Zwei Schwertkämpfer duellieren sich gleich neben der Konzerthalle. Verfolgt von einer schwarzen Gestalt, die ihnen nicht von der Seite weicht. Ein Passant bleibt stehen und beobachtet das Geschehen auf dem Schiffbauplatz. Schon springt eine junge Frau auf die Kontrahenten zu: "Wendy", während "Tinkerbell" als freche Fee noch auf ihren Auftritt wartet. "Nimmerland" entsteht unter Arnd Rühlmanns Regie an der Regnitz. Ja, Bambergs Gruselchansonnier entführt Kinder zum 25-jährigen Bestehen von Chapeau Claque auf die fantastische Insel, auf der "Peter Pan" mit den "verlorenen Jungs" nach wie vor dem finsteren "Captain Hook" Paroli bietet.

Zur Theatereröffnung

"Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt, ist ein Mensch!", meinte Erich Kästner. "Ganz in seinem Sinne feiert der Verein Chapeau Claque seinen 25. Geburtstag und bringt dabei zum zweiten Mal den Kinderbuchklassiker von James Matthew Barrie auf die Bühne", so Markus Hörner als Geschäftsführer des Kinder- und Jugendtheaters. Zumal das Stück 1995 bei der Eröffnung des Werkstatttheaters in der Grafensteinstraße zum ersten großen Publikumsrenner der Pionierjahre wurde. In der Kästner-Version soll der 1902 erstmals erschienene literarische Held nun die nächste Generation bannen.

Nach der Altenburg, wo es 1999 erste Freilichtaufführungen gab, nach dem Hain, dem Garten des Stadtarchivs und dem Erba-Park wird der Schiffbauplatz ab 13. Juni zur Bühne: für einen Jungen, der nicht erwachsen werden will und damit seit einem Jahrhundert Kinder bannt. Arnd Rühlmann haucht "Peter Pan" in der neuen Inszenierung Leben ein, nachdem der Wahlbamberger für Chapeau Claque schon "Tizian und der Hexenschlamassel" (aus eigener Feder), "Neues vom Räuber Hotzenplotz" und "Das Dschungelbuch" gestaltete.

Von Disney entschärft

Von einem bedeutenden Werk der Kinder- und Jugendliteratur schwärmt der Regisseur, der "Peter Pans" Abenteuer als Jugendlicher in der Originalversion zu schätzen lernte. "Barries Geschichte hatte eine ganz andere Tiefe, bevor sie vom Disney-Zeichentrickfilm und anderen Umsetzungen verharmlost und verflacht wurde." Man habe versucht, den Protagonisten "zu pädagogisieren, der als ewiges Kind keineswegs ein leuchtendes Vorbild, sondern mitunter auch böse und trotzig ist". Nicht besser erging's "Tinkerbell", die zur "niedlichen Fee" wurde, obwohl "Glöckchen" sehr "ordinär" sei (wie es an einer Stelle des Buches heißt) und "Wendy " aus Eifersucht meucheln möchte. "Wir erzählen die Geschichte in Bamberg wieder durchgeknallt bis hin zur Darstellung Londons und vergessen, was die Unterhaltungsindustrie aus dem Werk machte."

Monatelang hatte sich Rühlmann in die Materie eingelesen und dabei diverse Adaptionen vorgenommen. Anfang Mai begannen endlich die Proben in der Grafensteinstraße, "wo wir Szenen und Beziehungen zwischen den Protagonisten entwickelten". Seit kurzem ist Rühlmann mit den Darstellern - Benjamin Mangelsdorf (Peter Pan), Susanna Bauernfeind/ Astrid Haas (Wendy), Benjamin Bochmann (Captain Hook), Maria Albu/Marina Esslinger (Tiger-Lilly), Pascal Averibou/ Christopher Bailey (Smee) - auf dem Schiffbauplatz dabei, "Nimmerland" Realität werden zu lassen: "Eine wunderschöne Naturbühne", schwärmt Heidi Lehnert, die Produktionsleiterin, die sich bei Besuchen über tierische Begleiter freute. So scheint eine ganze Entenfamilie auf "Peter Pan" zu fliegen. Erst watschelte nur ein Federvieh zu den Proben. Dann folgten junge Eltern mit Küken, die das Geschehen völlig ungerührt lässt.

Kampfszenen entwickeln

Mittlerweile spielen die Darsteller auch in Nikola Voits Kostümen an der Konzerthalle. "Jetzt müssen noch die Kampfszenen entwickelt und eingeprobt werden", sagt Arnd Rühlmann. Parallel dazu werkeln David Grimm und Olga Seehafer in der Grafensteinstraße am Bühnenbild. Für "Nimmerland"-Atmosphäre sorgen zudem Rolf Böhms Kompositionen. "Wenn wir im Freien schon nicht mit Licht zaubern können, dann wird die Musik als Element ja umso wichtiger."

In kleiner Besetzung

Was waren die größten Herausforderungen bei "Peter Pan", wollten wir von dem Regisseur noch wissen, der mit seiner Truppe fast täglich mehrere Stunden lang im Einsatz ist. "Es ist nicht leicht, eine so epische Geschichte mit wenigen Schauspielern umzusetzen", meint Rühlmann. Und zeigte sich kreativ, um den Anforderungen zu entsprechen. Drum fliegt Wendy beispielsweise auch als Einzelkind ohne Brüder nach "Nimmerland". Ja, und dann galt es noch das über 100 Jahre alte Frauenbild des Autors ans 21. Jahrhundert anzupassen. "Kinder erleben ,Wendy' somit viel aktiver und tougher, als sie sich Barrie vorstellte." Mehr dazu aber ab 13. Juni, wenn "Peter Pan" bei manchem Bamberger sicher auch die eine oder andere Erinnerung aufleben lässt.

Zu den Vorstellungen

Der Premiere am 13. Juni ( 15 Uhr) folgen am Schiffbauplatz neben der Konzerthalle weitere Vorstellungen vom 14. Juni bis 13. September immer sonntags ab 15 Uhr (in den Sommerferien auch samstags ab 17 Uhr). Der 22. und 23. August sind spielfrei. Auch bei Regen finden Vorstellungen statt. Im Netz findet man auf der Homepage weitere Infos, auch Termine für Schulen und Kindergärten. Buchungen über das Theaterbüro sind unter der Nummer 09 51/ 3 93 33 und 9 68 66 73 möglich. Karten gibt's im Vorverkauf bei Collibri und beim BVD