Eine Verkehrsberuhigung für Geisfeld - das ist der größte gemeinsame Nenner für die Befürworter und Gegner einer Ortsumgehung für den Strullendorfer Ortsteil. Wie diese auch ohne den Bau von zwei Umgehungsstraßen verwirklicht werden könnte, dafür blieben die Gegner in einer gut besuchten Bürgerversammlung die Antwort schuldig. Denn praktisch allen wirksamen Maßnahmen würde vom zuständigen Staatlichen Bauamt Bamberg eine Absage erteilt werden. So ging es jedenfalls aus dem einleitenden Vortrag von Ralf Kühnlein vom Bamberger Planungsbüro Höhnen & Partner hervor, das im Auftrag der Gemeinde im Oktober eine Verkehrszählung durchgeführt und ein entsprechendes Gutachten erstellt hatte.

Demnach besteht zum Beispiel keine Möglichkeit, im Ort Tempo 30 einzuführen. Die wird vom Straßenbauamt mit dem Hinweis auf die Bedeutung von Staatsstraßen für den überörtlichen Verkehr abgelehnt. Ebenso wenig machbar sind demnach Verengungen der Fahrbahn innerorts, da diese schon jetzt so schmal ist, dass es immer Probleme im Begegnungsverkehr von Lastwagen oder Bussen gibt. Auch Ampeln erteilt das Bauamt eine klare Absage. Selbst Bedarfsampeln sind nur dort denkbar, wo das Verkehrs- und auch das Fußgängeraufkommen entsprechend hoch ist. Beides ist in Geisfeld nicht der Fall. Eine Verlegung von sogenanntem Flüsterasphalt sei in Geisfeld ebenfalls nicht vorgesehen, so Kühnlein.

Tendenz gleichbleibend

Was dagegen denkbar ist, sind Querungshilfen an den Ortseingängen. Diese Inseln in der Fahrbahn dürfen nach den Maßgaben aber nicht zwangsläufig tempomindernd wirken. Sie dürfen aber durch ihre optische Wirkung die Aufmerksamkeit der Autofahrer erhöhen.

Zum Verkehrsaufkommen merkte Kühnlein an, dass dieses lediglich am westlichen Ortseingang über dem Durchschnitt bayerischer Staatsstraßen liegt. An Werktagen wurden dort gut 4500 Fahrzeuge pro Tag gezählt. Die meisten davon fahren Richtung Leesten/Zeegendorf weiter, ein Teil hat Geisfeld selbst als Ziel, ein Teil ist Durchgangsverkehr Richtung Litzendorf. Insgesamt sei das Verkehrsaufkommen in den vergangenen 15 Jahren nicht gestiegen, sondern habe stagniert. Die Tendenz sei weiterhin gleichbleibend, führte der Verkehrsplaner aus. Als Prognose für die Umgehungsstraße ergäben sich daraus etwa 2800 Fahrzeuge pro Tag auf der Südumgehung und etwa 1500 auf der Westumgehung (Richtung Litzendorf).

Die aktuellen Pläne für diese beiden Straßen stellte anschließend Jürgen Sauer vom Ingenieurbüro Sauer und Harrer vor. Sie basieren weitgehend auf Planungen aus den 1980er Jahren, wurden aber - etwa mit Kreisverkehren - modernen Gegebenheiten angepasst. Die Gesamtkosten für die Westumgehung bezifferte Sauer auf 1, 7 Millionen, für die Südumgehung auf 4,4 Millionen Euro. Der Anteil der Gemeinde Strullendorf belaufe sich auf etwa 300.000 beziehungsweise 590.000 Euro. Zusammen mit einem Rückbau der Litzendorfer und der Magdalenenstraße von der Staats- zur Gemeindestraße entstünden der Gemeinde insgesamt Kosten von knapp 1,4 Millionen Euro.

1987 herrschte noch Einigkeit

Im mehr als nur gut gefüllten Geisfelder Pfarrsaal interpretierten dann beide Seiten die Ausführungen von Kühnlein und Sauer in ihrem Sinn. Für die Befürworter der Umgehung führten Manfred Kestler und Dieter Heim die bekannten Belastungen für die Bewohner des alten Ortskerns an, die mit den wenigen verbleibenden alternativen Möglichkeiten zur Verkehrsberuhigung nicht zu beseitigen seien. Kestler verwies auch auf einen bereits 1987 vom Strullendorfer Gemeinderat einstimmig gefassten Grundsatzbeschluss zum Bau beider Umgehungsstraßen. Dafür sei aber nach der Grenzöffnung 1989 kein Geld mehr vorhanden gewesen. Vor allem sei die Dorferneuerung der späten 80er und frühen 90er Jahre ohne die Umgehung nach wie vor unvollendet. Und das obwohl damals im Laufe der Flurbereinigung die Geisfelder Landwirte durch ihre Bereitschaft zu Grundstückstausch und -abtretung alle Voraussetzungen für den Straßenbau geschaffen hätten.

Von Seiten der unter dem Namen "Pro Geisfeld" formierten Interessengemeinschaft der Umgehungsstraßengegner sah Peter Klenner das Ergebnis der Verkehrszählung als Bestätigung, dass eine Umgehung nicht gebraucht würde. Verkehrsberuhigende Maßnahmen im Ort könnten durchaus wirksam sein. Im Pfarrsaal wurde bis nach Mitternacht hart und teils emotional, aber nicht unfair diskutiert. Die entscheidende Runde findet jedoch am kommenden Montagabend im Sitzungssaal des Strullendorfer Rathauses statt. Dann soll der Gemeinderat eine Grundsatzentscheidung treffen.