Anfang Oktober stehen Theres und Alina Gerischer in einem noch unfertigen Zimmer ihres zukünftigen Ladens. Die meisten Wände sind bereits neu gestrichen, heute reißen sie in der Luitpoldstrasse 36 den alten Fußboden heraus. "Es kommt ständig was dazwischen", sagt Alina. "Daher verzögert sich die Eröffnung immer wieder." "Ende Oktober bis Anfang November wollen wir fertig sein", fügt Theres hinzu. Das hat nicht ganz geklappt, aber fast: Am 16. Dezember 2017 öffnet Bambergs erster Unverpackt-Laden endlich seine Pforten.

Über ein Crowdfundingprojekt bekamen die Geschwister knapp 45 000 Euro für ihren Laden zusammen. "Wir mussten trotzdem viel dafür tun, Crowdfunding läuft ja auch nicht von allein", sagt die 22-jährige Alina. "Also Werbung und sowas - viele Leute haben unsere Posts geteilt, das hat uns auch sehr geholfen."


Unnötigen Abfall vermeiden

Beide sind eigentlich gelernte Flechtwerkgestalterinnen. Die Idee zum Unverpackt-Laden kam ihnen beim Kochen. Die vielen Verpackungsabfälle brachten sie ins Grübeln über mögliche Alternativen. So wurde der Gedanke geboren.

Hinter den Kulissen des Ladens soll so wenig Müll wie möglich anfallen, auch die Transportwege der meisten Produkte sind für die Unternehmerinnen komplett nachvollziehbar. "Wir bekommen das Meiste in Großgebinden, das sind in der Regel 20 bis 25 Kilo-Säcke. Außen aus Papier, innen mit einer dünnen Plastikbeschichtung, da die Säcke sonst zu wasserempfindlich wären", sagt Alina. Die Produkte werden dann in die entsprechenden Behälter umgefüllt, die wie Lebensmittelspender funktionieren. Was von Kunden abgefüllt werde, solle dann auch gekauft werden - auch wenn es mal ein wenig zu viel war. Einfach zurückfüllen sei nicht erlaubt.

Auch Milchprodukte und Hygieneartikel wie Duschgel oder Waschmittel sollen verkauft werden. Erstere finden sich entweder in einem Kühlregal oder - in Form von Käse - hinter einer entsprechenden Theke. Nur Fleisch und Fisch werde man vergebens suchen. "Wir achten bei unseren Angeboten darauf, dass sie Fair-Trade, biologisch und unbehandelt sind. Auf ein Bio-Zertifikat verzichten wir aber dann, wenn wir ein Produkt aus einem lokalen Betrieb beziehen, der nur unbehandelte Ware verkauft. Solche Zertifikate sind für die Unternehmen schließlich teuer, daher hat nicht jeder eines", erklärt Alina.


Kunden bringen Behälter selbst mit

Die Behälter zum Einkaufen bringen die Menschen idealerweise von zuhause mit. Für Neukunden soll es möglich sein, die Abfüllbehältnisse im Laden zu kaufen, eventuell werde es auch ein Pfandleihsystem geben, das sei aber noch abzuklären. Nachdem die Kunden ihre Behälter abgewogen und mit dem entsprechenden Gewicht beschriftet haben, können sie die Produkte abfüllen. An der Kasse wird dann abermals gewogen und der Preis berechnet. Neben den schweren Glasbehältern gibt es auch Baumwollbeutel, die für Fahrradfahrer und Fußgänger durch ihr geringes Gewicht geeigneter sind. "Und wer ohnehin mit dem Auto in die Stadt fährt, kann den Besuch ja mit dem Einkauf verbinden", sagt Alina.

Doch wie vermeidet man, dass Produkte berührt und zurückgelegt werden? "Man kann die Behälter zum Beispiel so positionieren, dass kleine Kinder nicht ran kommen", sagt die 19-jährige Theres, "bei Erwachsenen wollen wir darauf hinweisen, mit Schildern oder Ähnlichem. Außerdem ist der Laden gut einsehbar, so dass wir so etwas bemerken sollten. Ein Stück weit setzen wir auch einfach Vertrauen in unsere Kundschaft."


Gewürze werden günstiger


Im preislichen Vergleich zu herkömmlichen Supermärkten schneiden die Bio- und Fair-Trade-Produkte meist etwas teurer ab. Doch auch hier gibt es Ausnahmen. "Wir sind auf keinen Fall teurer als ein Bio-Laden, unsere Produkte sparen schließlich die Verpackung ein", sagt Alina. "Beispielsweise bei Gewürzen kostet die Verpackung mehr als der Inhalt", fügt sie hinzu. Hierbei könne ihr Laden wohl preislich punkten. Aber nicht nur bei der Ware achten die Geschwister auf Nachhaltigkeit: Die Lebensmittelbehälter haben sie gebraucht von einem anderen Unverpackt-Laden gekauft, die bereits vorhandenen Möbel sind ebenfalls gebraucht. Das meiste wollen sie aber selbst herstellen, zum Beispiel aus alten Holzpaletten oder über ihr Flechthandwerk.


Die Unternehmensphilosophie


"Wir wollen viel Gutes für Menschen und die Welt tun", sagt Alina Gerischer. Ihre Schwester pflichtet ihr bei: "Ich denke, so ein Laden öffnet die Augen und sensibilisiert die Menschen für das Thema Ressourcenschonung."

Für die Zukunft planen die beiden auch noch Seminare, zum Beispiel zur Herstellung von eigenem Waschmittel - verpackungsfrei, natürlich.