Laubbläser. Ein Wort, bei dem mancher das Gesicht verzieht, ist doch der Begriff mit nervtötender Dauer-Beschallung in der Nachbarschaft verbunden. Aber: Der Krawall komme nicht von den städtischen Laubbläsern, betont Tim-Niklas Kubach, Pressesprecher der Stadt Bamberg.

Wie zum Beweis marschiert ein Mitarbeiter des Gartenamtes laubblasender Weise vorbei. "Jeder Rasenmäher ist lauter", sagt Michael Gerencser, Leiter des Gartenwesens im Garten- und Friedhofsamt. Woher kommt dann der herbstliche Bläser-Lärm? "Von den Laubbläsern aus dem Baumarkt. Im Gegensatz zu diesen haben unsere Geräte zwar mehr Leistung, sind aber geräuschoptimierter", sagt Gerencser.

800 Euro legt die Stadt für einen solchen Edel-Laubbläser hin, der Privatmann mit der Baumarkt-Variante etwa 80 bis 150 Euro. Oder er kauft sich vielleicht einen Laubsauger. Die werden von den städtischen Mitarbeitern überhaupt nicht verwendet. "Die bringen nichts, da verklebt das Laub im Beutel, wenn es nur ein wenig nass ist", sagt Michael Gerencser.

Zwei Drittel sind besonders leise

Von den verwandten Laubbläsern sind dagegen 20 Stück im Besitz der Stadt Bamberg. Zwei Drittel davon gehören zur Gattung der besonders leisen. "Wobei auch die alten Geräte die Norm erfüllen", sagt Gerencser. "Wir halten uns natürlich an die Lärmschutzordnung."

Doch für tonnenweise herabfallenden Blätter genügen Laubbläser natürlich nicht. Die städtischen Mitarbeiter sind mit neun Gehsteigkehrmaschinen, ein "Flüsterbläser" - eine Art fahrbares Gebläse -, sowie ein Laubblasgerät, das am Schlepper befestigt wird, im Einsatz.

Eine spezielle Laubbläser-Mannschaft gibt es nicht. "Laub ist für uns einfach ein Bereich des Straßenschmutzes", sagt Marco Schofer, stellvertretender Leiter der Abteilung Entsorgung beim Entsorgungs- und Baubetrieb der Stadt (EBB).

Im vergangenen Jahr hat der EBB etwa 480 Tonnen reines Laub in der Herbstzeit abgefahren. Das Gartenamt, das für die Grünflächen zuständig ist, rechnet in einer anderen Maßeinheit: Laut Michael Gerencser kommen jedes Jahr rund 5000 Kubikmeter Laub zusammen.

Man kann nicht überall blasen

Bei der Laubbewältigung ist Kooperation angesagt: Das Gartenamt ist mit "Flüsterbläser" und Bulldog unterwegs, der EBB mit Kehrmaschine und Straßenkehrern - ja, die gibt es noch, sie sind sogar in der Überzahl: 35 Handkehrer sind aktuell unterwegs. "Man kann mit dem Laubbläser nicht überall arbeiten. Wir haben Splitter, Schotter und Dreck im Laub. Wenn Sie da rein blasen und das gegen ein Auto weht, wird es beschädigt", erklärt Schofer.

Mit Fahrern sind derzeit beim EBB 44 Mann im Laub-Einsatz, beim Gartenamt um die 35 - von Ende September bis Ende November. "Dann geht's nahtlos in den Winterdienst über", sagt Gerencser vom Gartenamt.

Vor dem Winter muss das Laub aber weg sein. Zwar ist momentan ordentlich viel zu tun - das stürmische Wetter lässt die Blätter besonders stark fallen -, aber das kommt den städtischen Mitarbeitern nicht ungelegen. "Uns ist es lieber, die Bäume sind vor dem Winter leer", sagt Gerencser.

Das Gartenamt liefert das gesammelte Laub an der Kompostieranlage am Hauptfriedhof ab. Das vom EBB zusammengetragene reine Laub wird von einer externen Kompostierfirma abgeholt. Doch nicht jede Hand voll Laub landet auf dem Kompost.

Im Hainpark blasen Mitarbeiter des Gartenamtes zum Beispiel das Laub am Rand der Wiese vor dem Musikpavillon zwischen die umliegendenden Bäume - aus ölkologischen Gründen. Schadstoffbelastetes Laub wird dagegen verbrannt, wenn es etwa vom Eichenprozessionsspinner oder der Kastanienminiermotte befallen ist.

Nicht verbrennen, aber los werden wollen viele Bamberger das Laub aus ihren Gärten. "Manche wissen sogar, wann die Kehrmaschine kommt und kehren uns richtig zu", sagt Schofer vom EBB. Andere beschweren sich dagegen schon mal, warum das Laub noch nicht abgeholt wurde. "Wenn es fällt, dann nun mal gleichzeitig im gesamten Stadtgebiet."

Sehr selten ruft jemand wegen Lärmbelästigung an. "Früher waren das gerade mal fünf Beschwerden pro Jahr. Das war, bevor wir die leiseren Laubbläser hatten. Seitdem sind die Anrufe zurück gegegangen", sagt Gerencser.
Zurückgegangen ist auch die Anzahl der Männer, die im Hain zum Arbeitseinsatz anrücken. "Vor 30 Jahren waren noch 25 Mann zum Laub-Rechen nötig. Heute besteht die Hain-Kolonne aus 13 Leuten", sagt Alfred Denzlein, stellvertretender Chef der Kolonne Hain. Ist der Job heute angenehmer? "Die Arbeit ist dieselbe. Die Maschinen erleichtern sie natürlich, doch wichtiger ist das kollegiale Miteinander. Das ist heute noch da, wie vor 30 Jahren."