Bosch, Michelin, Brose: Die Autobranche hat Schwierigkeiten. Ihr Autohaus dagegen investiert im großen Stil. Schwimmen Sie gegen den Strom? Michael Eidenmüller: Nein, wir schwimmen nicht gegen den Strom, sondern wir schaffen mit unseren Investitionen die Voraussetzungen für sichere Arbeitsplätze und das Dienstleistungsangebot für unsere Kunden. Der Hersteller fordert Investitionen von uns, um als Mercedes-Benz-Vertragspartner existent sein zu können. Andernfalls würden wir unseren Vertrag verlieren.

Wie viel Geld nehmen Sie dafür in die Hand? Zum 7,5 Millionen Euro teuren Neubau kommen noch sieben Millionen Euro Grundstückskosten dazu. Alles in allem haben wir in den vergangenen fünf bis sechs Jahren rund 30 Millionen Euro investiert.

Trifft die aktuelle Krise den Autoverkauf also nicht? Doch, das kann man nicht losgelöst sehen. Die Nachfrage nach Fahrzeugen geht zurück, deswegen geht auch die Produktion zurück, und wir verkaufen weniger Autos. Das betrifft uns eins zu eins, und die Elektromobilität, die kommen wird, trifft uns ebenfalls, nur mit einem zeitlichen Versatz.

Wie kann man sich als Autohaus wappnen? Wir haben mit Mercedes-Benz, VW, Porsche und den Nutzfahrzeugen sehr gute Marken. Man muss auch die Anforderungen der Kunden erfüllen, die digitaler geworden sind und sich zuerst im Netz informieren und mit vorgefertigten Wünschen zu uns kommen. Das müssen wir abbilden, um für die nächsten zehn Jahre gerüstet zu sein.

Und danach? Dann kommt die Transformation vom Verbrennungs- hin zum Elektromotor.

Gehen die aktuellen Investitionen schon in diese Richtung? Das wird noch weitere große Investitionen erfordern, zum Beispiel für die Stromversorgung der Ladesäulen und für die Quarantäne-Stationen, um Brandsicherheit bei beschädigten E-Fahrzeugen zu garantieren. Man spricht vom Ende des Verbrennungsmotors in Deutschland bis 2040. Ab diesem Zeitpunkt werden keine Verbrennungsmotoren mehr zugelassen und der Autohandel und der Service werden komplett anders aussehen.

Was bedeutet das konkret? Der E-Kunde hat nur noch 30 Prozent der heutigen Wartungskosten beim Verbrennungsmotor. Man braucht also auch nur 30 Prozent an Kapazität wie zum Beispiel Gebäude und Mitarbeiter, um diese Fahrzeuge zu warten. In den nächsten fünf Jahren werden also auch wir unsere Kapazitäten anpassen müssen.

Das Autohaus Scholz soll also schlanker werden? Richtig. Wir müssen jeden Bereich und jede Kostenart infrage stellen, um uns für diese Transformation zu rüsten. Damit haben wir schon gestern angefangen.

Das ist bisher nicht ohne Widerstand gelaufen. Es gab Streiks und Streit mit der Gewerkschaft. Unsere Personalkosten liegen um ein Prozent höher als bei allen anderen Mercedes-Benz-Vertretern. Dieses eine Prozent bedeutet, wir zahlen in Summe 2,4 Millionen Euro Personalkosten mehr. Warum? Weil wir bisher Tarif bezahlt haben. 91 Prozent der Automobilbetriebe haben keinen Tarifvertrag, nur neun Prozent haben einen. Wir hatten mit der IG Metall um einen Haustarif verhandelt. Da lagen Forderungen auf dem Tisch, die zur Folge gehabt hätten, dass die Personalkosten für dieses Jahr und alle folgenden um mehr als zehn Prozent gestiegen wären. Das können wir am Markt nicht erwirtschaften, denn zehn Prozent höhere Wartungskosten zahlt uns unser Kunde nicht.

Die Gewerkschaft sieht das anders. Was ist der aktuelle Stand bei den Verhandlungen? Die sind kläglich gescheitert. Wir haben der IG Metall ganz klar verdeutlicht, dass wir so in Zukunft nicht weiter existieren können und haben die Entscheidung getroffen, keinen Tarifvertrag, sondern Einzelvereinbarungen mit unseren Mitarbeitern abzuschließen. Wir meinen, dass das ein faires Angebot ist und haben eine sehr große Zustimmung von unseren 1300 Mitarbeitern erfahren. Unser größtes Ziel ist es, unseren Mitarbeitern sichere Arbeitsverträge zu bieten.

Stichwort Sicherheit. Sie haben gesagt, der Technologiewandel erfordere Abstriche. Auf welche Mitarbeiterzahl wollen sie bis dahin schrumpfen? Das kann ich Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Wir haben im Moment volle Auftragsbücher in allen Bereichen, in der Werkstatt zum Teil leider sogar Voranmeldezeiten. Derzeit suchen wir sogar Mitarbeiter. Zum Beispiel Annahmemeister bei den Nutzfahrzeugen, Mitarbeiter in der Pkw- und Nfz-Werkstatt, Verkäufer und Auszubildende. Von den Automobil-Zulieferbetrieben, die gerade abbauen, sind wir natürlich auch interessiert, dass wir den ein oder anderen Mitarbeiter bekommen.

Sie stehen vor einer personellen Herausforderung und vor einer baulichen... Mercedes-Benz hat sich entschlossen, in Deutschland an 127 Standorten in sogenannte "Leuchtturm"-Betriebe zu investieren. Damit sind wir zu einem Pilot-Autohaus für Mercedes-Benz weltweit geworden. Das heißt, es ist das allererste Autohaus, das nach neuesten Corporate-Identity-Vorgaben der Daimler AG errichtet wird.

Wie muss man sich das vorstellen? Wir errichten ein 100 mal 45 Meter großes Gebäude, in dem alles nach speziell definierten Prozessen abläuft. Es werden sämtliche Fahrzeugbaureihen von Mercedes-Benz ausgestellt, zum Teil auch vor riesigen Bildschirmwänden.

Autokauf als Erlebnis? Ja, das soll es sein. Und vor allem eine visuelle Darstellung der ganzen Möglichkeiten, die Mercedes-Benz bietet. Wir werden vier solcher Stages bekommen. Auf der Mainstage können wir die Produkthighlights ausstellen. Außerdem haben wir eine eigene AMG-Stage und eine EQ-Stage, an der wir Elektrofahrzeuge und alle technischen Features anhand von Filmen erklären können. Das komplette Ausstellungszentrum ist zur Zeit das modernste, was es in Sachen Automobilvertrieb gibt.