Über vier Jahrzehnte hat Eberhard Schäl als Tierarzt praktiziert. Und: Mindestens so lange sammelt er auch das, was mit seinem Beruf zusammenhängt. Das hat sich herumgesprochen. So war irgendwann einmal ein Schlachthofdirektor aus Esslingen auf ihn aufmerksam geworden, der "Krempel " loswerden wollte.

Für den Esslinger Krempel, für den Scheßlitzer Schäl ein echter Schatz: Ein voll eingerichtetes Tierarztzimmer, das der Vater praktisch von heute auf morgen zurücklassen musste, als er 1915/16 in den Ersten Weltkrieg einzogen wurde. Er sollte nie mehr zurückkehren. Der Sohn interessierte sich erst für das Zimmer, als er in den Ruhestand ging und den Raum brauchte.

"Alles original und die Zeit um 100 Jahre zurückgedreht." Eberhard Schäl kann sich noch immer begeistern. Logisch, dass er alles in Bewegung setzte, um diesen Schatz zu heben. Das Veterinärzimmer wurde 1999 sein Eigentum.

Freilich hatte der heute 72-Jährige auch in seiner Wahlheimat Scheßlitz schon vorher beim Heimatkundlichen Verein mitgeholfen, Dinge für die Nachwelt zu bewahren. "Da war die Zeit, als alle Bauern ihre Scheunen leer machten." Logisch, dass die Utensilien nicht einfach so weggeworfen worden sollten.

So kamen in Scheßlitz im damaligen Heimatmuseum im Original Schmiede, Zahnarztpraxis, Apotheke und eine kompletter Frisörsalon sowie natürlich das Tierarztzimmer von anno dazumal zusammen. Insgesamt gut 20 Berufe konnte man mit den dazugehörigen Exponaten darstellen.

Die Massen der Sammelstücke sorgten allerdings irgendwann für Raumprobleme. Es gab diverse Umzüge und verschiedene Anläufe zu einem neuen Museum. Sie scheiterten. Als Konsequenz traf Schäl Vorsorge dafür, dass sein Tierarztzimmer und seine weiteren Exponate privat und gut geschützt gelagert werden.

Dafür alleine findet er jedoch seien die tollen Sachen zu schade.

Eberhard Schäl möchte viel lieber, dass daran interessierte Menschen sie zu sehen bekommen,vielleicht wie er selbst die Entwicklung in der Tiermedizin nachverfolgen können.
Behutsam zeigt er einige seiner Schätze. Zum Beispiel ein Trepanationsbesteck. "Mit dem wurden vor vielen Jahrzehnten vereiterte Stirnhöhlen geöffnet und dann durchgespült ", erklärt er. Eher zum Schmunzeln dann der teleskopartige Metallschutzfinder, "der schützte den Arzt, wenn er Menschen oder auch Tieren in den Mund langte".

Am Spatbrennapparat macht der Tierarzt a.D. den früheren Ansatz der (Tier)-Medizin deutlich: Man erzeugte künstlich eine akute Verletzung und baute darauf, dass der dann einsetzende körpereigene Heilungsprozess die chronische Erkrankung mit heilte. Nach diesem Prinzip wurde vor 200 Jahren wohl auch der Schnäpper eingesetzt, der verschieden tiefe Ritzungen die Haut möglich machte, in die dann reizende Flüssigkeiten eingerieben wurden, um eine Entzündungsreaktion zu erzeugen.

Eine Vielzahl von Arzneimitteln findet sich noch originalverpackt. Mit manchen Instrumenten hat Schäl selbst noch gearbeitet, wie er anhand einer Reihe von Geburtshilfeteilen für Kühe demonstriert.

Wohl weil er als Sammler von Veterinärmedizinischen Instrumenten bekannt wurde, haben etliche frühere Kollegen aus der Region Bamberg ihm Untensilien überlassen. Aber auch die Universität München hat ihm Präparate übergeben. Beispielsweise Küken mit vier Beinen, den Kopf eines Truthahns, der Pocken hatte. Kurios auch die Zunge eines Rindes, das an Maul- und Klauenseuche litt.

Ein ganz besonderes Teil in Schäls Sammlung stellt die Schlagmaske dar, ein Lederteil mit vorgebohrtem Loch und Schlagbolzen, das ab Mitte des 19. Jahrhunderts für tierschutzgerechteres Schlachten sorgte, weil Rinder dann gezielter betäubt werden konnten. Wohl eine Entwicklung, die zum heute gebräuchlichen Bolzenschussapparat führte. Noch immer funktionsfähig ist auch ein jahrzehntealter elektrischer Viehreiber.

Schäl könnte stundenlang über seine Schätze sprechen und schwärmen. Schließlich zählen dazu auch etliche Bücher und Schriften, aus denen er Historisches dem eigenen Fachwissen einverleibt hat.

In Fachmagazinen hat Eberhard Schäl bereits kommuniziert, dass da eine umfangreiche veterinärhistorische Sammlung auf einen neuen Einsatzort wartet. Firmen haben Interesse signalisiert. Privatpersonen kämen auch in Frage. "Aber am liebsten wäre mir eine Universität."