Kunst begegnet der Vergangenheit, kein Neues ohne ein Altes: Die gestrige Eröffnung der 18. Bamberger Kunst- und Antiquitätenwochen im Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia wurde dem überaus gerecht. Allein schon die künstlerische Gestaltung dieser Feierstunde mit geladenen Gästen verband Epochen: Der 14-jährige Johannes Rosenberg, Schüler des E.T.A.-Hoffmann-Gymnasiums und diesjähriger erster Preisträger des Bundeswettbewerbs "Jugend musiziert", bot mit seinem virtuosen Violinenspiel klassischer Komponisten einen absoluten Hörgenuss. Sven Witzemann begleitete den Jugendlichen auf dem Flügel.

Und ein historisch gewandeter Andreas Ulich alias Jean Paul vergnügte mit seiner literarisch verbrämten Moderation das Publikum. Auch auf seine Sottisen passten die Worte von Künstlerhaus-Chefin Nora Gomringer, die im Blick auf die Kunst- und Antiquitätenwochen von "sinnlicher Wahrnehmung" sprach sowie den "Kontrast und Dialog" von alter und neuer Kunst würdigte. Denn sieben Stipendiaten der Villa Concordia präsentieren in einigen Läden im Antiquitätenviertel unterhalb des Dombergs ihre Werke.

Dass das Sammeln von Kunst eine "Lust der besonderen Art" ist, machte Fiona Freifrau Loeffelholz von Colberg deutlich. Die Sprecherin der Kunst- und Antiquitätenwochen führte die "Aura von Antiquitäten" an, ihre Provenienz, ihre künstlerische Qualität. Fiona von Colberg bescheinigte den anwesenden Händlern "Kennerschaft und Glaube an das Objekt" sowie "Glaubwürdigkeit". Mit dem Programm der Wochen, die bis zum 18. August laufen, sollen nach ihren Worten sowohl anspruchsvolle und erfahrene Sammler und Interessenten von nah und fern eingeladen als auch mit gezielten Kinder- und Jugendführungen nachwachsende Generationen an Kunst und Antiquitäten herangeführt werden.

Der Schirmherr, Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD), nannte die Kunst- und Antiquitätenwochen ein "wertvolles und typisches Markenzeichen für Bamberg", ein "attraktives Aushängeschild, das deutschlandweit Beachtung findet". National und international hätten diese Wochen einen "hervorragenden Ruf". Mit launigen Anspielungen ging Starke so weit, von "Sorgen um die Bayreuther Festspiele" zu sprechen, wenn es die Bamberger Antiquitätenwochen nicht gebe: "Es ist für die Festspiele ein Glück, dass sie parallel zu unseren Kunst- und Antiquitätenwochen stattfinden", knüpfte der OB an die vielen Bayreuth-Besucher an, die sich auf den Weg nach Bamberg machen, "um das faszinierende Angebot an Antiquitäten zu genießen".

Händler zeigen Teamgeist

Starke erinnerte an den Erfinder der Kunst- und Antiquitätenwochen, Istvan Csonth: "Er war eine Persönlichkeit und eine Bereicherung für unsere Stadt." Csonth habe 1995 diese erfolgreiche Veranstaltung ins Leben gerufen und sei viele Jahre ihr treibender Motor gewesen. Der OB würdigte auch den "Teamgeist" unter den Antiquitätenhändlern und ihre "vertrauensvolle Zusammenarbeit", die einzigartig sei: "Damit haben Sie ein Bamberger Modell geschaffen, um das uns viele beneiden", wandte sich Starke an die Geschäftsleute.

Petra Platzgummer-Martin, Regierungsvizepräsidentin von Oberfranken, wollte die Kunst- und Antiquitätenwochen nicht als "jährliche Routine oder Ritual" verstanden wissen. Die Wochen "leben jedes Jahr neu auf, bringen neue Aspekte, zeigen neue Konstellationen und bringen neue Menschen zusammen". Sie führte die "lebendige und hohe handwerkliche Kultur in Oberfranken" an, in dem heute die Antiquitäten von morgen hergestellt werden. Oberfranken sei ein Zentrum des Designs in Deutschland, "und wir sind gut beraten, dieses Potenzial an Kreativität weiterhin mit allen Mitteln zu fördern und voran zu bringen". Dazu gehöre auch eine bewusste Gestaltung der Umwelt.

Die Regierungsvizepräsidentin: "Kostenbewusstsein und Effizienz müssen nicht zwangsweise gegen Ästhetik und gestalterische Qualität konkurrieren." Damit schlug die Rednerin wieder den Bogen zur Kunst: "Ein waches Auge, ein bewusstes Umgehen mit dem Alltag und die Kreativität im Handeln sind unser Kapital, mit dem wir eine liebens- und lebenswerte Zukunft gestalten."