Immer wenn der Name Brose fiel, begann der Oberbürgermeister zu schwärmen: Andreas Starke (SPD) sprach von einer großen und historischen Chance für Bamberg, einer "wunderbaren Industrieansiedlung". Sie werde alle Lebensbereiche der Stadt nachhaltig und positiv beeinflussen.

Das Lob für den Automobilzulieferer Brose und seine Entscheidung nach Bamberg zu kommen, stand im Zentrum der Haushaltsrede des Oberbürgermeisters, einer von insgesamt neun Standortbestimmungen in der jüngsten Stadtratssitzung.

Wenn die Schlacht um den Etat der Stadt geschlagen, der Pulverdampf verraucht ist, nutzen die Fraktionen diese Gelegenheit, um Bilanz zu ziehen und ihre Sicht der Dinge zu formulieren. Dann wird gerne auch ausgeteilt. Ganz Staatsmann musste Starke nicht auf dieses Mittel der Rhetorik zurückgreifen. Zwar sieht auch das Stadtoberhaupt dunkle Wolken am Horizont der Stadt, weil die Wirtschaftsleistung schrumpft und aktuell auch ein großer Gewerbesteuerzahler eine Millionensumme für die Gewerbesteuern storniert hat, doch gerade für Bamberg tun sich große Chancen auf.


Neue Möglichkeiten nach Abzug der Amerikaner


Zum Beispiel die Konversion. Die Möglichkeiten, die der Abzug der Amerikaner für Bamberg bietet, kann diese Stadt positiv verändern, glaubt Starke. Deshalb investiert die Stadt in den Flugplatz und in die Breitenau. Aber nicht nur. 4,7 Millionen Euro stehen 2013 für Investitionen an Schulen und Kitas zur Verfügung.

Doch es muss auch gespart werden. Eher in einem Nebensatz nennt Starke den größten Kostenposten der Stadt, das Personal. Die Summe, die Bamberg hier jedes Jahr bewegt, ist gewaltig: 63 Millionen Euro kosten die rund 1170 Vollzeitstellen der Verwaltung. Starke spricht zwar nicht von Einschnitten, aber von Herausforderungen. Und er distanziert sich von der Forderung, an der Personalkostenschraube dürfe nicht gedreht werden.

Wie gut oder wie schlecht steht es um Bamberg wirklich? Starkes Lobpreis blieb nicht unwidersprochen. Zwar stimmten nur die Grünen und die beiden fraktionslosen Stadträte Sabine Sauer und Norbert Tscherner gegen den Haushalt 2013, doch zumindest verbal musste der OB einiges einstecken.


Geld fehlt auch in Bamberg


Etwa die CSU. Fraktionschef Helmut Müller blickt mit Sorge auf die leeren Kassen und die geplünderten Rücklagen. "Es ist wohl einiges in Bamberg eine Nummer zu groß geraten", stellt Müller fest. Auch die Bamberger Grünen sehen die Entwicklung nicht nur in rosaroten Farben. Ursula Sowa sprach von einer sozialen Schieflage und listete auf, wofür in Bamberg kein Geld da ist: Die Schulsozialarbeit, die rechtmäßige Deckung der Unterkunftskosten für Hartz-IV-Empfänger, einen angemessenen Aufwand für die Jugendarbeit und für Investitionen in den kommunalen Wohnungsbau.

Auch die Millionen, die in die Brose-Ansiedlung fließen, sind für die Grünen kein Gottesurteil: "Wir haben uns kundig gemacht und kommen zu dem Schluss, dass das Hilfspaket um 2,5 Millionen Euro abgespeckt werden könnte, ohne dass jemand vertragsbrüchig wird", sagte Ursula Sowa.

Kritische Worte musste sich der OB auch von den Freien Wählern ins Stammbuch schreiben lassen. Dieter Weinsheimer warf dem OB "Machtgebaren" vor und sprach von einem Vertrauensverlust. Die Freien Wähler hätten kein Verständnis dafür, dass die Stadtwerke nun auch den Flugplatz betreiben müssten. Sogar Täuschung warf der FW-Chef der Verwaltung vor: So habe die Stadt beim Neujahrsempfang den Eindruck erweckt, der Empfang koste die Stadt nichts. Tatsächlich habe es sich beim Spender um die städtische Hallen-GmbH gehandelt, die dafür laut Weinsheimer einen erhöhten Zuschuss erhielt.

Eine persönliche Abrechnung? Doch es gab auch tröstliche Stimmen für das Stadtoberhaupt. Wolfgang Metzner von der SPD lobte wortreich die "historische Chancen", die sich aus der Ansiedlung Broses ergäben. Klaus Stieringer, Sprecher der BR-Fraktion, sieht Bamberg in bester Verfassung, auch wenn sich die Bamberger am liebsten darüber aufregen würden, was andere Städte neidisch mache, der Touristenstrom etwa oder die Vielzahl der Studenten.

Sein Fazit werden viele in Bamberg unterschreiben können, auch wenn der aus Bremen stammende Citymanager immer noch gerne als Nordlicht gesehen wird : "Bamberg geht es gut. Man lebt gerne hier und wer nicht hier lebt, möchte schon bald hier leben, arbeiten und alt werden."