"Auf der Sandstraße nachts um halb drei ist alles vorbei": So umriss Poetry-Slammer Christian Ritter eine Kontroverse, die in Bamberg 2013 für Furore sorgte. Am ersten Juli-Wochenende mobilisierte die noch immer geltende Sperrzeitenregelung rund 2000 Studenten und andere Demonstranten, die vom Sandgebiet aus zum Gabelmann zogen und eine Verkürzung forderten - allen voran die Initiatoren von "Kultur braucht Zeit!" .



Pettstadter Schmied landete vor Gericht

Wie lange darf gefeiert und gezecht werden? Weit liegen die Meinungen in dieser Frage von jeher auseinander. Nehmen wir den sprichwörtlich gewordenen Pettstadter Schmied, der im 19. Jahrhundert aufwuchs und heute wohl ebenfalls ein entschiedener Gegner jeder Sperrstunde wäre. So vergnügte sich Sebastian Schubert um die Jahrhundertwende zu vorgerückter Stunde in einem Wirtshaus, aus dem ihn eine Ge ndarmeriestreife zu vertreiben suchte: "Des mach ich, wie ich mooch", war die trotzige Antwort, die den Schmied vor's Königlich Bayerische Amtsgericht brachte, wo er freigesprochen wurde.


Klare Mehrheit

"Mach's wie der Pettstadter Schmied" sollte man Wirten, Veranstaltern und Gästen des 21. Jahrhunderts natürlich nicht raten. Schließlich gilt die 2011 vom Stadtrat mit klarer Mehrheit beschlossene Sperrzeitenregelung, zu der man damals auch Studenten anhörte - und gegen die vor dem Sitzungssaal demonstriert wurde. Zapfenstreich ist seither in der Innenstadt von Montag bis Freitag um 2 Uhr nachts und am Wochenende um 4 Uhr morgens. Ein mühsam gefundener Kompromiss, der vielen Anwohnern nicht weit genug ging: Anwohnern, denen das nächtliche Treiben den Schlaf raubt. Zumal auf Bambergs Partymeilen nach Schließung der Locations vielstimmig weitergequatscht und weitergefeiert wird: Des einen Leid ist eben des anderen Freud.



Keine saufenden Studis!

Zurück aber zu den Demonstranten, die sich 2013 eine Sperrzeitverkürzung wünschten und ihr Anliegen in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rückten. Als "losen Zusammenschluss aus Bamberger Veranstaltern, Musikern, Schauspielern und anderen Kulturschaffenden ohne parteipolitischen Hintergrund" bezeichneten sich die Organisatoren, die mit all den anderen Teilnehmern von der Elisabethenkirche aus zum Gabelmann marschierten. Als einer der Redner stellte Christopher Schuster gleich klar: "Wir sind kulturschaffende Menschen, keine saufenden Studis." Und wünschte sich "mehr Handlungsspielraum für die alternative Kultur".



Besserer Dialog

Auch die Kulturförderung und die Raumnot, unter der junge Künstler litten, wurden zu Themen. Einen besseren Dialog mit der Stadt wünschten sich die Studenten. Nicht anders als der Initiator der Facebook-Seite "Dinge die man in Bamberg noch verbieten könnte": Eine satirische Anmerkung zum Geschehen, die innerhalb weniger Tage eine gigantische Anhängerschaft fand.


Absage des Unifestes

Zum Auslöser der neuerlichen Sperrstundendebatte war die Absage des Uni-Festes Anfang Juli geworden. Die Universitätsleitung hatte sich dazu entschieden, nachdem es in dem Jahr zu keiner Ausnahmegenehmigung kam. "Bei einer Beschränkung der Musik auf 23 Uhr und einer generellen Sperrstunde von 24 Uhr sind die Kosten einfach zu hoch", erklärte Uni-Präsident Ruppert. "Wir verstehen natürlich, dass sich die Stadt schwer tut, angesichts der Diskussionen um Innenstadt-Veranstaltungen für uns Ausnahmen zu machen. Schaut man auf die über 30-jährige Tradition, die das frühere Altstadtfest der Universität schon hat, ist das dennoch sehr bedauerlich."


Abstimmung mit den Füßen

Ja, auch die Diskussion um Großveranstaltungen, die alle Jahre wieder Tausende nach Bamberg ziehen, brandete 2013 auf. Auf der einen Seite wieder: Anwohner, die sich in ihrem Bedürfnis nach Ruhe gestört sahen - und darüber hinaus den zunehmenden Vandalismus beklagten. Auf der anderen Seite: Fans der Events, die vor einer Verödung der Innenstadt warnten und sich eine attraktive lebendige Stadt wünschten.



Große Mehrheit für die Events

Das Bamberger Centrum für Empirische Studien (Baces) führte im Auftrag der Mediengruppe Oberfranken schließlich eine Studie durch, bei der 1107 Bamberger Stellung beziehen konnten. Und tatsächlich begrüßte die große Mehrheit Art und Anzahl der Innenstadt-Veranstaltungen, obwohl die Befragten Verständnis für die Klagen der Anwohner zeigten. Nur seien Vandalismus, Schmutz und Lärm ein gesellschaftliches Phänomen, das auch anderweitig zu beobachten und somit durch eine Beschränkung der Events nicht zu lösen sei.



Rekordbeteiligung an Veranstaltungen



Dementsprechend stimmten die Menschen in dem Jahr auch mit den Füßen ab: So bilanzierte das Stadtmarketing Ende 2013 eine Rekordbeteiligung an seinen Veranstaltungen.