Es sind nicht Donau und Main, die derzeit für Hochwasserschlagzeilen sorgen. Sie heißen Rezat oder Zenn, Altbach oder Simbach - kleine Flüsse und Bäche, manchmal nur spärliche Rinnsale, die plötzlich anschwellen und ganze Orte in den Fluten versinken lassen. Sind solche Ereignisse, wie in Simbach und Triftern, Flachslanden und Oberzenn, auch im Landkreis Bamberg möglich?

Ja! Es müssen nur verschiedene Umstände zusammentreffen, und schon könnten sich die Horrorszenarien auch hier wiederholen. "Zeegenbach, Ziegenbach, Möstenbach ... Es ist unmöglich, genau zu sagen, wo die neuralgischen Punkte sind", stellt Hans-Joachim Rost fest. "Aber wir kennen, die Faktoren, die dazu führen können." Rost ist beim Wasserwirtschaftsamt (WWA) Kronach für den Hochwasserschutz im Landkreis Bamberg zuständig.


Extremregen auf kleinstem Raum

Je kleiner und steiler der Einzugsbereich ist, je glatter und versiegelter die Oberfläche ist, desto gewaltigere Wassermassen werden die Hänge herabschießen, so Rost. Natürlich braucht es dazu ein entsprechend kräftiges Niederschlagsereignis. Das kann vor allem bei den Sommergewittern sein, die sich derzeit häufig bilden. Sie sind oft sehr kleinräumig, jedoch heftig. Wenn dann Windstille herrscht und sich eine solche Gewitterzelle über einem Ort ausregnet, kommen dort schnell große Wassermengen zusammen. Nach Einschätzung des WWA haben solche Wetterphänomene, wohl bedingt durch den allgemeinen Temperaturanstieg, in den vergangenen Jahren zugenommen. Und die Prognosen sehen eine weitere Zunahme, sowohl in der Häufigkeit, als auch in der Heftigkeit.

Stärker gefährdet - was die Auswirkungen betrifft - sind dabei, wie Rost ausführt, enge und steile Täler. Den Jura könnte es also noch heftiger treffen, als etwa den Steigerwald mit seinen relativ flachen und weiten Talräumen. Treffen können die Wetterkapriolen dennoch jeden. So wurde in der vergangenen Woche etwa in Burgwindheim und andernorts im Steigerwald Straßen vom Schlamm überspült. Am vergangenen Sonntag rauschte dann eine Schlammwelle durch Peulendorf bei Scheßlitz, nachdem zuvor binnen einer halben Stunde 40 Liter Regen je Quadratmeter gefallen waren, wie ein Anwohner berichtet. WWA-Mann Rost wurde derweil nach Großgressingen bei Ebrach gerufen, wo ein Regenrückhaltebecken wegen eines verstopften Abflusses überzulaufen drohte.


Jede Senke potenziell gefährdet

Ein Beispiel für ein Hochwasser, für das es nicht einmal einen bestehenden Bachlauf brauchte, erlebte in der vergangenen Woche Walsdorf. Dort war nicht die Aurach über die Ufer getreten, sondern das Wasser von den umliegenden Hängen sammelte sich schneller im Tal als dass es abfließen konnte. Im unmittelbar benachbarten Erlau bekam man davon so gut wie nichts mit. Es war sozusagen eine glimpflich ausgegangene Minivariante von dem, was sich im Juli 2007 in Baiersdorf ereignete, als nicht nur die halbe Stadt samt Gewerbegebiet, sondern auch die Autobahn zwischen Erlangen und Forchheim meterhoch unter Wasser stand. Ein solches Szenario ist in fast jeder Tallage denkbar und möglich.

Beherrschbarer werden solche lokalen und extremen Hochwasserereignisse dadurch natürlich nicht. Im Gegensatz zu den bekannten Hochwasserrisikogebieten an den großen Flüssen ist ein umfassender baulicher Hochwasserschutz praktisch nicht zu realisieren. Verantwortlich ist das WWA Kronach im Landkreis Bamberg dabei für Gewässer erster Ordnung (Main und Regnitz) sowie Gewässer zweiter Ordnung (Aurach, Baunach, Lauter, Gründleinsbach unterhalb Memmelsdorf, Leinleiter, Leiterbach unterhalb Scheßlitz, Mittelebrach, Rauhe Ebrach, Reiche Ebrach). Zuständig für Gewässer dritter Ordnung, also die kleinen Bäche und deren Oberläufe sind dagegen die jeweiligen Gemeinden.
Weil lokale Flutkatastrophen zumeist aus der Verkettung sehr verschiedener Faktoren entstehen, rät Rost dazu, beim vorbeugenden Hochwasserschutz vor allem eines zu berücksichtigen. Schon bei der Planung von Bau- oder Gewerbegebieten sollen Extremhochwasser berücksichtigt werden. Dafür gebe es mittlerweile sehr gute statistische Berechnungsmöglichkeiten. "Selbst wenn sich der Älteste im Gemeinderat nicht an ein so großes Hochwasser erinnern kann, ist es dennoch nicht ausgeschlossen", mahnt der Experte vom Wasserwirtschaftsamt.