Bamberg
Bürgerversammlung

Moschee in Bamberg: Aufgeheizte Stimmung im Norden

Die Baugenehmigung für die Moschee des Deutsch-Arabischen Kulturvereins wurde bei der eigens einberufenen Bürgerversammlung im Norden Bambergs kontrovers diskutiert.
Wie wichtig den Anwohnern der geplante Bau der Moschee ist, zeigte die Beteiligung an der Bürgerversammlung im Pfarrsaal St. Otto. Foto: Julian Megerle

Wer wusste wann was? Und gibt es hier eine Art Sonderbehandlung? Das fragten sich offenbar viele bei der Bürgerversammlung in Bamberg-Nord zur Baugenehmigung für die Moschee des Deutsch-Arabischen Kulturvereins. Nachdem der Verein in der Gönnerstraße in der Wunderburg nicht länger bleiben konnte, musste ein neues Gemeindezentrum her, welches seit dem Sommer in der Baunacher Straße 8 besteht. Der Ablauf hin zur Baugenehmigung warf jedoch viele Fragen auf.

Eklat bei Bürgerversammlung in Bamberg: Buhrufe und Gelächter

Der Inhalt ist eine Sache, die Kommunikation eine ganz andere. Denn so hatten sich Oberbürgermeister Andreas Starke, sein Stellvertreter Christian Lange, Ordnungsreferent Ralf Haupt und Baureferent Thomas Beese den Abend wohl nicht vorgestellt: Teils wütende Zwischenrufe, Menschen die "Buh" und "Pfui" riefen und in Gelächter über das Verhalten der Stadtverwaltung ausbrachen.

Bamberg-Nord "nicht privilegiert" - Entrüstung bei den Bürgern

Als Baureferent Beese sich an einer historischen Einordnung der Ansiedelung von unterschiedlichen Gewerben, Gebäuden und Einrichtungen in der Stadt Bamberg versuchte, wurde die Situation kritisch. So seien aus seiner Sicht bewusst flussabwärts im Bamberger Norden Friedhöfe, der Schlachthof, der Hafen und andere Gewerbe angesiedelt worden, um das Wasser am Oberlauf sauber zu halten. Zudem seien die Mieten und Grundstückspreise günstig sodass sich auch kleinere konfessionelle Gemeinden unterschiedlicher Religionen die Kosten leisten könnten. Bamberg-Nord bezeichnete er als "nicht privilegiert", was zur spontanen Entrüstung eines Großteils der rund 100 Menschen im Pfarrsaal St. Otto führte.

Lesen Sie auch:

Erst nach der Aufforderung durch mehrere Bürger baten der Oberbürgermeister und Baureferent zum Ende der Veranstaltung um Entschuldigung für die Ausdrucksweise. So blieb die angeheizte Stimmung über fast die gesamten zwei Stunden.

Starke: Überall in der Stadt nach möglichen Standorten gesucht

Beim Inhalt wurde es nicht weniger heikel. "Es geht darum, die Vielfalt und die Ausübung unterschiedlicher Religionen in der Stadt zu schützen", erklärte Starke. In allen Stadtteilen sei nach einem geeigneten Standort gesucht worden. Alle Fraktionen hätten in der Bausenatssitzung Ende Juli zugestimmt.

Auch wenn der Oberbürgermeister Starke betonte, dass mit der Erteilung der Baugenehmigung die Rolle der Politik formal ende, waren die Bedenken nicht ausgeräumt. "Ich habe sehr spät durch direkte Gespräche von dem Vorhaben mitbekommen", erklärte Christina Keidel den Ablauf aus ihrer Sicht. Wie die Bürgervereinsvorsitzende deutlich machte, hätte die Bürgerschaft vor Ort schon viel früher einbezogen werden müssen. Die Menschen im Saal applaudierten kräftig. "Wir müssen das Thema gemeinsam bewältigen. Die Menschen des Kulturvereins sind genauso Bürger wie wir auch", versuchte Keidel, etwas Dampf rauszunehmen.

