Dieter Lankes lächelt verschmitzt: "So viele Ordensmänner gibt es nicht in Bamberg", weiß der Provinzial. Umso bedeutsamer sei es, dass die Stadt nun eine "exponierte Stellung bekommt als Sitz der Deutschen Provinz der Karmeliten". Die Errichtung dieser Provinz mit 73 Patres in acht Klöstern vom Niederrhein bis Straubing ist nach Lankes Worten ohnehin ein "historisches Ereignis", eine "Wegmarke in der fast 800-jährigen Geschichte des Ordens auf deutschem Boden".

Seit 1273 sind Karmeliten auch in Bamberg ansässig, gehören in ihrer braunen Kutte zum Stadtbild. 14 Patres zählen zum Karmel am Karmelitenplatz. Sie wirken im Studienkolleg Theresianum, im Klosterladen, in der pfarrlichen Seelsorge an der Oberen Pfarre, in Trosdorf, Höfen, Erlach, Stegaurach, Schlüsselau und Erlangen. In weiteren Orten leisten Karmeliten gottesdienstliche Aushilfen, wenn sie angefragt werden. Und natürlich sind sie in ihrer eigenen Klosterkirche St. Theodor präsent, der Beichtkirche Bambergs schlechthin.

Seit 1922 war Bamberg Sitz der Oberdeutschen Provinz der Karmeliten. Nun fusioniert sie mit der Niederdeutschen Provinz zur Deutschen Provinz. Bamberg wird ihr Kristallisationspunkt, um den Körperschaftscharakter der neuen Deutschen Provinz beibehalten zu können. Voraussetzung dafür ist ein Sitz in Bayern.

Bamberger zum Provinzial ernannt

Der Generalprior des Karmelitenordens, der Spanier Fernando Millán Romeral, und sein Rat haben den Bamberger Dieter Lankes zum Provinzial ernannt. Für ihn ist die Fusion Ausdruck einer sehr bewegten Entwicklung, die immer eng verknüpft sei mit dem Zeitgeschehen und daraus resultierenden Erfordernissen der Veränderung.
Der Provinzial macht keinen Hehl aus seinen Sorgen um fehlenden Nachwuchs im Orden, um Überalterung. Dennoch verknüpft Pater Lankes mit der Errichtung der Deutschen Provinz die Hoffnung auf einen Neuaufbruch. Auf eine spirituelle Neuausrichtung, auf eine zündende Berufungspastoral.

"Wohin können wir neu aufbrechen?", überlegt der Provinzial und hält es durchaus für möglich, dass weitere Klöster gegründet werden könnten. Schließlich habe sich sein Orden das Motto gegeben "Karmeliten - Leidenschaft für Gott". Und diese Leidenschaft "wollen wir über die Klostermauern hinweg zu den Menschen bringen", betont Lankes. Auch diese missionarische Ausrichtung gehöre zu den Karmeliten, was etwa ihre Dependancen in Brasilien, Indien und Kamerun belegen würden. Ausgangsort dieser Missionen, die inzwischen in die Selbständigkeit und Eigenverantwortung entlassen wurden, war Bamberg.

Provinzial Lankes ist ein wenig stolz darauf, dass der Fusionsprozess "sehr demokratisch verlaufen ist." Nicht die Ordensoberen allein hätten den Zusammenschluss der Oberdeutschen und Niederdeutschen Provinzen beschlossen, sondern es seien alle Mitbrüder befragt worden. Auch über den künftigen Patron der neuen Deutschen Provinz. Das wird der selige Karmelit Titus Brandsma, der 1942 im KZ Dachau ermordet wurde. Brandsma solle durch seine Fürsprache dabei helfen, die Karmeliten auf einen gemeinsamen Weg in die Zukunft zu führen.

Was der 50-jährige Provinzial auch als seine Aufgabe ansieht. "Wir sind ja kein Wirtschaftskonzern." Lankes sieht bei allen verwaltungsmäßigen Pflichten seinen Schwerpunkt in der geistlichen Stärkung seiner Mitbrüder. Dafür wird er sich auf die Reise zu den Klöstern der Deutschen Provinz machen. Und mit den Provinzräten überlegen, wie "veränderte Pfarrstrukturen mit dem Klosterleben kompatibel sein können." Doch erst einmal steht der heutige Festakt zur Errichtung der Deutschen Provinz auf dem Programm. Dazu kommen der Generalprior und der bisherige Provinzial der Niederdeutschen Provinz, Pater Wilfried Wanjek, nach Bamberg.