Das Atrium ist schon seit fünf Jahren wie tot - doch die Phantasie vieler Bamberger beflügelt die Shopping-Meile immer noch. Als am Mittwoch die ersten Meldungen über den Verkauf der Immobilie im Internet kursierten, da war die Freude groß: Wird die Brache aus der Welt geschafft? Kann aus dem Abbruchkandidat ein neues Schmuckstück werden?

Zumindest die Grabesruhe um ein Geisterkaufhaus gleich neben dem Bahnhof ist erst einmal vorbei. Wie mehrere Branchenmedien berichten, hat der in Aschaffenburg ansässige Projektentwickler Eyemaxx die Bamberger Immobilie vom Finanzinvestor Cerberus Global Investments gekauft. Am Dienstag wurde der Kaufvertrag für die Immobilie mit 17 500 Quadratmetern Verkaufsfläche unterzeichnet.

Die Ziele, die Eyemaxx mit dem Kauf verfolgt, sind ehrgeizig: Bereits im vierten Quartal 2018 soll die "umfassende Neugestaltung" des Komplexes mit einem Volumen von rund 50 Millionen Euro begonnen werden. 2020 soll die Revitalisierung abgeschlossen sein. Eyemaxx will mit der Inestition die jährlichen Mieteinnahmen von jetzt 0,65 Millionen auf dann drei Millionen Euro steigern.
Werden die Pläne umgesetzt, wird sich das Atrium grundlegend wandeln: Erhalten bleiben sollen das Kino Cinestar mit 1500 Plätzen, ebenso die 700 Parkplätze. Handel und Gastronomie werden sich künftig nur noch auf das Erdgeschoss beschränken. Die neue Nutzungen für die oberen Stockwerke sind in Bamberg nicht allzu überraschend: Dort sollen ein Hotel mit 150 Betten sowie 50 so genannte Service-Appartements geschaffen werden.Klar ist auch: Das Konzept aus Handel und Hotellerie ist nur durch einen Teilabbruch möglich. Das Gebäude mit dem in Bamberg häufig zu hörenden Spitznamen Flugzeugträger wird künftig also völlig anders aussehen.

Eyemaxx will das Atrium nach eigenen Angaben nicht weiter verkaufen, sondern im Firmenbesitz halten. Michael Müller, Großaktionär und Geschäftsführer, spricht von einem in die Jahre gekommenen Bestandsobjekt, das sich durch die Gunst der Lage auszeichne und hervorragendes Mietpotenzial besitze. Er sagt auch: "Wir sind stolz, einen Beitrag zur Gestaltung des innerstädtischen Gesichts von Bamberg leisten zu können."


Sinnvolle Mischnutzung?

Wie beurteilt die Stadt den überraschenden Eigentümerwechsel? Optimistisch äußert sich Klaus Stieringer, Geschäftsführer von Stadtmarketing, und SPD-Fraktionsvorsitzender: "Es kann nur besser werden", sagt der Citymanager mit Blick auf den "baulichen Missstand" am Eingang zur Weltkulturerbestadt. Im Gegensatz zu vielen gewagten und aus seiner Sicht für den Innenstadthandel nicht verträglichen Plänen der Vergangenheit, erscheint ihm die Mischnutzung aus Hotelbetten, Appartements und Handel als "sinnvoller Ansatz". Stieringer hofft, dass der neue Schwung für das Atrium auch dazu führt, dass das Bahnhofsgelände insgesamt angepackt wird.
Grundsätzlich positiv beurteilt die Stadtverwaltung, dass sich am Bahnhof wieder etwas tut. Froh sei man auch darüber, dass kein reiner Handelsstandort mehr geplant ist. Das folge den Gutachten, sagt Ulrike Siebenhaar, Sprecherin der Stadt. 2014 hatte eine Untersuchung ergeben, dass die Erfolgsaussichten für ein mittelgroßes Einkaufscenter gering seien.

Freilich: Auch die neuen Atrium-Pläne müssen erst die demokratischen Hürden nehmen. Doch der neue Wirtschaftsreferent Stefan Goller ist zuversichtlich: "Wir begrüßen es, dass dieser Gebäudekomplex endlich einen neuen Eigentümer gefunden hat und hoffen, dass der jahrelange städtebauliche Missstand damit beseitigt wird."

Kommentar des Autors:

Das Tal der Tränen

Der Bann scheint gebrochen: Fünf Jahre nach dem Auszug von Wöhrl, des letzten großen Handelsmieters aus dem Atrium, sieht es ganz danach aus, als ob das Tal der Tränen durchschritten wäre.

Die neuen Eigentümer, die nicht nur Anteilseigner, sondern auch Entwickler sind, haben erkannt, welche Chancen in dem Standort am Bahnhof liegen - in einer stürmisch wachsenden Stadt.

Zum überraschenden Kauf hat wohl auch auch der Schnäppchenpreis beigetragen, zu dem das Atrium zu haben war. Doch darüber schweigt sich der Investor aus.