Der Holzwurm fühlt sich pudelwohl im Depot des Bauernmuseums Bamberger Land. Alte Schlitten und Rechen, Stühle und Tische, Werkzeuge, Leitern und auch so mancher Balken der alten Scheune an der Frensdorfer Hauptstraße bieten ihm einen 1-A-Lebensraum. Ein 1-A-Lagerplatz für die Exponate des Museums – das zeigen die Sägespäne am Boden – ist dieser Ort nicht. Die entscheidende Frage für den Bau- und Wirtschaftsausschuss ist jedoch: Wie viel Geld will der Landkreis für die landwirtschaftlichen Zeitzeugnisse ausgeben?
"Wollen wir dieses Thema einmal angehen, oder nicht?", formulierte Landrat Johann Kalb den Knackpunkt. Der CSU-Politiker ließ selbst keinen Zweifel daran, wie er darüber denkt: "Ich war total erschrocken, als ich das hier gesehen habe. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man zu dem Ergebnis kommt, hier nichts zu machen." Feucht, nicht gedämmt, schmutzanfällig, ungeordnet: "Es ist guten Gewissens kaum möglich, noch Sachen aufzunehmen", sagt Birgit Jauernig, die Leiterin des Bauernmuseums. "Es ist wirklich schade, wenn Leute, die uns etwas geben wollen, die Sachen dann wegschmeißen", meint Landrat Kalb. Einstimmig fasste der Bau- und Wirtschaftsausschuss schließlich den Beschluss, das Thema anzugehen und Konzepte ausarbeiten zu lassen, um auch die möglichen Kosten der verschiedenen Erneuerungsvarianten abschätzen zu können.
Derzeit ruhen die Exponate in einer alten Scheune hinter einem Wohnhaus, das ebenfalls dem Kreis gehört. Wie soll es nun weitergehen? Einen Neubau an anderer Stelle kann sich Josef Martin (CSU) vorstellen. Das Anwesen könne man dafür verkaufen. "Die Exponate sind 100 Jahre alt. Die passen nicht in einen Neubau", meinte Georg Dennert (FW). Doch die Sanierung der Scheune würde nicht billig werden. Es gebe verschiedene Möglichkeiten, sagte Landrat Kalb. "Wir sollten vor allem auch darauf achten, was Frensdorf will." Ein Anbau am Frensdorfer Bauhof sei schon angedacht, berichtete Jakobus Kötzner (CSU), der Frensdorfer Bürgermeister und zugleich Vorsitzender des Fördervereins für das Bauernmuseum Bamberger Land. "Der Verein hat beschlossen, 25 000 Euro für die Ernuerung des Depots dazuzugeben, da wir an Arbeitsleistung nicht viel aufbringen können."
Wie ein mustergültiges Depot aussehen kann, präsentierte Museumsleiterin Birgit Jauernig den Kreisräten anschließend in einem Nebenraum ihres Museums: Im Textilarchiv sind Kleidungsstücke und Stoffe gelagert. Jedes einzelne ist in säureresistente Folien und Kartons gehüllt, dokumentiert, beschriftet und vor Motten geschützt. "Unser Textildepot gilt als vorbildlich", berichtete die Leiterin. "So könnte es in dem anderen Objekt auch aussehen", sagte Kalb.
"Das Depot ist so etwas wie der Dachboden des Museums", so Jauernig. "Und wir wollen die dort gelagerten Stücke auch irgendwann der Öffentlichkeit präsentieren." 11 000 Besucher kommen laut Jauernig jährlich nach Frensdorf, um in und rund um den Fischerhof aus den 1920er-Jahren einen Eindruck vom ländlichen Leben vor 100 Jahren zu erhalten.
"Seit 1999 ist es uns gelungen, das Museum aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken und zu einem kulturellen Treffpunkt zu machen", so die Leiterin. Man habe einen Bekanntheitsgrad erreicht. Märkte und andere Veranstaltungen, besonders aber die Sonderausstellungen kämen beim Publikum gut an. Hier wolle sie auch in Zukunft anknüpfen.