Während die Kriminalpolizei und die Brandgutachter der Versicherungen noch rätseln, warum es am 14. August im Kapitelshaus am Stephansplatz 5 gebrannt hat, setzt die evangelisch-lutherische Gesamtkirchenverwaltung Bamberg schon einmal den geplanten Einweihungstermin ab.

Am Sonntag, 19. April 2015, hatte man die Einweihung des neuen Gemeindezentrums von St. Stephan feiern wollen, zu dem das barocke Einzeldenkmal gerade umgebaut wird.

Seit dem Brand am 14. August ist klar, dass der Zeitplan nicht zu halten sein wird. Die Arbeiten sind um Monate zurückgeworfen worden. Das sagte Harald Ehrsam, der Geschäftsführer der Gesamtkirchenverwaltung, auf Anfrage. Wann dasZentrum für Gemeinde, Kultur und Verwaltung - ein 6-Millionen-Euro-Projekt- bezugsfertig sein wird, steht nun in den Sternen.

Die Baustelle ruht, so lange die Brandursache nicht klar ist. Niemand weiß im Moment, wann die Handwerker weiter machen dürfen, berichtet Ehrsam. Ebenso fraglich sei, ob es einen Zusammenhang zwischen den Um- und Ausbau-Arbeiten und dem Feuer gibt. Am 14. August seien nach dem bisherigen Erkenntnisstand keine brandgefährlichen Arbeiten ausgeführt worden.

Blitzschlag ausgeschlossen

Als Ursache ausgeschlossen wird von der Kriminalpolizei lediglich ein Blitzschlag. Es gab am 14. August zwar ein Gewitter, aber der nächste Blitzschlag soll 3,9 Kilometer entfernt von St. Stephan verzeichnet worden sein.

Der Geschäftsführer der Gesamtkirchenverwaltung selbst war noch ein Stück weiter weg: Ihn erreichte die Hiobsbotschaft am Urlaubsort in Oberbayern. Das war gegen Ende seiner ersten Ferienwoche. Die zweite habe er dann gestrichen, so Ehrsam, um die notwendigen Termine mit Polizei, Versicherungen, Firmen, und, und, und wahrnehmen zu können.

Am morgigen Donnerstag hat er die nächste Besprechung mit Repräsentanten der Versicherungen. Dabei wird es auch um die genaue Schadenshöhe gehen, die noch ermittelt werden muss.

Sicher ist laut Ehrsam so viel: Bei den rund 100 000 Euro, wie vom Stadtbrandrat der Freiwilligen Feuerwehr zunächst geschätzt, wird es nicht bleiben. Allein in die Sanierung des wertvollen historischen Dachstuhls seien bis zum Brand schon fast 200 000 Euro investiert gewesen.

Der Feuerwehr war es zwar gelungen, die Flammen auf dem Dach zu löschen, ehe sie auf weitere Gebäudeteile übergreifen konnten. Das Löschwasser zog aber darunter liegende Räume in Mitleidenschaft. "Wir hatten schon überall Brand hemmende Dämmungen und Rigipsplatten eingebaut. Das hat uns zwar geholfen", so der Geschäftsführer.

Aber weil das Material möglicherweise durch das Wasser beschädigt ist, sei nicht ausgeschlossen, dass es wieder ausgebaut und ersetzt werden muss.

Ein Einzeldenkmal von 1754

Laut Ehrsam ist es mit großem Aufwand verbunden, exakt auszurechnen, welche Baukosten bis zum Brand schon entstanden waren, welche noch ausstanden und was die Wiederherstellung nach dem Unglück vom 14. August kosten wird. Erst wenn man diesen Überblick hat, werde er Näheres zum tatsächlichen Schaden sagen können.

Das barocke Bauwerk neben der St. Stephanskirche befindet sich seit 1965 im Eigentum der evangelisch-lutherischen Kirche. Es wurde 1754 nach Plänen von Michael Küchel errichtet.
Bei der Sanierung, die seit Frühjahr 2013 läuft, erhält Bamberg auch einen neuen Kammermusiksaal. Er soll vornehmlich, aber nicht nur für die Kantorei und Kirchenmusik St. Stephan zur Verfügung stehen.