Bei Rotaviren weist Bamberg mit 59,5 Prozent die schlechteste Impfquote in ganz Oberfranken aus. Das zeigen aktuelle Zahlen des Robert-Koch-Instituts, auf die sich die Techniker Krankenkasse (TK) beruft.

Rotaviren sind die häufigste Ursache für Magen-Darm-Infektionen bei unter Fünfjährigen. Sie lösen starken Durchfall aus, der bis zu eine Woche dauern kann, außerdem Fieber und Erbrechen. Auch wenn es dabei nur höchst selten zu lebensbedrohlichen Erkrankungen komme, müssten wegen des hohen Wasserverlustes viele Patienten stationär im Krankenhaus behandelt werden. Bayernweit sind im vergangenen Jahr 2475 Kinder unter fünf Jahren erkrankt, davon 206 in Oberfranken.

"Dass die Impfquoten generell nicht allzu hoch ausfallen, könnte daran liegen, dass es eine entsprechende Empfehlung der ständigen Impfkommission erst seit dem Jahr 2013 gibt", vermutet Christian Bredl, Leiter der TK-Landesvertretung Bayern. Die Empfehlung gelte aber nach wie vor und diene den Bundesländern als Vorlage für deren öffentliche Impfempfehlungen.

"Gerade die Kleinsten müssen bei einer Erkrankung häufig auch in die Klinik, die Impfung kann das weitestgehend verhindern", sagt der Bamberger Kinderarzt Edgar Waldmann. "Es gibt für mich keine rationale Begründung, nicht zu impfen."

Das sieht der Pädagoge und Coach Dirk Bayer anders: "Ich suche seit mehr als 20 Jahren erfolglos nach Beweisen, dass eine Impfung wirklich wirkt." Doch bislang habe man ihm nur mit vielen Behauptungen, nicht mit Beweisen, geantwortet. "Impfen ist schon fast eine Glaubenssache geworden", sagt Bayer. "Ich kenne viele Leute, die trotz Impfung erkrankt sind, und auch einige mit schweren Impfnebenwirkungen." Bayer hat seine heute 17-jährige Tochter nicht impfen lassen.

Dass er damit den "Herdenschutz" (wenn eine Immunität, die durch Impfung erzeugt wurde, so verbreitet ist, dass auch nicht-immune Menschen geschützt sind) gefährdet hat, zweifelt er ebenso an wie die Schutzwirkung der Impfungen: "Ich kann diese Angst vor Ungeimpften nicht verstehen." Zugleich unterstelle er Ärzten und Eltern, die sich für das Impfen entscheiden, gute Absichten. "Ich bin kein Mediziner, aber viele Sachen sind mir einfach unklar. Und wir beschäftigen uns wirklich mit dem Thema, nicht nur in esoterischen Internetforen."


Kaum Nebenwirkungen erlebt

Eltern, die zu Dr. Waldmann kommen, wissen, dass er impft. Entsprechend seien auch die allermeisten seiner kleinen Patienten gegen Rotaviren geimpft. Woher rührt dann die niedrige Impfquote in Bamberg? "Es gibt sicher auch Kinderärzte, die bei Impfungen zögerlicher als ich agieren", sagt Waldmann. Auch Thorsten Rieck vom Robert-Koch-Institut ist überzeugt: "Die Impfempfehlung durch den Arzt spielt eine wichtige Rolle." Impfkritiker Dirk Bayer vermutet: "Ich glaube einfach, dass die Menschen kritischer geworden sind. Und wenn manche Ärzte zu massiv aufs Impfen drängen, bewirken sie genau das Gegenteil."

In Waldmanns Praxis wurden in den vergangenen Jahren etwa 2000 Kinder gegen den Rotavirus geimpft, größere Nebenwirkungen habe er nicht erlebt: "Es kann in seltenen Fällen mal zu Bauchschmerzen kommen, aber selbst da kann man in dem Alter nicht sagen, ob das überhaupt mit der Impfung zu tun hatte." Die Rotaviren-Impfung wird als Schluckimpfung verabreicht, zunächst im Alter von fünf bis sechs Wochen, es folgen zwei Auffrischungen im Abstand von etwa einem Monat.

Kinderarzt Waldmann vertraut auf die Einschätzungen der ständigen Impfkommission. Jeder Empfehlung gehe ein langer Prüfungsprozess voraus. Der Mediziner sagt: "Ich würde keine Impfung auslassen, nichts ist so harmlos wie eine Impfung." Impfkritiker Dirk Bayer fordert hingegen: "Ich wünsche mir mehr Offenheit und Ehrlichkeit in dieser ganzen Debatte. Wir sollten ehrlicher mit Daten und Befunden umgehen."

"Impfgegner gibt es natürlich überall", sagt Dr. Heinz-Jürgen Wagner, der beim Landratsamt Bamberg den Fachbereich Gesundheitswesen leitet. Die in Oberfranken recht unterschiedlichen Quoten, von 59,5 Prozent in Bamberg bis 83,4 Prozent in Hof, bei den Rotaviren-Impfungen kann er aber auch nicht erklären. Ihn treibt aktuell ein ganz anderes Impfthema um: "Ich kann nur dringend empfehlen, sich noch gegen Influenza zu impfen. Wir haben in Stadt und Landkreis derzeit 74 Fälle, davon einige schwere Verläufe."