Die katholische Kirche steht nun nicht gerade im Ruf, eine besonders demokratisch geprägte Institution zu sein. Dem Volk Gottes werden die priesterlichen Männer vor die Nase gesetzt, die die Hierarchie bestimmt: vom einfachen Pfarrer über den Bischof bis hin zum Papst. Die Laien dürfen da nicht mitreden, geschweige denn mitbestimmen.


Beratende Gremien

Doch es gibt einen legitimen Weg für Laien (griechisch: laikos, dem Volk zugehörig), in und für die Kirche Mitverantwortung zu übernehmen: Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) regte in seinem Dekret "Apostolicam actuositatem" über das Apostolat der Laien an, "beratende Gremien...auf pfarrlicher, zwischenpfarrlicher und interdiözesaner Ebene, aber auch im nationalen und internationalen Bereich" zu schaffen. Zu Deutsch: Pfarrgemeinderäte, Dekanatsräte, Diözesanräte sind die vom Erzbischof eingesetzten Organe zur Beratung pastoraler Fragen auf den verschiedenen Ebenen.

Es war die von 1972 bis 1975 tagende "Würzburger Synode der Deutschen Bistümer", auf der die Beschlüsse des Konzils auf die Situation in Deutschland übertragen wurden. Und zwar gemeinsam von Laien und Klerikern. Zu den wesentlichen Elementen zählte eine stärkere Beteiligung der Gläubigen, nicht nur in der Liturgie, sondern auch in den Entscheidungsprozessen der katholischen Kirche. Ein Element dafür sollte der neu konzipierte Pfarrgemeinderat sein, dessen Mitglieder fortan von allen Wahlberechtigten gewählt wurden.


Wahlberechtigt ab 14 Jahren

So standen Ende Februar 2018 turnusgemäß wieder Pfarrgemeinderatswahlen in Bayern, also auch im Erzbistum Bamberg, an. "Zukunft gestalten. Weil ich Christ bin..." lautete das Motto in Zeiten gesellschaftlicher und kirchlicher Umbrüche wie Umstrukturierungsmaßnahmen. In 357 Pfarreien im Erzbistum waren 614 505 Wahlberechtigte ab 14 Jahren aufgerufen. Mitverantworten statt über Zustände nur zu jammern wollten rund 3800 Männer und Frauen, die für die Pfarrgemeinderäte kandidierten: "Erfreulich viele, das ist ein positives Zeichen und zeigt ein hohes Maß an Engagement", bilanziert der Vorsitzende des Diözesanrates, Günter Heß.

Die Wahlbeteiligung lag insgesamt bei 10, 66 Prozent (bayernweit 17,53 Prozent) nach 12,88 Prozent im Jahr 2014. Schaut man auf die Einzelergebnisse, fällt ein starkes Stadt-Land-Gefälle auf. Generell war die Wahlbeteiligung in ländlichen Gemeinden höher als in städtischen Gebieten. In der Stadt Bamberg beispielsweise war die Prozentzahl nur einstellig: Dom/Obere Pfarre 7,8 Prozent, St. Anna 3,8 Prozent, St. Heinrich 4 Prozent, St. Martin 3,6 Prozent, St. Gangolf-Maria Hilf-St. Otto 5,7 Prozent, St. Kunigund 5,9 Prozent, St. Josef Gaustadt 7,6 Prozent.

In ländlichen Gemeinden des Dekanates Bamberg sah es so aus: St. Georg Roßstadt 34 Prozent, St. Jakobus Viereth 16,5 Prozent oder Heiligste Dreifaltigkeit Lisberg 12, 8 Prozent.

Erzbischof Ludwig Schick dankt den Wählern, dass sie mit ihrer Stimme die Arbeit der Räte gestärkt haben, und dankt den Kandidaten, die sich für die Wahl zur Verfügung stellten. "Die Pfarrgemeinderäte werden in den nächsten Jahren bei der Begleitung des Veränderungsprozesses im Erzbistum große Verantwortung tragen", fügt der Erzbischof hinzu.


Ausschüsse und Aufgaben

In diesen Tagen kommen die neu gewählten Pfarrgemeinderäte zu ihren konstituierenden Sitzungen zusammen. Mitglieder sind auch die hauptamtlichen pastoralen Mitarbeiter, also Pfarrer, Diakon, Pastoral- oder Gemeindereferent. Zusätzlich können noch einige Mitglieder berufen werden - je nach Größe der Pfarrgemeinde. In der Regel bildet der Pfarrgemeinderat mehrere Ausschüsse, um seine Arbeit leisten zu können, etwa zu den Themenbereichen Liturgie, Eine Welt, Caritas, Jugend, Ehe und Familie, Senioren, Ökumene, Öffentlichkeitsarbeit. Nicht zuständig sind die Räte für den Finanzhaushalt der Pfarrei oder den Erhalt und die Sanierung von Gebäuden. Dafür gibt es die Kirchenverwaltung.

