Der Sieger der Wahl kam unerwartet früh von seiner Party ins Rathaus Maxplatz. Grund: Im Sandgebiet gab es weder Handyempfang noch Internetanschluss. Der guten Laune von Thomas Silberhorn (CSU) tat dieses kleine Malheur aber keinen Abbruch. Mit strahlendem Lächeln freute sich der 44-jährige Abgeordnete über seinen unangefochtenen Sieg im Wahlkreis Bamberg.

Besonders die Zustimmung in der Stadt Bamberg hat es ihm angetan: "45 Prozent sind in Bamberg ein hervorragendes Ergebnis, wenn man bedenkt, dass mit den Freien Wählern und der AfD neue Parteien dazugekommen sind", sagte Silberhorn, der seit elf Jahren den Wahlkreis Bamberg im Bundestag vertritt.
Selbst gegenüber dem Ergebnis der Landtagswahl konnte die CSU an diesem Abend noch punkten. Bei der Landtagswahl vor einer Woche erzielten die Christsozialen nur 39 Prozent der Zweitstimmen. Bei der Bundestagswahl konnten sie noch einmal zwei Punkte zulegen.

Doch nicht nur Thomas Silberhorn und die Bamberger CSU hatten am Sonntag Grund zum Feiern. Auch der Zweitplatzierte der Wahl, der Strullendorfer Bürgermeister Andreas Schwarz, freute sich riesig. Zum einen über sein respektables Erststimmenergebnis von 22,9 Prozent. Das bedeutete gegenüber 2009 einen Gewinn von über zwei Punkten und deutlichen Abstand vom Zweitstimmenergebnis von 19,8 Prozent.

Doch noch wichtiger war an diesem Abend das Abschneiden der Bayern-SPD mit rund 20 Prozent. Dadurch (und weil wegen der großen Prozentzahl der Parteien, die nicht im Bundestag vertreten sein werden, die Zahl der Ausgleichsmandate hoch sein wird) wusste Schwarz am Sonntagabend schon bald, dass er es geschafft hat und im neuen Bundestag vertreten sein wird.

Der 48-jährige Unternehmer hat im letzten Jahrzehnt als Bürgermeister in Strullendorf sehr viel kommunalpolitische Erfahrung gesammelt hat, nun wird sich für ihn in den nächsten Monaten sehr viel ändern. Unter anderem will er versuchen, in den Finanzausschuss des Bundestags zu kommen. Doch Schwarz wäre nicht Schwarz, wenn er nicht auch jetzt auf dem Boden bliebe. Er versprach, enge Bindung zum Wahlkreis zu halten und bei seiner Arbeit in Berlin immer auch im Auge zu behalten, wie sich Entscheidungen auf Bundesebene vor Ort auswirken.


Starke sieht Gewinn für Region
Großes Lob kam für Schwarz an diesem Abend auch von Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD). Starke bezeichnete das Ergebnis von Schwarz als großen Achtungserfolg und als einen Vertrauensbeweis der Wähler. Aus Sicht Starkes bedeutet der Einzug seines Parteigenossen eine Stärkung des Raumes: "Mit Silberhorn und Schwarz wird die Region künftig von zwei sehr erfahrenen Politikern vertreten. "

Während die SPD im Lindenbräu in Strullendorf das Ende einer 19-jährigen SPD-Vakanz im Wahlkreis Bamberg feierte, war die Niedergeschlagenheit im Bamberger Restaurant Aposto mit Händen zu greifen. Dort traf sich der Bamberger Bundestagsabgeordnete Sebastian Körber mit seinen Mitstreitern. Noch am Tag vor der Wahl war der 33-jährige Architekt aus Forchheim fest davon ausgegangen, dass es die FDP in den Bundestag schaffen würde. Das hätte für ihn, der auf der Landesliste weit vorne platziert war, den sicheren Wiedereinzug in den Bundestag bedeutet. Doch "der Souverän", wie Körber sagte, hat es anders gewollt.


Ein bitterer Tag für die FDP
Für die FDP sei dies ein absolut bitterer Tag, erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik werde die FDP nicht mehr im Bundestag vertreten sein. Über die Ursachen dieses Erdrutsches wollte Körber nicht spekulieren. Er glaube, dass die Diskussion um die Zweitstimmen der FDP geschadet habe. Für sich persönlich freue er sich, in Forchheim-Stadt ein gutes Erststimmenergebnis eingefahren zu haben. In Bamberg lag er mit 2,76 deutlich unter dem Zweitstimmenergebnis der FDP von 5,33 Prozent.

Eine Zitterpartie ganz anderer Art erlebte der Kreisvorsitzende der Bamberger AfD, Franz Eibl. Der Politikwissenschaftler und frühere Pressesprecher der Stadt Bamberg, auf dem aussichtsreichen Listenplatz vier seiner Partei positioniert, schwebte einen Abend lang zwischen Bangen und Hoffen. "Natürlich wäre es für mich sehr bitter, wenn es mit dem Einzug in den Bundestag wegen eines Zehntelprozentpunkts nicht klappen sollte", sagte Eibl. Dennoch freute sich Eibl über die große Zustimmung der Wähler für die AfD, die in den letzten Wahlkampftagen immer stärker zu spüren gewesen sei: "Das ist sensationell, dass wir es in fünf Monaten geschafft haben, so weit zu kommen und die Partei aus dem Nichts in 16 Bundesländern aufgebaut haben."

Trauermiene bei den Bamberger Grünen, die binnen weniger Tage ein zweites Mal erleben mussten, wie ihre Partei eine deutliche Niederlage einstecken musste. Doch wenigstens in Bamberg überwog die Zufriedenheit. Erststimmenkandidat Wolfgang Grader erhielt hier 13,35 Prozent der Stimmen.

Ergebnisse in Bamberg:

Wahlkreis Der Wahlkreis Bamberg setzt sich aus der Stadt Bamberg, dem südlichen Landkreis Bamberg sowie Stadt und Landkreis Forchheim zusammen.

Bamberg-Stadt Die Erststimmenergebnisse in Prozent in Bamberg-Stadt:
Thomas Silberhorn (CSU): 44,7
Andreas Schwarz (SPD): 26,1
Wolfgang Grader (Grüne): 13,3
Wolfgang Böhme (Linke): 4,2
Franz Eibl (AfD): 3,6
Robert Streng (Piraten): 2,9
Sebastian Körber (FDP): 2,8
Peter Dorscht (FW): 1,4
Sven Diem (NPD: 1,0)

Alle Ergebnisse der fränkischen Stimmkreise für die Bundes- und Landtagswahlen finden Sie unter wahlen.infranken.de. Auch Detailinformationen zu den Kandidaten finden Sie auf dieser Seite.