Michael Bosch war von Anfang an dagegen: "Wie kann ein Rathaus Bürgerrathaus heißen? Das würde doch bedeuten, dass es Rathäuser gibt, die nicht für die Bürger sind." Als der Stadtrat der Bamberger Allianz dies im Frühling 2019 formulierte, schien der Name bereits beschlossen: Mit der Bezeichnung Bürgerrathaus wollte die Stadt den Servicecharakter des neu geschaffenen Ämtergebäudes betonen.

Ganz ohne Kalkül war das Wort für das von OB Andreas Starke (SPD) und Kämmerer Bertram Felix forcierte Projekt gewiss nicht gewählt - bei Kosten von insgesamt zehn Millionen Euro für Umbau und Erwerb des Hauses ist auch ein Name ein Politikum.

Spätestens beim mit großem Aufwand beworbenen "Bürgerfest im Bürgerrathaus" wurden aufmerksame Beobachter dann hellhörig. In der Broschüre, die Amtsleiterin Ulrike Siebenhaar den Besuchern persönlich in die Hand drückte, war der Begriff Bürgerrathaus nicht mehr zu finden. Das neue Ämtergebäude heißt seitdem "Rathaus am ZOB", manche in Bamberg sagen einfach "Ratz" dazu. Auch Stadträte hat der schnelle Kurswechsel überrascht: "Wir sind über den neuen Namen nicht informiert worden", sagt Michael Bosch.

Rückzieher kurz vor dem Start

Was war passiert? Sprecherin Urike Siebenhaar berichtet auf Nachfrage über die späte Entscheidung, vom alten Namen abzurücken. Grund für den Rückzieher eineinhalb Monate vor dem Start waren laut Siebenhaar "Protestnoten" von Bürgern, aber auch von Stadtratsgruppierungen, die sich aus Gendergründen gegen die Bezeichnung Bürgerrathaus ausgesprochen hatten. Im Klartext: Manche BürgerInnen stört der rein männliche Begriff Bürger-Rathaus. Auch wenn das Wort Bürger hier einer Funktions- und nicht einer Geschlechtsbezeichnung diente, gab die Stadt klein bei, um einen sich aufschaukelnden Proteststurm gar nicht erst zu provozieren. Das Bürgerrathaus firmiert seitdem unverfänglich als "Rathaus am ZOB".

Alles kein Problem? Kritikern zu Folge wurden durch den Namenswechsel so kurz vor der Eröffnung Kosten verursacht, weil bereits gedruckte Prospekte vernichtet werden mussten. Auch der noch anzubringende Schriftzug am Rathaus musste neu in Auftrag gegeben werden. Ulrike Siebenhaar bestätigt, dass Kosten entstanden sind. Unter anderem habe das Leitsystem im Rathaus angepasst werden müssen. Insgesamt sei man mit dem Wechsel aber zufrieden. Durch den neuen Namen sei sofort klar, wo sich das Servicerathaus befindet.

Im Stadtrat wird es niemanden geben, der die Rückkehr zur alten Bezeichnung fordert. Zwar erklärt auch Helmut Müller (CSU), bisher nicht informiert worden zu sein. Der Chef der Fraktion, die sich zeitweise für den Abriss des Hauses stark gemachte hatte, kann, wie er sagt, auch mit einem "Rathaus am ZOB" leben, obwohl er von gendergerechter Sprache wenig hält:   "Das ist alles Quatsch."

Mehr Sprachsensibilität?

Ursula Redler (Bamberger Allianz) erinnert daran, dass schon vor einem Jahr aus dem Stadtrat Kritik an der nicht gendergerechten Bezeichnung Bürgerrathaus geübt worden sei. Das sei nachvollziehbar, auch wenn für sie der Begriff Bürgerrathaus "nicht so dramatisch" gewesen wäre. Kritik findet bei Redler eher der Zeitpunkt der Umtaufaktion: "Wenn jetzt durch den neuen Namen Kosten entstehen, ist das natürlich doof."

Was sagen die Bamberger Grünen zu der Namensposse um das Bürgerrathaus? Sind sie mit "Ratz" zufrieden? Fraktionsgeschäftsführerin Sylvia Schaible bestätigt, dass sich Ursula Sowa im Rathaus gegen den ursprünglichen Namen ausgesprochen hat. Und sie findet es gut, dass die Stadt sich doch noch eines Besseren besonnen hat. "Auch wenn es um die Sache geht, so ist an dieser Stelle zu Recht etwas Sprachsensibilität gefordert. Ein Rathaus Bürgerrathaus zu nennen, ist einfach nicht auf der Höhe der Zeit."