Es gibt Sätze, von denen glaubt man gar nicht, dass es sie gibt. Die Regeln der deutschen Sprache sind zwar im Detail recht kompliziert, aber alles in allem bereits Vorschulkindern intuitiv zugänglich. Die Muster des Satzbaus in Verbindung mit gängigen Wortkombinationen führen schließlich dazu, dass sich die meisten Sätze doch sehr stark gleichen, wenn man nicht krampfhaft versucht, besonders individuell klingende Sätze zu bilden.

Einladung zur Motto-Party

Neulich stand ich unter der Dusche und freute mich auf eine WG-Feier, die ich an diesem Abend besuchen wollte. Zu diesem Zeitpunkt hätte ich niemals damit gerechnet, dass ich in dieser Nacht dort jemanden sagen hören würde: "Kotz' in die Melone!". Noch weniger hätte ich damit gerechnet, dass die Person, an die diese Botschaft gerichtet wurde, ausschließlich mit einem Bademantel bekleidet auf einem Balkon liegt. Am allerwenigsten hätte ich aber damit gerechnet, dass ich diese Person sein würde. Aber der Reihe nach.

Nachdem ich aus der Dusche kam, rief Zamira an und erinnerte mich daran, dass es sich bei der Feier um eine sogenannte Motto-Party handeln würde. Ich mag diese Partys nicht. Häufig bedarf es sehr viel Aufwand, um dem Thema (zum Beispiel Kino-Helden) gerecht zu werden; man braucht Kostüme, Schminke, es ist wie Karneval. Das Motto dieser Party war allerdings: Wellness. Das kam mir sehr entgegen, da ich ja sowieso gerade meinen Bademantel trug. Einfacher ging es wohl nicht. Ich war froh, dass die Feier nur eine Straße weiter stattfand. Ich hätte mir Sorgen um meinen Ruf gemacht, wenn ich nur mit Bademantel und Badelatschen bekleidet durch die halbe Stadt gelaufen wäre. Da wusste ich aber noch nicht, was später passieren würde.

Es war jede Menge los. In einem Raum legte ein DJ auf, in einem anderen spielte jemand Gitarre. Die Stimmung war ausgelassen und die Wohnung gerappelt voll. Ich allerdings bald auch. Wahrscheinlich habe ich die Vereinbarung mit Zamira, "es mal so richtig krachen zu lassen", zu ernst genommen. Ich weiß eigentlich, wie viele Biere ich vertrage. Vielleicht habe ich es einfach versäumt, von den gewohnten 0,33-Liter-Bierflaschen auf die in Bamberg üblichen 0,5-Liter-Bierflaschen umzurechnen. Oder es lag daran, dass man allgemein, wenn man ausschließlich einen Bademantel trägt, nicht mehr sonderlich gehemmt ist.

Wenn ich heute an den Abend zurück denke, kommt mir das Zitat in den Sinn, das ich damals während der Rede zur Begrüßung der Erstsemester hörte: "Der echte Bamberger geht auf den Keller, bis er speit!". Nach diesem Abend müsste es wohl umgeschrieben werden in: "Der echte Bamberger Student geht auf seine WG-Party bis er..." Denn nach einigen Stunden lag ich voll wie ein Hörsaal zu Semesterbeginn auf dem Balkon und tat, was der Bamberger (ob Student oder nicht) eben zu tun scheint.

Der Trubel war so groß, dass die meisten es gar nicht mitbekamen. Dennoch kam die Gastgeberin, durchaus amüsiert, mit einer ausgeschälten Melonenhälfte, deren Inhalt Verwendung in der Bowle fand und sagte: "Kotz' in die Melone". Was danach mit der Melone geschah, weiß ich nicht.

Ein Heiratsantrag

Sie ließ mich in ihrem Bett ausruhen. Zamira brachte mich dorthin, verscheuchte alle, die dort waren und schloss ab. Ich kuschelte mich unter die Decke, Zamira setzte sich auf die Bettkante und sagte, ich solle schlafen, und sie würde mich, wenn ich mich erholt hätte, abholen und nach Hause bringen. Ich antwortete: "Nur, wenn Du mich heiratest!". Sie war irritiert, wir kannten uns damals erst eine Woche.

Wir einigten uns nach einigem Hin und Her darauf, doch noch nicht zu heiraten, dafür sang sie mir ein Schlaflied. Eine Stunde später weckte sie mich und brachte mich nach Hause. Ich putzte mir die Zähne, wir legten uns mit Klamotten beziehungsweise Bademantel ins Bett und schliefen Arm in Arm ein. Im Rückblick war es ein Tag, so außergewöhnlich schön, dass es wiederum schwierig ist, dafür angemessene Worte zu finden. Die Worte müssten außergewöhnlich sein, aber trotzdem mit ungezwungenem Esprit. Sie müssten die Tiefen beschreiben, aber gleichzeitig die Höhen, in die solche Untiefen einen bisweilen tragen.