Dieter Weinsheimer von der Bamberger Allianz kommt auf ein wenig schmeichelhaftes Ergebnis: "Dieser Haushalt ist abgemagert. Viele Positionen sind unterfinanziert oder ersatzlos gestrichen."

Weinsheimer ist einer der dienstältesten Stadträte im Rathaus: Er kritisiert nicht nur das Fehlen des Projekts Buger Brücke, eines im südlichen Stadtteil lange geforderten Neubaus. Auch Straßenunterhalt und versprochener barrierefreier Ausbau in der Stadt werden aus seiner Sicht sträflich vernachlässigt. Mit Kleckerbeträgen werde den Schlaglöchern kaum beizukommen sein.

Nachholbedarf sieht Weinsheimer auch beim Ausbau der Kinderbetreuungsplätze. Statt der vorgesehenen 320 000 Euro will die Allianz eine Million in diese Zukunftsaufgabe stecken. Klar ist, dass selbst diese Summe nur ein "Tropfen auf dem heißen Stein" sein wird. Wegen des starken Bevölkerungswachstums und auch der vielen Kinder aus Flüchtlingsfamilien läuft die Stadt auf eine drastische Lücke bei Kitaplätzen zu. Es fehlen rund fünf Millionen Euro.

Bei den Kitas ist in den Haushaltsberatungen kommende Woche nicht mit langen Diskussionen zu rechnen. Schon am 10. Oktober hatten CSU und SPD in einer gemeinsamen Initiative dem Mangel an Betreuungsplätzen den Kampf angesagt. Auch die beiden großen Fraktionen wollen mit einer Million die Löcher stopfen. Um den Haushaltsentwurf auszugleichen, schlagen sie einen Griff in die Rücklage vor.

Die Bamberger Allianz würde dieses Geld lieber beim umstrittenen Bürgerrathaus einsparen. Hierfür sollen 2017 in einem ersten Schritt 2,8 Millionen Euro ausgegeben werden - deutlich mehr als die Kritiker dieses Projekts etwa für einen abgespeckten Ausbau als nötig erachten.

Doch ob sie sich durchsetzen, ist fraglich. Nach Berechnungen der Verwaltung, die am Freitag bekannt wurden, erspart die Ämterrochade, die durch das Bürgerrathaus möglich wird, der Stadt eine sechsstellige Summe an Mietkosten im Jahr. Diese Erkenntnis bringt möglicherweise auch die CSU ins Zweifeln. Sie hatte dem Rathausprojekt im Sommer überraschend den Rücken gekehrt.

Steht die Stadt vor einem mageren oder fetten Jahr? Heinz Kuntke, der finanzpolitische Sprecher der SPD, kommt zu einem ganz anderen Urteil als die Bamberger Allianz. Er freut sich, dass Bamberg vom Welterbezentrum bis zur "Wolfsschlucht", von der Konversion bis zum Bürgerrathaus wichtige Projekte anschieben kann.
Der Haushalt sei solide. Es gelinge sogar, Schulden abzubauen.

Keine Selbstverständlichkeit: Kämmerer Bertram Felix will 2017 nicht nur keine neuen Schulden machen. Er hofft darüber hinaus, 250 000 Euro in die Tilgung stecken zu können.

Peter Gack von den Grünen geht sogar noch einen Schritt weiter. In der Vergangenheit habe sich immer wieder gezeigt, dass im Entwurf etliche Einnahmepositionen unter- und Ausgabenpositionen überbewertet wurden. Mit dem Ergebnis, dass nach einem knallharten Sparprozess im Lauf des Jahres doch viel Geld übrig war. Gack sieht hier Verhandlungsspielraum, um endlich auch bei der Sanierung der blauen Schule "Nägel mit Köpfen" zu machen.

Für äußerst fragwürdig halten die Grünen die Position von 2,3 Millionen Euro "nur für vorbereitende Untersuchungen auf der geschrumpften Konversionsfläche". Es sei völlig unklar, was damit gemeint sei.
Unumstritten ist dagegen das größte Investitionsprojekt. Mit dem Umbau der ehemaligen Jugendherberge Wolfsschlucht findet ein langes Ringen in der Stadt ein glückliches Ende. Das hat auch mit den Kosten zu tun:
Von 3,5 Millionen muss Bamberg selbst nur 500 000 Euro beisteuern.

Ein zentrales Thema der jüngsten Zeit spiegelt sich im Haushalt der Stadt nicht wider: Dort wird kaum ein Euro für kostengünstiges Wohnen ausgegeben. Diesen Umstand prangert Heinrich Schwimmbeck von der Bamberger Linken Liste an. Die Erklärung, dass alle Kosten für Wohnprojekte in die Stadtbau GmbH ausgelagert seien, vermag ihn nicht von seiner These abzubringen: "Ich finde Wohnungsbauförderung weitaus wichtiger als etwa ein Bürgerrathaus."