Die Bamberger Kinolandschaft ist überschaubar geworden. Das "Cinestar" versorgt als eine Art letzte Bastion im sonst leerstehenden Atrium die Bamberger mit den großen Filmen aus Hollywood. Im "Lichtspiel" in der Unteren Königstraße hat man sich dem anspruchsvollen Kultur-Kino verschrieben, und das "Odeon" liegt - nicht nur räumlich - in etwa dazwischen. In den 70ern sah das anders aus.

Wer heute durch Bamberg streift, der kann sie teilweise noch sehen, die Spuren der Kinos aus den 70ern. Zum Beispiel am Heinrich-Weber-Platz in Bamberg-Ost. Noch immer prangt in großen Lettern der Schriftzug "Capitol" hoch oben an der Fassade des früheren gleichnamigen Kinos. Es wurde 1938 im Stil der Kinoarchitektur der NS-Zeit erbaut und auch nach dem Krieg von den amerikanischen Besatzern weiter als Kino genutzt. Im Laufe der 70er war dann aber Schluss, und das Gebäude wurde zum Geburtshaus.

An anderer Stelle erinnert nichts mehr an ein Kino. Das "Apollo" in der Peuntstraße eröffnete 1928 und schloss Ende der 70er. Heute ist dort ein Dentallabor untergebracht. Dort, wo bis 1971 in der Oberen Sandstraße das "Alhambra" war, ist heute der Live-Club. Am Grünen Markt findet sich auch keine Spur mehr vom "Film-Palast", der 1913 als "Universum-Lichtspiele" eröffnete und nach einer Verkleinerung in den 70ern endgültig schloss. Egal ob "Hain-Palast", "Camera" oder auch die "Luitpold-Lichtspiele" mit ihren individuell benannten Vorführräumen - ihre Zeiten sind vorbei.


Zwei bestehen noch

Nur in zwei Kinos, wo auch schon in den 70ern Filme über die Leinwand flimmerten, geschieht das auch heute noch. Der Grund dafür ist Gerrit Zachrich. Er kam 1989 als Student nach Bamberg. Während seiner Studienzeit organisierte er mit Freunden Filmvorführungen an der Uni, 1990 war er an der Gründung der Bamberger Kurzfilmtage beteiligt. Es entstand die Idee, einen festen Filmort zu finden. Und so tingelte er damals durch all die genannten Ex-Kinos, auf der Suche nach einer Möglichkeit der Reaktivierung.

Mal stand das Gebäude gar nicht mehr, mal war der ehemalige Kinosaal komplett zurückgebaut worden, mal spielten die Eigentümer nicht mit. "Ich habe mir auch dieses Kino angeschaut", sagt Zachrich, während er im heutigen "Lichtspiel" sitzt. "Das war damals ein Pornokino."

Das "Rex", das 1954 noch als Heimatfilm-Kino eröffnet worden war, hatte längst auf die in den 60ern und 70ern erfolgreichen Erotikfilme umgestellt. Ein erster Übernahmeversuch scheiterte. Erst 1995 wurde Zachrich Betreiber und machte aus dem "Rex Erotica" das "Lichtspiel". So ganz aus der Erinnerung verschwunden ist die Vorgeschichte seines Kinos aber noch nicht: "Ganz viele ältere Leute kommen heute noch und sagen: ,Ja, das kenne ich noch von früher. Da sind immer die Männer mit den langen Mänteln rein.‘"

Im Herbst 2001 bot sich Zachrich eine weitere Möglichkeit, ein Traditionskino zu erhalten. Das "City-Kinozentrum" in der Luitpoldstraße strich - wie das "Luli" - zur Jahrtausendwende wegen der neuen Konkurrenz im Atrium die Segel. Am 31. Januar 2002 eröffnete Zachrich dort das "Odeon": "Der Name ,City‘ stand eher für Hollywood, deshalb haben wir ,Odeon‘ aufgegriffen. Ein Kino mit dem Namen gab es schon mal in Bamberg", sagt Zachrich. Vermieterin ist bis heute die Enkelin von Maria Ernst, die das "City" 1956 gründete.


Kino im Wandel

Gerrit Zachrich (geb. 1962 in Stuttgart) weiß als Filmliebhaber ganz genau, welche Veränderungen das Kino in den 70ern ausmachten: "Fernsehen bestand nur aus drei Kanälen. Wenn man etwas anderes sehen wollte, musste man ins Kino", sagt er. Trotzdem war das Fernsehen starke Konkurrenz: "Die Leute sind nicht mehr so ins Kino gerannt." Auch seine eigenen Erinnerungen an die 70er stammen eher von dort: "Sachen, wie Pan Tau oder die Augsburger Puppenkiste. Aber oft erzählen mir Bamberger, wie sie im ,City‘ zum Beispiel Bud-Spencer-Filme gesehen haben."

Außerdem begann sich das Kino in viele verschiedene Genres zu spalten: "Das ist jeweils zu einer richtigen Industrie geworden. Es gab viel mehr Filme. Martial-Arts-Filme mit Bruce Lee, Horrorfilme oder auch Erotik sind typisch 70er", sagt Zachrich. Das ging auch an den Kinos nicht spurlos vorbei: "Für all diese Filme musste man Räume haben." Viele Kinos wurden deshalb verkleinert: "Aus dem ,City‘ mit 500 Plätzen wurden zwei Säle gemacht. Später wurde ins Foyer sogar noch das ,City 3‘ reingebaut. Im großen Saal lief Hollywood, im zweiten Action und im dritten ein bisschen Erotik."
Den dritten Saal löste Zachrich wieder auf, die anderen beiden blieben bestehen. Stilistisch ist das "Odeon" heute eher an die goldene Kino-Ära der 50er Jahre angelehnt. Nur die aufwändige Programmtafel über dem Kinoeingang, die ist ein Relikt der 70er.