Formell ging der Bauantrag am 24. April ein. Ab dem 29. Mai begann die Nachbarbeteiligung. "Hierbei wurden nicht alle Nachbarn angeschrieben beziehungsweise gar nicht bedacht", kritisierte Rainer Mergner das Vorgehen. Zudem seien die Pläne bei der Erteilung des Baubescheids am 7. Juni nicht die gleichen wie im Fall der Nachbarbeteiligung, welche bis zum selben Tag lief. Aus Sicht Mergners fehlte auch ein neues Rettungswegekonzept.

Baureferent Beese begründete die Versäumnisse zum einen Teil mit dem "Grundrauschen" an Bauanträgen, sodass womöglich etwas unterging. Zudem komme es immer wieder vor, dass sich ändernde Besitzverhältnisse der Gebäude in der Stadt sehr spät beim Notar nachgetragen würden, sodass nicht alle Nachbarn angeschrieben wurden, die betroffen seien. Die Lautstärke im Saal machte deutlich, wie wenig die Antworten ankamen.

Es fehlen Parkplätze

Viele Redebeiträge beschäftigten sich auch damit, wie sehr gerade an muslimischen Feiertagen und zum Freitagsgebet die Gegend komplett zugeparkt werde. Eine Bürgerin forderte Anwohnerparkplätze, da diese nicht mit Hilfe des Ordnungsamtes, sondern auch zur Not mit der Polizei "verteidigt" werden könnten.

Haupt erklärte, dass in der Gegend bereits 93 Verwarnungen verteilt wurden. Möglicherweise könne man Parkplätze quer zur Fahrbahn einrichten, um mehr Plätze zu schaffen. Laut Abdullah Mohamed, Vertreter des deutsch-arabischen Kulturvereins, rechnen sie mit rund 80 Menschen zu den Freitagsgebeten.

"Es wäre besser, wenn die muslimischen Gemeinden über die ganze Stadt verteilt wären. Das wäre eine Bereicherung für die gesamte Gesellschaft", fand Mehmet Cetindere, Vorsitzender der Ditib Moschee in Bamberg, welche sich schräg gegenüber der geplanten Moschee des deutsch-arabischen Kulturvereins befindet. Dafür erhielt er viel Applaus aus dem Publikum. Und mit dezentralisierten Religionsgemeinden klappe auch die Integration besser.

Auch die Verlegung der Moschee an den zuerst angedachten Standort ins Heroldshaus in der Ottostraße kam nochmals aufs Tablett. "Ich könnte mir vorstellen, dass wir dort hinziehen, wenn unsere anderen Mitglieder auch dafür sind", meint Mohamed. Allerdings gibt es hier noch immer keine Klarheit zwischen der Stadt Bamberg und dem Hausbesitzer.

Direkter Ansprechpartner beim PÜD

Oberbürgermeister Starke unterbreitete erst einmal ein Angebot, um den Prozess weiter zu begleiten. Zum einen solle es regelmäßige Parkkontrollen an Freitagen geben. Bis zum Ramadan solle eine neue Lösung gefunden werden. Zudem werde seitens des Parkraumüberwachungsdienstes jemand benannt, an den sich die Anwohner direkt wenden können, wenn wieder alle privaten Parkplätze zugeparkt werden. Auch die Querparkvariante soll weiter diskutiert werden.

"Außerdem möchte ich mit Ihnen ein Gremium gründen, welches das Thema weiterbearbeitet", erklärte der OB. Stadtverwaltung, Anwohner und Vertreter des deutsch-arabischen Kulturvereins sollen darin zusammenarbeiten. Sechs Personen wurden gleich an Ort und Stelle bestimmt. In zwei Wochen soll es losgehen. Und für das erste Quartal 2020 ist die nächste Bürgerversammlung geplant.

"Wir haben heute keine wirklichen Antworten bekommen", kritisiert eine direkte Anwohnerin nach der Veranstaltung. Das Eingangsstatement von Beese fand sie "unter aller Würde". "Es ist immerhin ein Dialog entstanden. Und jetzt sitzen alle wichtigen Interessenvertreter an einem Tisch", fand die Bürgervereinsvorsitzende Keidel.