Es ist Samstagvormittag, auf der Kettenbrücke herrscht reges Treiben. Passanten mit Einkaufstaschen erledigen ihre Wochenendeinkäufe, andere schlendern über die Brücke, lassen sich treiben. An diesem Vormittag bildet die Kettenbrücke den malerischen Hintergrund für den "Tag der Jugend".

Die Informationsstände von rund 27 Jugendgruppen und Jugendorganisationen säumen die Brücke über den Kanal und stellen ihre Aktionen und Projekte vor. Mitten unter ihnen Esther Schönberger. Die Pädagogik-Studentin vertritt die Jugend der Deutschen Pfadfinder St. Georg. Gerne erläutert sie interessierten Besuchern die Arbeit und die Ziele der Pfadfinder.

Studium und Ehrenamt

"Oberstes Ziel ist es, Kinder und Jugendliche zur Selbstständigkeit zu erziehen und ihr Selbstbewusstsein zu fördern", erklärt die 21-Jährige. Sie selbst bezeichnet sich als "Spät- bzw. Quereinsteigerin". Die gebürtige Passauerin war zwar schon früh in der Jugendarbeit ihrer Heimat tätig, doch zu den Pfadfindern in Bamberg ist sie erst im Oktober des vergangenen Jahres mit Beginn ihres Studiums gestoßen. Hier hat sie gleich "Feuer gefangen", ist inzwischen Gruppenleiterin. Einmal pro Woche leitet sie eine Gruppenstunde, plant und organisiert Zeltlager oder Ausflüge und besucht alle vierzehn Tage die Gruppenleitersitzungen. "Da kommen schon einige Stunden zusammen", so die Studentin. Doch für die angehende Pädagogin ergänzen sich Studium und ehrenamtliches Engagement vortrefflich.

Organisator des "Tages der Jugend" ist der Stadtjugendring Bamberg. Dessen Geschäftsführer Richard Röckelein kann sich über mangelnde Beteiligung nicht beklagen. "Die Jugendverbände der einzelnen Organisationen nutzen die Gelegenheit gerne, ihre Arbeit in der Öffentlichkeit vorzustellen."

Die Kettenbrücke ist zum ersten Mal Schauplatz für die Präsentation der Jugendlichen. Zuvor hatte der "Tag der Jugend" auf dem Maxplatz, auf dem Gelände der Landesgartenschau, beim Gabelmann oder in einem Schwimmbad Station gemacht. Da der Stadtjugendring finanziell "kleine Brötchen backen" muss, wie es sein Geschäftsführer formuliert, ist man darauf angewiesen, die Miete für den "Tag der Jugend" möglichst gering zu halten. Die Kettenbrücke ist neben einem günstigen Standort zudem ein "schönes Symbol" für diesen Tag, der seinerseits eine Brücke zu Kindern und Jugendlichen schlagen soll.

Nach der diesjährigen Premiere ist Richard Röckelein mehr als zufrieden mit dem neuen Standort und er kann es sich vorstellen, im nächsten Jahr hier erneut den "Tag der Jugend" zu veranstalten. Er weiß um die Nöte vieler Vereine, die über Nachwuchssorgen klagen. "Die jungen Menschen werden in ihrem Zeitbudget immer stärker eingeschränkt, so dass für ehrenamtliches Engagement keine Zeit mehr bleibt", erläutert er. Doch das "ehrenamtliche Engagement ist das, was unsere Gesellschaft braucht".

Die jungen Menschen, die ihre Gruppen an diesem Tag vertreten, zeigen, dass es möglich ist, Hauptberuf oder Studium und Ehrenamt unter einen Hut zu bringen. Zu ihnen gehört auch Melanie Hamatschek von der Jugend der DLRG Bamberg-Gaustadt. "Ich wurde in diesen Verein hineingeboren", erzählt die junge Physiotherapeutin. Ihre Eltern haben sich bei der DLRG kennen gelernt und von Kindesbeinen ist die Tochter mit dem Verein und den damit verbundenen Aufgaben vertraut. Zweimal in der Woche trainiert sie die Kinder und Jugendlichen, bringt ihnen die richtigen Schwimmtechniken bei. Daneben bereitet die 29-Jährige Sitzungen vor, übernimmt Wochenenddienste und kommt auf gut sieben Stunden pro Woche, in denen sie ehrenamtlich aktiv ist.

Wie eine große Familie

Michael Haßfurther, Jugendleiter bei der Wasserwacht Bamberg, ist ebenfalls fasziniert von der Arbeit mit jungen Menschen: "Wir sind wie eine große Familie, arbeiten zusammen und feiern auch gemeinsame Feste." Mit sechs Jahren kam der heute 30-Jährige zur Wasserwacht, hat dort das Schwimmen gelernt, durchlief die Ausbildung zum Rettungsschwimmer und Jugendleiter. Die Wasserwacht deckt den gesamten Landkreis Bamberg ab und arbeitet ausschließlich ehrenamtlich. Dies ist ein Grund, weshalb Michael Haßfurther sich, seine Kollegen und all diejenigen, die ein Ehrenamt ausüben, bis zu einem gewissen Grad als ein "Vorbild für soziales Engagement" sieht.

Während sich die Erwachsenen auf der Kettenbrücke bei den Jugendorganisationen informieren, nutzen viele Kinder das aktive Angebot der Gruppen, springen Trampolin, lassen sich schminken oder versuchen sich im Rudern. Währenddessen tauchen auf der Regnitz die ersten Ruderboote der Bamberger Rudergesellschaft auf, die sich in diesem Jahr zum ersten Mal an dem "Tag der Jugend" beteiligt. Britta Wagner freut sich über die Einladung des Stadtjugendrings und ihr Verein, deren Vorstandsvorsitzende sie seit Mai dieses Jahres ist, nimmt gerne die Gelegenheit wahr, die Öffentlichkeit über ihre Arbeit zu informieren. Über Nachwuchs kann sich ihr Verein nicht beklagen. Die Jugendkurse sind ausgebucht, zum Teil melden sich ganze Familien für die Kurse an. Dennoch muss sich in der Jugendarbeit etwas tun, erklärt Britta Wagner.

Die Vielfalt der Jugendarbeit in Bamberg ist beeindruckend, das hat der "Tag der Jugend" auf der Kettenbrücke nachdrücklich gezeigt, wenngleich nicht alle Jugendgruppen und -organisationen vertreten sind. Richard Röckelein ist bemüht, jedes Jahr neue Gruppen für eine Teilnahme zu gewinnen und für das kommende Jahr hat er schon die ersten Anmeldungen in der Tasche. In diesem Jahr ist es ihm jedenfalls gelungen, die "demokratische und soziale Jugendarbeit, die häufig im Verborgenen stattfindet", in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gebracht zu haben.