Schon seit 1987 sind die Sinterbäche am Stammberg von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt als "geschützte Landschaftsbestandteile" eingestuft. Jetzt soll ihnen sozusagen auf höherer Ebene der Schutz als FFH-Besonderheit zuteil werden. Etwa acht bis zehn solcher Bäche sind es, schätzt Klaus Weber vom Landschaftspflegeverband Bamberg, die nordwestlich von Tiefenellern als "Kalksinterbäche mit begleitenden Gehölzbeständen" an starkem Gefälle zu Tal rauschen.

"Es lässt sich einiges tun zur Bewahrung dieser einmaligen Kalktuffquellen und Sinterbäche", sagt Weber und appelliert an die Gemeinden nicht nur im Ellertal, für deren Schutz zu sorgen. Tuffquellen und Sinterbäche seien sehr sensibel und würden, obwohl unter Schutz stehend, oft durch menschliche Einflüsse beschädigt oder zerstört. Wegen ihrer Kleinteiligkeit und Unscheinbarkeit werde die hohe ökologische Wertigkeit dieser Quellbiotope nicht immer hoch genug eingeschätzt. Kalktuff baue sich sehr langsam auf mit einem Zuwachs von nur zwei bis drei Millimeter jährlich. Wasseraustritte dürften deshalb nicht verbaut, verrohrt oder durch Ablagerungen vergraben werden.

Was in der Gemeinde Litzendorf jedenfalls nicht geschehen soll, versichert Bürgermeister Wolfgang Möhrlein. Man wolle diesen "Naturschatz" erhalten, allein schon wegen des Naturschauspiels, aber auch wegen der Artenvielfalt. Von den etwa zehn Bächen dieser Art am Stammberg erläutert Möhrlein am Beispiel der Gönsquelle die Artenvielfalt. So lebe hier die sehr seltene gestreifte Quelljungfer, eine Libellenart, von Biologen als faunistische Kostbarkeit eingestuft. Auch Feuersalamander und Eisvogel kommen vor.

Deshalb wolle man gerne mit dem Pflegeverband zusammenarbeiten, so Möhrlein, und zum Beispiel eine intensive landwirtschaftliche Nutzung der Uferbereiche vermeiden, weil es dadurch zu Dünger-Einträgen in den Bach kommen könne. Bei Schüttungen der Quelle von zwei bis 40 Liter Wasser pro Sekunde könne dies sehr negative Folgen haben. Wegen der großen Schwankungen sei die Quelle für die kommunale Wasserversorgung ungeeignet und wurde deshalb nicht gefasst.

Was den bei Regen durchaus wasserreichen Gönsbach wie einen Wildbach zu Tal rauschen lässt, ist das starke Gefälle am Stammberg-Ausläufer. Bürgermeister Möhrlein schätzt den Höhenunterschied zwischen Quelle und Mündung in den Ellerbach auf etwa 120 Meter bei einer Fließlänge von gut einem Kilometer.

"Etwas ganz Besonderes" sind die Kalktuffquellen auch für Klaus Weber. Für den "Managementplan" des FFH-Gebietes "Albtrauf" zwischen Dörrnwasserlos und Zeegendorf werden derzeit alle Lebensräume kartiert. Konkrete Vorhaben gibt es aber noch nicht. Die Quellbäche weisen hohe Konzentrationen von gelöstem Kalk auf. Der Entzug von Kohlendioxid durch Photosynthese von Algen und Wasserpflanzen führt zu einem Ausfällen eines erheblichen Teils des gelösten Kalkes (Calciumhydrogencarbonat) als Kalk (Calciumcarbonat), der sich an den Pflanzen ablagert (Quelltuff, Versinterung). Dadurch können die treppenartigen Kaskaden von hintereinander "geschalteten" Wasserbecken entstehen.