Der Pfarrgemeinderat kann Maßnahmen beschließen, die den "Weltdienst" der Gemeinde betreffen, etwa Besuchsdienste für alte und kranke Menschen, Eine-Welt-Projekte oder eine Krabbelgruppe für Eltern mit ihren Babys. Lediglich beraten darf der Pfarrgemeinderat bei allen Angelegenheiten, die dem Pfarrer als beauftragten Seelsorger und Leiter der Gemeinde übertragen sind, zum Beispiel Liturgie und Sakramentenspendung. In pastoralen und theologischen Fragen hat der Pfarrer ein umfassendes Vetorecht.


Wahlen in evangelischen Gemeinden

Am 21. Oktober 2018 werden in den evangelischen Gemeinden Bayerns neue Kirchenvorstände gewählt. In den nächsten Wochen sollen die Kandidaten gefunden werden. Der Kirchenvorstand ist eine evangelische Spezialität und unterscheidet sich deutlich vom katholischen Pfarrgemeinderat. Im Kirchenvorstand entscheiden gewählte Gemeindemitglieder gemeinsam mit dem Pfarrer oder der Pfarrerin. Es geht um die Leitung der Kirchengemeinde, um Gebäude und Finanzen, Mitverantwortung beim Gottesdienst und dem Angebot der Gemeinde, das Personal von kirchlichen Einrichtungen, um die Auswahl eines Pfarrers/einer Pfarrerin und um die geistliche Gesamtverantwortung.

Grundlage dafür ist Martin Luther, der die Spaltung der Kirche in zwei Klassen von Christen - Klerus und Laien - ablehnte wie die Existenz des Weihesakramentes. Luther bezeichnete die Taufe als Priesterweihe und rief die biblischen Aussagen vom gemeinsamen Priestertum aller Kirchenmitglieder in Erinnerung.


Interview: Viele Möglichkeiten der Mitgestaltung"

Im Dekanat Bamberg gab es 45852 Wahlberechtigte in 13 Pfarreien, die über 208 Kandidaten für den Pfarrgemeinderat abstimmten. 145 wurden gewählt, 59,3 Prozent davon sind Frauen. Einer der Gewählten stellte sich dem Interview mit unserer Zeitung: Christoph Brey, 40 Jahre alt, Pädagogischer Leiter, gehört nun zum Pfarrgemeinderat von St. Martin.

Sie sind in den Pfarrgemeinderat von St. Martin gewählt worden. Warum haben Sie kandidiert?
Christoph Brey: Seit meine Frau und ich im Jahr 2013 sehr herzlich in der Pfarrei St. Martin aufgenommen wurden, haben wir uns hier auch ehrenamtlich engagiert. Im Pfarrgemeinderat möchte ich in Zukunft versuchen, meine Talente und Fähigkeiten einzubringen. Ein Engagement für unsere Kirche und das Evangelium sollte für alle Christen quasi "Ehrensache" sein.

Welche Möglichkeiten haben sie als Ratsmitglieder, das Gemeindeleben mitzugestalten?
Man hat sehr viele Möglichkeiten das Gemeindeleben mitzugestalten, jeder kann dies nach seinen Möglichkeiten tun. Der Pfarrgemeinderat hat verschiedene Aufgaben, das reicht von der Mitgestaltung des liturgischen und spirituellen Angebots der Pfarrei, über Engagement für die Mission oder die jungen Leute und Senioren bis hin zur Organisation von Festen und Feiern. Hier könnte man noch viele Punkte nennen.

Ratsmitglied ist auch der Pfarrer. Bedeutet das, dass die Laien nur abnicken, was er für richtig hält?
Dass der Pfarrer Mitglied im Pfarrgemeinderat ist, ist selbstverständlich. Das Gremium hat vor allem - auch gemäß der Satzung - beratende Funktion. Es soll den Pfarrer in seiner Leitungsaufgabe unterstützen und beraten, sowie eigene Impulse aus dem je eigenen Lebensbereich einbringen. Es darf gerne auch kontrovers diskutiert werden. Der Pfarrgemeinderat ist keinesfalls nur ein Gremium der Ja-Sager, das abnickt, was der Pfarrer will.

Was verstehen Sie unter Laienapostolat?
Apostolisch oder missionarisch sollte jeder Christ tätig sein, ganz unabhängig davon, ob Laie oder geweihter Amtsträger. Diesen Auftrag haben wir von Jesus selbst bekommen. Durch die Taufe und die Firmung sind wir bestärkt und berufen, Zeugnis für unseren Glauben abzulegen. Das Thema "Mission" oder "Neu-Evangelisierung" ist heute wichtiger denn je!

Die Fragen stellte Marion Krüger-Hundrup