Carsten Joneitis (SPD) krault Luke fest am Hals, herzt ihn und gibt ihm einen freundschaftlichen Klaps. "Das kann man sich doch gar nicht vorstellen, dass Menschen so einem Hund was antun wollen!" Luke direkt vielleicht gerade nicht, aber etlichen seiner Artgenossen wohl schon. In Oberhaid wurden vor kurzem erst wieder auffällige Wurststücke an Gassi-Routen gefunden. In Hirschaid wird Bürgermeister Klaus Homann (CSU) immer wieder auf den Fall eines Junghundes angesprochen, der wohl einem Gift-Anschlag zum Opfer gefallen ist. Was ist da los?

Oberhaid ist eine attraktive, aufstrebende Gemeinde mit derzeit rund 4800 Einwohnern. Und mit diesen koexistieren auch 276 über die Hundesteuer angemeldete Vierbeiner. Zur Beseitigung von deren Exkrementen wurden schon vor etlichen Jahren Dogstations angeschafft. Hier gibt es kostenlose Kotbeutel und die Möglichkeit, diese nach Gebrauch auch wieder zu entsorgen. Ein Mehraufwand für den gemeindlichen Bauhof, aber ein Service, den man den Hundebesitzern gerne im Interesse eines harmonische Miteinanders biete.

Doch immer wieder wird dies getrübt, beklagt der Bürgermeister, zu dessen Familie Luke gehört. Freilich muss Joneitis beobachten, dass Kotbeutel zwar genommen, dann jedoch wild entsorgt, also einfach weggeworfen werden. "Ganz klar, das geht nicht!" Dass dann andere sozusagen Selbstjustiz üben, dafür hat der Bürgermeister kein Verständnis. Klar ärgert auch er sich über die Hinterlassenschaften an beliebten Routen, wie etwa im Bereich des FC Oberhaid- Sportgeländes Richtung Mondsee.

Die sind wohl so beliebt, mutmaßt Joneitis, dass auch Auswärtige sie gerne nutzen. Auf jeden Fall wird auch dort immer wieder Hundekot nicht korrekt entsorgt. An Dreikönig jedenfalls war es wieder einmal so weit, dass ein Hundehasser sich ein Ventil verschaffte und Hundehalter darauf hinwies, dass er Reißnägel und Scherben im Gras verteilte habe. "Wir haben sofort reagiert und über alle Kanäle informiert." Freilich gestaltete sich die Suche um diese Jahreszeit schon schwer. Vor kurzem musste die Rathausverwaltung erneut eine Warnung an Hundehalter herausgeben: Verstärkt wurden Wurststücke gefunden. Das wirft die Frage auf, warum jemand so viele Stückchen in der Fläche verteilen sollte.

Und selbst wenn einiges nicht vergiftet oder mit Abartigem präpariert ist, so tut Verdorbenes Hunden auch nicht gut. Joneitis ist der Ansicht, man könne doch nicht einen Hund absichtlich verletzen oder gar töten wollen. Angesprochen wird Hirschaids Bürgermeister Homann immer wieder wegen eins jungen Labradors, der nach dem Spaziergang zuerst noch spielte, dann speichelte und plötzlich tot zusammenbrach. Das deute auf Vergiftung hin, meint Veterinär Dr. Peter Dresel. Er gehört dem Marktgemeinderat an.

Das Gremium musste sich fragen lassen, was die Gemeinde dagegen zu tun gedenke. In die gleiche Richtung zielte die Frage eines angehenden Neubürgers. Auf jeden Fall wurde Anzeige erstattet und den Bürgern geraten, Hunde im Auge zu behalten und Auffälligkeiten mitzuteilen. Freilich könne man den Tieren über Hundeschulen beibringen, dass sie unterwegs nichts fressen, empfiehlt Homann.


Gefahr auch für Kinder

Giftköder-Angreifer sollten sich bewusst sein, dass sie mit ihren Aktionen auch Kinder gefährden, Katzen oder Wildtiere, ergänzt Dr. Peter Dresel, der in zweiter Generation eine Tierarztpraxis am Ort betreibt und zugleich als Marktgemeinderat mit den Vorkommnissen konfrontiert ist. Dresel warnt aber vor Panikmache: Manche mutmaßlich vorsätzliche Vergiftung käme von Rattengift, das ein Hund versehentlich erwischt oder auch von herabgefallenen Tabletten. Denn einige für Menschen harmlose Präparate hätten bei Hund und Katz umgehend fatale Wirkung.

Vehement widersprechen Homann und Dresel Überlegungen, Landwirte könnten mit gezielter Vergiftung was zu tun haben. Das wäre absolut kontraproduktiv, denn dann könnten weitere Tiere in Wiesen sterben und wären im Futter (Heu oder Silage) tödlich für Rinder tödlich, so Dresel. Was die Gemeinde tun kann, sei informieren, Aufklärung betreiben, um gegenseitige Rücksichtnahme bitten - bei rund 12 500 Menschen für 737 Hunde - und notfalls Anzeige erstatten.

Die Polizei nimmt solche Anzeigen ernst, wie Markus Dotterweich, Sprecher der Inspektion Bamberg Land erklärt. Die Staatsanwaltschaft wird eingeschaltet, der Täter bewegt sich im strafrechtlichen Bereich. "Gift und gefährliche Gegenstände, das kann ja auch Menschen treffen."