Handwerker wuseln draußen und im Haus sind Geräusche zu vernehmen, die auf Restarbeiten schließen lassen. Derweil erkunden die ersten Bewohner ihr neues Domizil. Ernst Hofmann, Irmgard Martin und Adelheid Feuerer gehören dazu. Das neue AWO-Seniorenzentrum eröffnete mit dem gestrigen 1. August. "Herzlich willkommen" steht auf dem Banner über dem Eingang. AWO-Geschäftsführer Werner Dippold, Einrichtungsleiterin Birgit Baseler-Buck, AWO-Fachbereichsleiterin Gundi Heusinger und Bürgermeister Carsten Joneitis stehen Spalier. Für jeden Neuankömmling gibt's eine Sonnenblume zur Begrüßung. Ein kleiner Vorgeschmack auf das auffallend helle und freundliche Haus.

Damit sich die Bewohner zurecht finden, ist jedem an seinem ersten Tag hier Betreuung zur Seite gestellt. Von "der Bosch", so Dippold Heusinger helfen Vera, Johannes und Marco, drei von einer Reihe von Azubis, im Rahmen eines sozialen Projekts beim Umzug.

Insgesamt 56 Plätze
Nach Baubeginn im März vergangenen Jahres nimmt die Einrichtung jetzt ihren Betrieb auf. 57 Plätze hat das Pflegeheim. 24 davon werden mit dem Eröffnungstag belegt. Mitte August, wenn die Restarbeiten beendet sind, folgen noch einmal 15 Senioren. Viele der Bewohner sind Oberhaider, die nun den Lebensabend in ihrer Heimat-Gemeinde verbringen können, "Heimkehrer" (aus anderen Heimen im Landkreis), wie der Bürgermeister sie liebevoll nennt.

Das Betreute Wohnen, das 26 Senioren Raum gibt, und noch fertiggestellt wird, ist auch schon so gut wie ausgebucht, freut sich Dippold. Ein Zentrum der Begegnung und sozialen Dienstleistungen soll die Einrichtung in der Friedrich-Ebert-Straße 8 werden, so sagt er in seiner kleinen Ansprache. Und verweist auf den offenen Mittagstisch, die Cafeteria und den Frisörladen. "Demnächst kommen noch Apotheker und Arzt." Selbst wird Dippold ein Büro in diesem Zentrum der sozialen Dienstleistungen haben, sagt er. Zum 1. August begrüßt er in Oberhaid "30 motivierte Mitarbeiter". Mit Fertigstellung des gesamten Zentrums wird sich deren Zahl verdoppelt haben.

Jetzt wollen die Bewohner aber endlich ihr neues Heim sehen. Ernst Hofmann (77) aus Bamberg ist eingetroffen, das AWO-Stammpersonal kündigt ihn als Stimmungskanone an. Selbst formuliert er das so, "ich mach halt a weng a Gaudi und bin a alter Sprüchbeutel." Sein Fahrrad wird noch nachgeliefert. Und als die Heimleiterin ihn einlädt, im Fahrstuhl mit nach oben, in die kleine Kapelle zu fahren wird er energisch "na na na, mir laufen!"

Ein Kreuz mitgebracht
Bürgermeister Joneitis hat das Kreuz mitgebracht, Vikarin Mirjam Elsel spendet der Einrichtung den kirchlichen Segen, Ernst Hofmann applaudiert. Dann kommt der große Moment, die Senioren gehen zu ihren Zimmern.
Die 86-jährige Adelheid Feuerer wohnt im Parterre, dorthin geht's mit dem Aufzug, der Bürgermeister begleitet sie. "Ich hab' ein Zweibettzimmer", weiß die Seniorin. Groß ist die Freude als sie erfährt, dass sie dieses mit ihrer älteren Schwester Regina bewohnen wird. Fotos von beiden hängen bereits außen, damit jeder leichter zurecht kommt. "Ah ja," nimmt sie Details im freundlichen Raum wahr. Als sie die Puppensammlung sieht, die der Schwester sieht, die auf deren Bett arrangiert ist, muss sie schmunzeln. "Alles neu, des ist echt schön", kommentiert sie ihre neues Zuhause, in dem nun auch Tochter Anita Then eingetroffen ist.

"Jetzt brauchst nicht nicht mehr nach Bamberg zu fahren", stellt Bürgermeister Joneitis fest, denn die Senioren verbrachte die letzten eineinhalb Jahre in einem Bamberger Pflegeheim. "Sie hat immer gefragt, wann wird das in Oberhaid endlich fertig", weiß Tochter Anita. "Das ist ein Stück Heimat für sie." Freilich müsse sie sich erst zurechtfinden, "das ist hier alles supermodern."

Das neue Heim strahle viel Freundlichkeit aus und die Einrichtung habe einen "ganz hohen Standard", merkt die Vikarin an, die hier wohl öfter in Sachen Seelsorge anzutreffen sein wird. Sozusagen als Nachbarin wird man auch Hannelore Utecht-Bauer, Leiterin des vom benachbarten Regenbogen-Kindergarten - dann mit Kindern - antreffen. Das ist so geplant. Und auch Schüler der benachbarten Schule sind hier gleichfalls herzlich willkommen. Stichwort Nachbarn: Joneitis zollt allen höchsten Respekt und Dank, das sie den Baulärm so ertrage haben.

Als Experte in Sachen Senioren ist auch der gemeindliche Seniorenbeauftragte Norbert Görtler bei der Eröffnung. Er verteilt des Franken höchstes Lob fürs neue Heim: "Passt schon."

Mit dem Oberhaider Seniorenzentrum gibt es im Landkreis Bamberg nun übrigens 1443 Pflegeplätze, so die Nachfrage bei Eduard Hack am Landratsamt. Diese Pflegeplätze finden sich in insgesamt 22 Altenpflegeeinrichtungen.