Es ist ein Schaden, der für ernste Gesichter sorgt: Gerade einmal zweieinhalb Jahre nach der Eröffnung lassen graue Löcher am Beckengrund das neue Bambados alt aussehen: Auf einer Fläche von insgesamt rund 15 Quadratmetern haben sich Fliesen am Boden des Sport- und Freizeitbades gelöst.

"Am 18. Juli ziehen wir abends den Stöpsel", sagt Jan Giersberg, Pressesprecher der Stadtwerke Bamberg. Dann wird das Wasser aus dem Schwimmerbecken abgelassen. Zweieinhalbtausend Kubikmeter Wasser, die mehr als zwei Tage brauchen werden, um abzulaufen. Das ist normal bei der jährlichen Revision des Bambados. Was nicht normal ist: der Termin. Dieses Jahr ist man zwei Wochen früher dran.

Gewährleistungspflicht beträgt fünf Jahre

Schließlich sind umfangreiche Sanierungsarbeiten zu erwarten. "Im besten Fall hat die Firma, die die Fliesen verlegt hat, ihre erneuten Arbeiten Mitte September abgeschlossen", sagt Christoph Jeromin, Abteilungsleiter Bäder und Wasserversorgung. Die Stadtwerke gehen davon aus, dass das Unternehmen, das die Fliesen verlegt hat, in der Gewährleistungspflicht ist. "Sie beträgt fünf Jahre, wir sind im Sommer 2011 in Betrieb gegangen", sagt Jeromin.

Weitere Auskünfte, wie etwa zu den Kosten, wollten die Stadtwerke nicht machen. Auch zum Ausmaß der Schäden gibt es noch keine genauen Angaben: Ein externer Sachverständiger, der vom Bamberger Landgericht bestellt wurde, wird zu Beginn der sommerlichen Revision das 50-Meter-Schwimmerbecken genau untersuchen. "Er legt fest, in welchem Umfang die Fliesen ausgetauscht werden. Mein Bauchgefühl sagt mir, es wird wohl ein großer Bereich sein", sagt Jeromin - im schlimmsten Fall wäre der Boden des kompletten Schwimmerbeckens betroffen.

Vor wenigen Tagen hatten sich auch im Freizeitbecken drei Fliesen gelöst. Davon ist aber nichts mehr zu sehen, da sie bereits mit Unterwasserkleber wieder festgeklebt wurden. "Grundsätzlich ist es normal, dass sich mal zwei, drei Fliesen lockern", sagt Giersberg. Sollte sich allerdings im Laufe der Zeit das gleiche Bild wie im Schwimmerbecken ergeben, "haben wir im Freizeitbecken nächstes Jahr das gleiche Szenario", sagt Christoph Jeromin.

Arbeiten am großen Becken sollen etwa sechs Wochen dauern

Er hofft, dass das Schwimmerbecken rechtzeitig zum Schulbeginn im September wieder in Betrieb ist. Die Fliesen-Firma habe angegeben, dass das große Becken etwa sechs Wochen brauchen werde. Doch ausschließen will Jeromin nicht, dass sich das Ganze um ein bis zwei Wochen verzögern könnte.

Ein Kontakt zum Unternehmen direkt war nicht möglich. Hans-Jürgen Drescher, Obermeister der Fliesenlegerinnung Forchheim/Bamberg und Fachgruppenvorsitzender der Fliesenleger für Oberfranken, sagt auf Anfrage allerdings klar: "Die Art und Weise, wie die Fliesen verlegt wurden, ist grenzwertig - nicht nur im Becken."

Der Fliesenleger-Fachmann hat sich das Bambados 2011 in nagelneuem Zustand angeschaut und meint, dass die Arbeit der ausführenden Firma "gerade noch der Norm" entspreche. Er erklärt, worauf es ankommt: "Die Fliesen müssen vollsatt verlegt sein, das heißt, sie müssen komplett mit dem Kleber bedeckt sein. Es darf keine Hohlstellen geben, damit kein Wasser eindringt." Dann müssten die Fliesen richtig in den Boden eingedrückt werden. "Und der Boden muss in Felder von etwa 30 bis 40 Quadratmetern eingeteilt werden, damit sich der Druck verteilt."

Hans-Jürgen Drescher hat laut eigener Aussage selbst schon Bäder gefliest. "Das ist eine hoch sensible Sache, bei der mit größter Sorgfalt gearbeitet werden muss." Er kritisiert, dass es beim Bambados eine europaweite Ausschreibung gegeben hat. "Da muss der günstigste Anbieter genommen werden, wenn er die Qualifikation nachweisen kann." Das Problem sei, wenn dieser dann Subunternehmer beschäftige. Und, dass der Meisterzwang weggefallen sei. "Da kann sich jeder selbstständig machen und rummurksen."

Heimischer Anbieter zu teuer

Der Obermeister der Fliesenlegerinnung sagt, dass er selbst auch angerufen worden sei im Zusammenhang mit Fliesenlegerarbeiten im Bambados. "Aber ein heimischer Anbieter kann nicht so billig arbeiten." Jeromin schätzt, dass der gesamte Boden des Schwimmerbeckens ausgetauscht werden muss. "Wenn er locker ist, dann komplett." Müssen die Stadtwerke seiner Meinung nach zukünftig mit ähnlichen Vorfällen rechnen? "Wenn nach zwei bis drei Jahren mit den Fliesen nichts passiert ist, dann kommt auch nichts mehr." Das, was bald bei der sommerlichen Revision kommt, kann allerdings teuer werden. Der Fachmann schätzt, dass sich der Austausch des Bodens auf Kosten im fünf- bis sechsstelligen Bereich belaufen könnte. "Hoffentlich geht die Firma nicht pleite."

Wie hoch die Summe tatsächlich sein wird, hängt von der zu sanierenden Fläche und vom Urteil des Sachverständigen ab. Laut Jan Giersberg hat das Sportbecken eine Wasserfläche von 1050 Quadratmetern. "Im schlimmsten Fall müssten 600 Quadratmeter Bodenfläche ausgetauscht werden", sagt er. Woher die Differenz? Der Hubboden und die Trennwand seien vermutlich nicht betroffen, wie Giersberg sagt. Bisher hätten dort alle Fliesen gehalten. Sie wurden von einer anderen Firma gelegt.