Ginge es nach der Stimmung in der Bevölkerung könnte sich Peter Gack ernsthafte Hoffnungen machen. Bei einer nicht repräsentativen Abstimmung auf infranken.de erhielt der 55-jährige Betriebswirt unter neun Bewerbern mit Abstand die meisten Stimmen. Die Frage lautete: "Wer soll Zweiter Bürgermeister von Bamberg werden?"

Und wer wird Dritter Bürgermeister? Den würde es vermutlich gar nicht geben, ließe man die Bevölkerung darüber entscheiden. In einer bereits im Februar durchgeführten Umfrage auf infranken sprach sich eine bemerkenswerte Mehrheit von 85 Prozent gegen "zusätzliche Häuptlinge" im Bamberger Rathaus aus.
Doch das sind nur ein nette Zahlenspiele ohne Relevanz. Tatsächlich werden der oder die Stellvertreter des Oberbürgermeisters nicht vom Volk, sondern aus der Mitte des Stadtrats gewählt, und ihre Zahl ist weniger eine Frage von politischen Stimmungen und Sympathien als viel mehr Ausdruck der Machtbalance im Rathaus. Und die zu finden, ist in Bamberg so schwierig wie nie zuvor.

Artikel 35 der bayerischen Gemeindeordnung schreibt vor, was möglich ist: "Der Gemeinderat wählt aus seiner Mitte für die Dauer seiner Wahlzeit einen oder zwei weitere Bürgermeister. Weitere Bürgermeister sind Ehrenbeamte der Gemeinde, wenn nicht der Stadtrat (...) bestimmt, dass sie Beamte auf Zeit sein sollen."
So weit die Theorie. In der Praxis sind Prognosen, wer Bamberg neben OB Starke (SPD) künftig an vorderster Front repräsentieren und das Stadtschiff steuern wird, auch eine Woche vor der Bürgermeisterwahl schwer zu treffen, die Chance auf Überraschungen groß.

Chance für Dissidenten

Zuerst die Namen: Zwar haben sich CSU und SPD klar für den Universitätslehrer Christian Lange (CSU) als die Nummer zwei und Heinz Kuntke (SPD), den Vizepräsidenten des Landgerichts, als künftigen Dritten Bürgermeister ausgesprochen. Doch die Mehrheit hinter diesem Machtmodell scheint brüchig. Nur wenn sämtliche Mitglieder der CSU- und der SPD-Fraktion für ihre Kandidaten stimmen und zusammen mit der Stimme des Oberbürgermeisters Andreas Starke (SPD), käme die Regierungsbank auf eine hauchdünne Mehrheit von 23 bei insgesamt 45 Stimmen.

Doch was, wenn wie zuletzt bei der Wahl von Werner Hipelius (CSU) zum Bürgermeister vor sechs Jahren, Abweichler die Chance der Anonymität einer geheimen Wahl nutzen , um die Rechenspiele der Parteistrategen zu durchkreuzen? Es hätte für die Stadtpolitik unabsehbare Folgen. Denn am nächsten Mittwoch, wenn nacheinander der Zweite und dann der Dritte Bürgermeister vom Stadtrat gewählt werden, genügen schon zwei Dissidenten, um die die Überlegungen von CSU und SPD in einen zu Scherbenhaufen verwandeln.

Vor diesem Hintergrund ist es mehr als eine Randnotiz, dass am Mittwoch der neue FDP-Stadtrat und Noch-Einzelkämpfer Martin Pöhner eine Zusammenarbeit mit der SPD-Fraktion in Form einer "Hospitation" angekündigt hat. Pöhner will damit, wie er sagt, die "erfolgreiche Kooperation der FDP mit dem Bamberger Oberbürgermeister fortsetzen", allerdings ohne die Eigenständigkeit der FDP aufzugeben. Wichtig: Die neue Gastrolle der FDP bei der SPD schließt eine Zustimmung zum politischen Doppelpack Lange/Kuntke ein: "Ich werde für Christian Lange und Heinz Kuntke stimmen, weil ich sie für wirklich gute Kandidaten halte und weil sie fachlich und nach ihren Erfahrungen die nötige Kompetenz mitbringen", sagt Pöhner.

Damit ist die Liste der Unterstützern jenseits von CSU und SPD wohl bereits beendet. Nach Bambergs Unabhängigen Bürgern und Norbert Tscherner vom Bürger-Block haben mittlerweile auch die Freien Wähler bekundet, dass die Kandidaten von CSU und SPD "nur sehr bedingt" mit Stimmen der FW-Fraktion rechnen können. Vor allem mit der Vorstellung, einen Dritten Bürgermeister zu installieren, haben die Freien Wähler Probleme. Sie fürchten ein weiteres Ansteigen der Personalkosten: "Wenn überhaupt, dann muss es ehrenamtlich sein", formuliert dazu Dieter Weinsheimer.

Patt im Rathaus

Die Patt-Situation im neuen Stadtrat stellt aber vor allem die Grünen auf die Probe - als Juniorpartner der Macht, die gebraucht werden, um Mehrheiten zu sichern. Schon umgarnen CSU und SPD die sonst eher ungeliebte gallische Konkurrenz. Gibt es Übereinstimmungen mit den grünen Zielen? Bestehen Möglichkeiten zur Zusammenarbeit? Was wäre der Preis dafür? Das sind Fragen, die dieser Tage abgeklopft werden.

Doch so neuartig das Modell einer Schwarz-Rot-Grünen Trikolore im Bamberger Rathaus auch wäre, so winzig sind die Chancen, dass sich nach der SPD auch noch Bambergs Grüne in das Boot der CSU holen lassen. Selbst das nicht auszuschließende Angebot eines Referentenpostens könnte die GAL nach eigenem Bekunden nicht dazu bringen, die eigenen Grundsätze zu verraten. Für Peter Gack ist es deshalb die wahrscheinlichste Variante, dass sich die CSU bei der Bürgermeisterahl wie bereits 2008 mit einem grünen Mitbewerber auseinandersetzen muss. Wer dies sein wird? Noch scheint es offen, ob die Grünen mit Ursula Sowa, Wolfgang Grader oder Peter Gack ins Rennen gehen.

Fragt man bei anderen Fraktionen, wer die besten Chancen hätte, Stimmen zu sammeln, hört man meistens einen Namen: Peter Gack.