Von der Leidenschaft einer professionellen Sammlerin getrieben hat Barbara Spies ein Jahr lang zusammengetragen, gesichtet, gewertet, geschrieben. Das Resultat kann sich in der Tat sehen lassen und soll von möglichst vielen Oberhaiderinnen und Oberhaidern besichtigt werden. Ab dem heutigen Samstag, 10 Uhr, ist im Rathaus die Ausstellung zum Jubiläum "1225 Jahre Oberhaid" zu sehen, deren Schwerpunkt auf den letzten 100 Jahren liegt. Der Grund: "In diesem Zeitraum erfolgte die gravierendste Entwicklung Oberhaids und hierzu konnten wir noch Zeitzeugen befragen", macht Spies, die auch Kreisarchivpflegerin ist, deutlich.

Die Ausstellung, die sich über Eingangsbereich, Trausaal und Treppenhaus erstreckt, umfasst eine Vielzahl von Exponaten, die sich mit einer ganzen Reihe von Ausstellungsfahnen mit Infomaterial und historischen Fotos abwechselt. Die Ausstellung findet Bürgermeister Carsten Joneitis so aussagekräftig und stimmig, dass er sie am liebsten dauerhaft in einer Art Heimatmuseum zeigen würde. Aber ein Schritt nach dem anderen...



Achivpflegerin Spies ist überaus angetan von der Unterstützung, die sie erfahren hat. Viele Oberhaider, hat sie in Zeitzeugen-Interviews befragt, eine Vielzahl von beeindruckenden Exponate als Leihgaben erhalten. Gemeindebürger haben sich dabei ebenso eingebracht wie Mitarbeiter des Rathauses, Gemeinderatsmitglieder oder auch Bürgermeister Joneitis. Von ihm, das heißt seiner Frau, stammt beispielsweise die historische Schulbank, wie sie um 1900 wohl im damaligen Schulhaus, dem heutigen Rathaus gestanden hatte. Da sie keinen Schulranzen bzw, keine ausstellungsfähige Schultüte gefunden hatte, stellte die Archivpflegerin kurzerhand Utensilien aus dem eigenen Familienfundus zur Verfügung. Neben dem Thema Schule finden sich 14 weitere Schwerpunkte wie beispielsweise Kindergarten, Ortsgeschichte, Landwirtschaft, Vorratshaltung, Kirche, Wallfahrt, Vereine der Feste im Jahresverlauf.

Besonders aufschlussreich sei die Ausstellung zudem was die Tatsache betrifft, dass es in Oberhaid von vielem zwei Ausführungen gibt, schmunzelt der Bürgermeister, der bekanntlich seiner Frau in den Ort gefolgt ist. Thema Heiraten: Barbara Spies freut sich, hier Brautmoden in Oberhaid dokumentieren zu können, in Bild und Exponat. So stößt der Ausstellungsbesucher im ersten Stock auf ein schwarzes Brautkleid.

Warum es schwarz ist, kann man nachlesen. Warum für Kommunionbuben und frischgebackene Ehemänner ein möglichst langer Rosmarinzweig äußerst wichtig war, erfährt man hier ebenfalls. Das "Werkzeug" übrigens, mit dem die letzten beiden Oberhaider Hebammen Neugeborene in die Welt holten, ist einer Vitrine zu sehen. Stichwort Sehen: Einer der allerersten Fernseher in Oberhaid, der dezent in einem schrankartigen Gehäuse daherkommt, dürfte die Blicke ebenso auf sich ziehen wie ein uraltes Radio.

Viele Raritäten
Eine echte Rarität dürfte gleichfalls der Kühlschrank sein, der zwischen 1890 und 1900 bei der Firma Barthen in Oberschlesien gebaut wurde. Thema Bauen: Die rasante Enwicklung Oberhaids macht eine Schwarz-Weiß-Fotografie aus den 30ern deutlich. Sie zeigt das Haus in der Schweinfurter Straße 33, damals das letzte Gebäude am westlichen Ortsrand. Es existiert heute noch - in der Ortsmitte. Da ist auch der Dr. Hau-Platz zu finden, wenige Jahrzehnte vorher befand sich an dieser Stelle noch der Dorfsee. "Kommen, sehen, staunen", wirbt Joneitis für die Ausstellung, deren Besuch er für jeden Oberhaider als informativ und aufschlussreich betrachtet. Auch weil man bestimmt Leute entdeckt, zu denen sich ein Bezug herstellen lässt, oder die für die Ortsgeschichte maßgeblich sind.

Vor dem Trausaal sind als Ergänzung zur Ausstellung in einer Dauerschau übrigens Dias von Alfons Dorrman zu sehen. Der Eintritt zur Ausstellung ist frei, sie ist bis August zu den Öffnungsstunden des Rathauses zugänglich, Führungen können über die Gemeinde (Telefonnummer 09503/9223-0) vereinbart werden.