugendlichen "nicht geprügelt, aber herumgeschlagen".

Später hat Dörner grün gewählt und vor ein paar Jahren in der "Partei" seine neue politische Heimat gefunden. Warum soll es nun gleich das Amt des Oberbürgermeisters sein? "Weil ich meine Klappe nicht mehr halten kann und einfach etwas ändern will." ...Rechte: Mehr Ernst als Satire schwingt meist in Dörners Worten, wenn es um "die Rechten" geht. Erst am Wochenende hat er in Wunsiedel nicht nur gemeinsam mit der Antifa gegen einen Gedenkmarsch von Neonazis demonstriert, sondern auch mit 30 "Partei"-Mitgliedern "die Straße hinter den Nazis hergefegt". Auch über die Alternative für Deutschland (AfD) kann sich Dörner ganz unsatirisch aufregen, denn "die geben einfach so viel unfassbaren Unfug von sich". Dass jemand aus Protest die AfD wählt, kann der OB-Kandidat nicht nachvollziehen: "Ich trinke doch auch nicht aus der Toilette, wenn mir das Bier nicht schmeckt."

Satirisch zu verstehen ist dann wieder der Plan seiner Partei, "Wähler von AfD, Drittem Weg und NPD in einem Reservat auf dem Muna-Gelände" unterzubringen. Dorthin könnten Interessierte dann "Nazi-Safaris" unternehmen. ...Mobilität: "Schwarzfahren muss bezahlbar bleiben", lautet eine der Forderungen Dörners - womit er nicht so weit vom kostenlosen ÖPNV anderer Bewerber weg wäre. Abgehobener sind da schon Vorschläge wie ein Zentraler Zeppelin-Bahnhof über dem Kanal, eine Transrapid-Strecke nach Litzendorf ("Die habe ich einem Wähler versprochen") oder eine "innenfreie Autostadt". ... neue Arbeitsplätze: Die will Dörner unter anderem mit einer Bamberger Variante des Hauptstadt-Flughafens BER schaffen Wieder ernst werdend verweist der Kandidat auf die Notwendigkeit, den Industrie-Standort weiterzuentwickeln. "Ich habe auch schon in Unternehmen gearbeitet, die flöten gegangen sind." Er fordert neue Schwerpunkte: "Ich würde mein Geld auf die Wasserstoffzelle setzen." ...Wohnen: Unter anderem den jahrzehntelangen Leerstand in der Unteren Königstraße 13/15 bemängelt der "Realpolitiker" Dörner schon lange.

Der Satiriker in ihm will neue Wohnmöglichkeiten zwischen "Bierkästen mit Planen drüber" oder in Zirkuswagen schaffen.

Kandidaten-Interviews

Termine In Interviews im Verlagsgebäude (Gutenbergstraße) fühlt die Redaktion den OB-Kandidaten auf den Zahn. Nach Christian Lange, Andreas Starke, Jonas Glüsenkamp, Daniela Reinfelder, Hans-Günter Brünker, Ursula Redler und Fabian Dörner folgen in den nächsten Wochen jeweils um 19 Uhr Claudia John/FW (25. November), Martin Pöhner/FDP (2. Dezember) und Stephan Kettner/BaLi (9. Dezember).

Anmeldung Wer bei den Gesprächen zuschauen möchte, kann sich online auf infranken.de/abovorteil oder unter 0951/188 108 anmelden. Fragen an die Kandidaten können dort oder per Mail an redaktion.bamberg@infranken.de gestellt werden.