49 Mal fand es statt, lockte von Jahr zu Jahr mehr Menschen auf das Plätzchen vor dem Böttingerhaus. Denn schnell hatte sich herumgesprochen, dass das Judenstraßenfest klein, aber fein ist. Manche schätzten es bald mehr als die Sandkirchweih mit ihrer unüberschaubar gewordenen Besuchermasse.

Wenn in der Judenstraße gefeiert wurde, konnte man sicher sein, Bekannte und Freunde zu treffen. Auch die Veranstalter - ausnahmslos Geschäftsleute und Gewerbetreibende aus dem Viertel - waren ein eingespieltes Team.

Anfangs luden sie zwei Mal im Jahr ein, zunächst im April/Mai und nochmals im Spätsommer. Später stieg nur noch eines im Jahr, zuletzt im August 2012.

Dass es das allerletzte Judenstraßenfest sein würde, sei im vergangenen Sommer aber noch niemandem bewusst gewesen, sagt rückblickend Irene Hottelmann-Schmidt vom "Haus zur Trommel". Obwohl sie selbst nicht mehr so kann, wie sie möchte, sei sie davon ausgegangen, dass heuer zumindest noch das 50. gefeiert wird.

Hohe Arbeitsbelastung als Grund

Dass es nicht dazu kommt, steht seit kurzem fest. Als Hauptgrund nennen alle bisher Beteiligten eine sehr hohe
Arbeitsbelastung in ihren eigenen Betrieben. Bei einzelnen spielen auch gesundheitliche Probleme eine Rolle.

Etwa bei Metzger Reiner Brand, dessen Knoblauchbratwürste dem Judenstraßenfest seinen unverwechselbaren Duft verliehen haben. Die mit dem Fest verbundene Arbeit am Bratwurststand sei für ihren Mann zu anstrengend geworden, erklärt Ursula Brand.

Sie versichert, dass ihnen der Entschluss nicht leicht gefallen sei. In der Metzgerei tröstet man sich mit der Lebensweisheit, dass man aufhören soll, wenn es am schönsten ist. . .

Auch Peter Hoffmann sieht sich außer Stande, noch beim Feiern am Fuß des Stephansbergs mitzumachen. In den Anfangsjahren hatte er kurze Wege, weil er die Galerie am Stephansberg betrieb. Seit Jahren führt er jedoch den Campingplatz "Insel" in Bamberg-Bug, blieb der Judenstraße aber stets verbunden und bestritt noch 2012 den traditionellen Weinstand vor dem Böttingerhaus.

Mit ganzem Herzen dabei

"Wir waren mit ganzem Herzen dabei", versichert er. Aber: Die Arbeit auf dem größer gewordenen Campingplatz sei inzwischen so umfangreich, dass man einfach nicht mehr in der Judenstraße mitwirken könne.

Fast erleichtert zeigt sich die Inhaber-Familie der Klosterbräu (Obere Mühlbrücke) über das Aus für das Straßenfest. "Wir schaffen es einfach nicht mehr", so Henning Schröder.

Seit man zusätzlich den Hof bewirtschafte, sei an den Wochenenden so viel los, dass man mehr als ausgelastet sei. Am Gerücht, die Brauerei-Besitzer würden daran denken, das Fest in eigener Regie fortzuführen, ist nach seinen Angaben rein gar nichts dran.

Floristin Barbara Kohn-Förtsch ist die einzige Mitveranstalterin, die nach eigenen Worten kaum Mehrarbeit durch das Fest hatte. Im Gegenteil: "Es waren viele schöne Jahre, es waren viele schöne Feste!" Dennoch trägt sie die Entscheidung zum Aufhören mit.

Es sei besser, findet die Inhaberin eines kleinen Blumengeschäfts, dass die Leute das Judenstaßenfest in bester Erinnerung behalten, als wenn man es "halb" weiter machen würde, bis die Gäste irgendwann ausbleiben und sagen, "es war eh' nix Gescheites mehr".


Krisensitzung war Geburtsstunde

Eine Kanalbaustelle im Jahr 1988, die die Judenstraße und die Gewerbetreibenden dort über Monate förmlich von der Außenwelt abgehängt hat, war der Auslöser zum ersten Judenstraßenfest gewesen. In ihrer Not setzten sich die Geschäftsleute damals im Böttingerhaus zusammen.

Die Krisensitzung sollte die Geburtsstunde eines der originellsten Bamberger Feste werden. Anfangs beteiligte sich noch Victor Orsenne daran, der eine Zeit lang im Böttingerhaus ein feines Restaurant unterhielt.

Stets spielten besondere Musiker und Bands in der Judenstraße und gab es weitere Programmpunkte, die einmalig waren. Allen voran der Schönheitswettbewerb für Mischlingshunde, ein Schaulauf der Promenadenmischungen, organisiert und moderiert von Irene Hottelmann-Schmidt.

Der Tierschutz profitierte auch vom Flohmarkt und vom Verkauf alter Hüte in ihrem "Haus zur Trommel". 1990 unterstützten die Geschäftsleute aus dem Festerlös die Rekonstruktion des Concordiabrunnens.

"Es waren herrliche Feste", konstatiert die Bambergerin, bei der stets die Fäden für das Judenstraßenfest zusammengelaufen sind: "Uns hat es gefallen, den Leuten hat es gefallen!"

Ohne die vielen Besucher und Stammgäste wäre es nicht dieser Erfolg und Dauerbrenner über Jahre geworden, sagt Irene Hottelmann-Schmidt. Deshalb ist ihr ein Dank an "unsere vielen vielen Gästen" wichtig. Zumal immer friedlich gefeiert wurde und "nie irgendwas passiert ist".