Pankraz Deuber (76) kennt die Nordflur so gut wie wenige Einheimische. Er kennt auch das historische Aufseßhöflein im so genannten Gleisdreieck. Doch selbst "alte" Bamberger wie der Gärtnermeister und Stadtrat können sich nicht erinnern, dieses Einzeldenkmal jemals anders als grau und verwahrlost erlebt zu haben.

Umso größer dürfte das Aha-Erlebnis für alle sein, die jetzt vorbei kommen. Die Einhausung hat ausgedient, das Notdach ist abgebaut, das Gerüst gibt den Blick auf ein wunderschönes Barockschlösschen frei: mit einer - nach alten Befunden - gelb-weiß gestrichenen Fassade, mit rekonstruierten Fenstern, die vorher zugemauert oder mit Kartons und Sperrholzplatten verbarrikadiert waren, und mit einem schönen Dach aus etwa 14 000 Biberschwanzziegeln.

"Wir freuen uns jeden Tag daran", versichern Andrea und Stefan Fiedler, seit gut drei Jahren die Besitzer des 1723 errichteten Sommerschlösschens. Sie sind alten Aufzeichnungen zufolge die ersten Eigentümer seit rund 180 Jahren, die dem Haus wieder die Wertschätzung entgegenbringen, die es nach Ansicht der Experten verdient.

Für das Landesamt für Denkmalpflege stellt das Gebäude ein "Unikat in der oberfränkischen Denkmallandschaft" dar und seine Stuckausstattung gilt als Hauptwerk des Rokoko in der Welterbestadt.

Vor allem der erste Stock des Aufseßhöfleins weist eine Stuckpracht auf, die weit und breit ihresgleichen sucht. Restauratoren haben dort erst mit ihrer Arbeit begonnen und werden wohl noch ein Jahr benötigen, um die alte Schönheit wieder herzustellen. Viele erhabene Teile von Decken und Wänden sind abgeplatzt, hässliche Wasserflecken und unzählige Risse müssen noch beseitigt werden, außerdem Pilzbefall und Schmierereien, wie sie Eindringlinge und Vandalen während des Jahrzehnte langen Leerstands hinterlassen haben.

Den Stukkateuren, die das Schlösschen 1752 mit Ornamenten, Blüten und Tierbildern im Überfluss ausgestattet haben, zollt Restaurator Willi Amann von der Bamberger Firma Schmuck, hohes Lob. Er deutet als Beispiel auf einen meisterhaft geformten Pfau an einer Decke: "Das ist sagenhafte Arbeit!"

Amann und seine Kollegen sind für die Restaurierung der beiden Nebensäle im ersten Stock zuständig. Die Arbeiten am mittleren und größten Raum, dem so genannten Gartensaal, wurden erst ausgeschrieben. Bis Mitte 2015 soll die Beletage ihrem Namen wieder alle Ehre machen.

Dann wird das Haus zum ersten Mal in seiner Geschichte eingeschränkt für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Ein Nutzungsvertrag mit dem städtischen Kulturamt sieht Veranstaltungen im Aufseßhöflein vor; außerdem wollen die Besitzer den Gartensaal für private Feiern vermieten. Auch als weitere besondere Adresse für standesamtliche Trauungen könnte sich Andrea Fiedler das Aufseßhöflein vorstellen - eine Idee, die sie, wie sie sagt, aber erst mit der Stadt besprechen muss.

Entschieden ist inzwischen, dass das Ehepaar selbst die Wohnung unterm Dach beziehen wird. Im Erdgeschoss entsteht eine zweite Wohnung für Feriengäste oder die eigene Tochter. Auch wegen der geplanten Veranstaltungen im Haus will man keine Dauermieter aufnehmen. Der Lärmschutz sei doch nicht so wie bei einem Neubau, gibt Stefan Fiedler zu bedenken.

Neu auf dem weitläufigen Grundstück ist ein Nebengebäude für die Heizanlage, die mit Rücksicht auf die alte Substanz ausgelagert wurde. Der Bau eines identischen zweiten Hauses auf der anderen Seite ist ebenfalls genehmigt.