Ist Bamberg reif für die Couch - 1111 Jahre nach der ersten Erwähnung in der Chronik des Regino von Prüm? Sicher mangelt's nicht an Dom-Stadtneurotikern, wie aufmerksame Beobachter des Tagesgeschehens wissen. So brachte eine längere "Fallstudie" des FT Johannes Wilkes möglicherweise auf die Idee, sich näher mit dem Homo Bambergensis zu befassen. Vor den Untersuchungsergebnissen des Erlanger Psychotherapeuten braucht aber kein Leser zurückzuschrecken: Selten wurde unsere Stadt samt Bewohnern amüsanter beschrieben als in "Bamberg hoch sieben". Beim Streifzug durch das 200-seitige Werk kann jeder die Seele baumeln lassen.

Welcher Hügeltyp sind Sie?

Was gibt's Schöneres, als an Badeseen oder fernen Urlaubsstränden tiefenentspannt zu schmökern! Eine gute Gelegenheit, sich selbst näher zu kommen. Passend dazu bietet Wilkes einen Bamberger "Sieben-Hügel-Test". Wen beispielsweise zieht der Stephansberg magisch an? Genussmenschen, die Bierkeller-Runden lieben und "mit jedem weiteren Seidla gewagtere Vorschläge entwickeln, wie die Welt zu retten ist". Vom Revoluzzer ist der "Typ Stephansberg" dennoch weit entfernt, der im netten Plauderton sinniert, sofern keine Konfrontation mit der "Abtsberg"-Fraktion ansteht: Naturfreaks, die das Bamberger Bier ablehnen - im Extremfall sogar jeden Alkohol.

Dabei plagt die Radikalen mit "grüner Note" neben Heuschnupfen eine ausgeprägte Allergie gegen die "Domberg-Kaste": Auf "Glanz und Gloria" stehende Nostalgiker mit unerklärlicher Affinität zum Typ "Kaulberg": Beim schillerndsten Modell aus den Reihen des "Homo Bambergensis" schwankt die Stimmungslage zwischen himmelshochjauchzend und zu Tode betrübt, also dem oberen und unteren Bereich jenseits einer selten erreichten Mitte.

Springen wir zurück zum Domberg, mit/auf dem das Bamberg-Buch beginnt. Schließlich dürfen geschichtliche Betrachtungen angesichts der reichen Historie der Stadt nicht fehlen. "Hier bauten sich schon um 4000 vor Christus pfiffige Bamberger ihr Nest", berichtet der Erlanger Autor. "Müll wurde damals nicht recycelt, sondern an Ort und Stelle verscharrt. Weshalb wir wissen, dass Ur-Bamberger Tonkrüge nutzten und sich mit Steinbeilen die Köpfe einschlugen." Ehrfurcht vor den Ahnen? Fehlanzeige! Im locker-flockigen Ton geht's weiter bis ins 21. Jahrhundert, in dem sich das Welterbe mit Besucher aus aller Welt herum schlägt. So vielen, dass Wilkes zu einer angemessenen Beschilderung rät: "Wegen Überfüllung geschlossen."

Geheimnisse ausplaudern

Geheimnisse des Gabelmanns enthüllt der Psychotherapeut, nachdem sich die ärztliche Schweigepflicht nicht auf Götter bezieht. Demnach plagen Neptun höchst irdische Gelüste, vor denen man Fränkinnen bewahren musste. Hinter Gittern verschwand der Gobelmoo, der seither in mehr als einer Hinsicht auf dem Trockenen sitzt - ohne je wieder abtauchen zu können. Was die finstere Miene erklärt, mit der der Meeresgott das Treiben um sich herum seither beobachtet.

Mit ihren Reizen geizen Bambergerinnen eben nicht, denen sich der Erlanger in einem weiteren Kapitel widmet. Darin geht der Therapeut der Frage nach, warum die Damenriege der Domstadt so sexy ist ("Sieben-Hügel-Lauftraining") und Männern den Kopf verdreht. Wie nicht zuletzt E.T.A. Hoffmann, der sich als genialer Musiker, Dichter und Zeichner mit seiner Verehrung einer 13-Jährigen zum Affen machte. In Bambergs romantischem Ambiente verliebe man sich schnell, schlussfolgert Wilkes: "Amor hat's leicht, willige Opfer für seine Pfeile zu finden."

Auf vieles hat der Therapeut eine Antwort. Das Rätsel des Bamberger Reiters löst aber auch er nicht. Eine peinliche Nummer, bis heute kaum nachzuvollziehen. Immerhin, so Wilkes, habe man Lehren aus dem Debakel gezogen. Erläuternde Tafeln verhinderten beispielsweise, dass "man in tausend Jahren Boteros ,liegende Frau mit Frucht' für eine Bamberger Bürgermeisterin hält oder Lüpertz Apoll für ein frühverrentetes Mitglied der Symphoniker".