Dieses Ereignis hat sich fest in das Gedächtnis von Josef Schicker eingebrannt, obwohl es 50 Jahre zurück liegt: "Es war ein großes Fest, die Leute im Hain hatten auf ihre Kirche gewartet!", erinnert sich der 82-jährige Priester gut an den 21. September 1969. Damals war Josef Schicker als Kaplan der Mutterpfarrei St. Martin bei der Kirchweih der neuen Filiale St. Josef dabei. Erzbischof Josef Schneider hatte die feierliche Zeremonie an dem modernsten Gotteshaus in Bamberg vollzogen.

Und was der Erzbischof an diesem denkwürdigen Tag gepredigt hat, könnte auch im Jahr 2019 gelten: "In der heutigen, von einer Diesseitskultur geprägten Welt ist es absolut nicht leicht, den Glauben an ein übersinnliches Jenseits zu vertreten", sagte Schneider. Aber jeder habe die Aufgabe und müsse sie auch lösen, wenn die Kirche "ein Bekenntnis unseres Glaubens sein soll". Diese Worte sind im Fränkischen Tag vom 22. September 1969 dokumentiert.

Josef Schicker, der 31 Jahre lang in Bolivien im pfarrlichen Dienst war und jetzt in Gaustadt seinen Ruhestand verbringt, erzählt immer noch begeistert von der Aufbruchstimmung in St. Josef, die den Neuaufbau der Gemeinde geprägt habe. "Es war die Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, die Kirche war in den Gottesdiensten rammelvoll, entsprechend haben wir auch gepredigt", so Schicker. St. Josef im Hain sei die erste Kirche im Erzbistum Bamberg gewesen, in der Frauen "als Lektorinnen wirkten und die Kommunion austeilten", was andernorts nur Männern vorbehalten gewesen sei.

"Kaplan Schicker war ein Seelenfänger in St. Josef", lächelt Anne Kurlemann, die im Haingebiet wohnt und sich ehrenamtlich in der Gemeinde engagiert. Sie gehört mit der Hainbewohnerin Sibylle Ruß zu den vielen Kirchenfreunden um Pfarrer Matthias Bambynek und Pastoralreferent Sebastian König, die als Festkomitee das 50. Jubiläum organisieren. Gemeinsam stöbern die beiden Frauen im Pfarrarchiv, finden die Bauzeichnungen des Architekten Adam Jakob für St. Josef, die akribischen Aufzeichnungen des einstigen Kirchenbauvereins.

Die ersten Überlegungen, im Haingebiet eine Kirche zu bauen, reichen bis in die Jahre unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg zurück. Am 5. April 1951 traf sich eine Gruppe von Männern und Frauen, die die ersten konkreten Pläne dafür erarbeiteten. Die jeweiligen Pfarrer von St. Martin - zunächst Ferdinand Klopf, nach seinem Tod Michael Kropp - setzten sich kraftvoll mit dafür ein, dass die St.-Josefs-Kirche als Filiale gebaut werden konnte. Eifrig sammelte der Verein Gelder für den Bau, dessen Kosten mit knapp einer Million Mark veranschlagt war.

Grundsteinlegung am Josefitag

Im Februar 1955 konnte das Grundstück an der Herzog-Max-Straße gekauft werden: der Quadratmeter für 15 Mark! Im Mai 1957 wurde die Kirchenstiftung St. Josef gegründet, im August 1967 die Baugenehmigung erteilt und am 19. März 1968 der Grundstein für die Kirche gelegt. Also just am Josefitag! "Über den Namen der Kirche ‚St.Josef' gab es nie eine Diskussion. Es war von Anfang an feststehend, schließt er doch eine Lücke im Kranz der Bamberger Kirchen", heißt es in der Festschrift zur Kircheinweihung.

Der Grundriss von St. Josef erfüllt die Form eines Kreuzes. Die Hülle für den Kirchenraum bildet in der Hauptsache die hochaufragende und dachtragende Holzkonstruktion, welche im Innern sichtbar in Erscheinung tritt. Den verbindenden Übergang zwischen dem weit herabgezogenen Dach und den eingestellten Mauerscheiben bilden farbige Glasfenster. Der Kunstmaler Alfred Heller hat diese Glasgemälde zu den Themen Schöpfung, Schuld, Erlösung und Vollendung geschaffen. Die bildhauerische Ausgestaltung der Kirche - etwa Altar, Ambo, Tabernakel oder Skulptur von Kirchenpatron Josef - übernahm Hermann Leitherer.

"Die Josefskirche wurde sofort angenommen", weiß Anne Kurlemann. In der Gemeinde sei "Energie spürbar" gewesen, durch Professoren wie Volker Eid oder Paul Hoffmann, die im Hain gewohnt hätten, und durch den Subregens Veit Höfner aus dem nahen Priesterseminar "wurde in den Sonntagsgottesdiensten Theologie betrieben!". Unvergessen seien die Feiern des Ostersonntags früh morgens um fünf Uhr, die Pfarrer Alois Albrecht gehalten habe. Rührige Gemeindereferentinnen und Pastoralreferenten hätten sich mit Herzblut für St. Josef eingesetzt. Und heute?

Für alle Generationen

"St. Josef ist eine Gemeinde geblieben, in der man immer etwas Neues probieren kann", erklärt Anne Kurlemann. Gleich ob für Kinder, Pfadfinder, Familien oder für Ältere sei das Gotteshaus ein zentraler Ort im Hain. Und genau für alle Generationen sei auch das Programm des Jubiläumsjahres gedacht.

Angelehnt an die zeltförmige Innenkonstruktion lautet das Festmotto "Seht Gottes Zelt auf Erden!". Gefeiert wird schon seit Februar. Bis zum Jubiläumsgipfel am Wochenende 21./22. September gibt es in jedem Monat verschiedene Angebote zum Mitmachen, Staunen und Freuen. Mit der Erntedankfeier samt buntem Kinderfest endet am 6. Oktober der Geburtstagsreigen.