"Emmi" hier, "Emmi" da, "Emmi" dort. Ein Albtraum - für alle Personenschützer. Denn Emmi Zeulner wollte wohl keinen Foto-Wunsch unerfüllt lassen und bat Ursula von der Leyen von Grüppchen zu Grüppchen. Gefühlt wollten alle ein Bild mit der zackigen Ministerin, mit "der Emmi" und mit Strauß-Tochter Monika Hohlmeier. Mit der großen Politik auf Tuchfühlung sozusagen, und das in einem mit gut 1000 Besuchern gefüllten Festzelt.
"Ich wollte die Ministerin mal in Natura sehen, wie sie sich gibt und die Emmi, wie authentisch beide sind", erklärt Stephan Firnstein seine Motivation, den Politischen Sommer der CSU zu besuchen. Genau wie seine Gattin Annette. Der stellvertretende Vorsitzende und seine Frau sitzen am Tisch des Musikvereins, Dirigentin Jasmin wartet am Podium. Gleich geht's los.

Während draußen auf der Straße ein verschworenes Häuflein linker Gruppen um Adrian Nestmann mehr Geld für Renten und Pflege statt Waffen fordert, rollt die Bundesverteidigungsministerin im dunklen Audi unbehelligt vors Zelt. Emmi Zeulner hat zuvor noch letzte Bildwünsche angenommen. Respektvolles Händeschütteln, Europa-Abgeordnete Monika Hohlmeier mit beiden befreundet, komplettiert das Damen-Trio. Sofort bildet die Masse im Zelt eine huldigende Gasse, durch welche die Damen zu Applaus und Jasmins Musikklängen sowie fortwährendem Händeschütteln nach vorne zur Bühne schreiten. Eine Vielzahl auffällig unauffälliger Anzugträger mit Kopfhörern scannt die Masse derweil nach Verdächtigem.

Gäste aus Emmi Zeulners gesamten Stimmkreis Kulmbach-Lichtenfels-Bamberg und darüber hinaus warten gespannt. Da sie Schirmherrin des RSV Drosendorf-Jubiläums war, hatte sie angefragt, ob man das Zelt im Anschluss für diese Veranstaltung haben könne, lässt Vorstand Christian Hansel wissen. Eine große Ehre und große Herausforderung für den 550-Mitglieder-Verein. "Wir schaffen das", habe man zugesichert. Das Zelt klatscht. Wohlfühl-Atmosphäre. Da darf CSU-Ortsverbandsvorsitzender Jürgen Reinwald dann auch auf Ausführungen zur Türkei gespannt sein.

Doch vor der Ministerin federt eine gelöste Emmi Zeulner mit ihren 1,79 mädchenhaft leicht aufs Podium. Sie heißt die Ministerin in Oberfranken und im eigenen Stimmkreis willkommen. Sie weiß, was hinter so einer Veranstaltung steckt und dankt denen, die sie ermöglichen. Emmi Zeulner kann auch Humor. Zum Entzücken der Versammlung begrüßt sie launig "den Verteidigungsminister von Poppendorf, da Peter, schau rüber, das ist Deine Verteidigungsministerin".


Bundeswehr in der Fläche

Diese lobt sie respektvoll siezend als "wahnsinnig diszipliniert", fürs Aufbrechen alter Strukturen in der Bundeswehr, für Transparenz und dafür, dass sie einen Finger in die Wunde gelegt oder auch den Fachkräftemangel in der Bundeswehr angepackt hat, "das sind dicke Bretter, die Sie bohren." Sie formuliert auch ein Anliegen - die Bundeswehr wieder in die Fläche zu tragen.

Zumindest innerlich scheint das Publikum stramm zu stehen, als die gewohnt durchgestylte Bundesministerin das Podium einnimmt. Konzentrierte Stille, abgelöst von begeistertem Applaus, Ursula von der Leyens Bierzelt-Strategie mit bayonett-scharf geschliffener Rhetorik, eskortiert von wahlkampfgestähltem Generalinnen-Charme verfehlt die Wirkung nicht. Deutschland gehe es so gut wie lange nicht mehr, ist eine Botschaft, dennoch kein Grund für Wahlmüdigkeit, die klare Order.

Der Wahlkampfmodus fordert Bierzelttaugliches, neben dem Schluck aus dem Maßkrug auch Markiges in Richtung Ko-Partner oder "die andere Feldpostnummer": Die schlage sich derzeit in die Büsche, betont sie mehrfach. Vor Ort nimmt sie Bürgermeister Gerd Schneider ins Visier, "eines Tages ist er auf der richtigen Seite" , verheißt sie, Jubel ist ihr sicher. Von ganz anderer Qualität der Applaus für klare Worte Richtung Türkei, "es ist richtig, dass wir nun einen klaren Ton anschlagen". Von Grundwerten und Grundhaltungen ist die Rede. Emmi Zeulners Engagement für die Landarztquote würdigt die Ministerin, ebenso deren Auftreten im Haushaltsausschuss, "da ist sie gefürchtet". "Sicherheit und Wohlstand für alle" fasst sie die CDU/CSU-Ziele zusammen.

Das Damen-Trio entschwebt zu heftigem Applaus. Allmähliches Aufatmen beim Personenschutz. Emmi Zeulner stellt im Gehen noch für persönliche Anliegen etliche Verbindungen her.
"Selbstsicher und mit Witz", stellt Stephan Firnstein zur "Emmi" am Schluss fest, von der Leyen fand er "lockerer als im Fernsehen".