Vor einem Jahr waren es Gastronomen und Studenten, die protestierten - gegen ein nächtliches Feierverbot. Der Stadtrat beschloss damals dennoch eine Verlängerung der Sperrzeit , zumindest auf Probe - und zwar montags bis freitags von 2 bis 6 Uhr sowie samstags, sonntags und feiertags von 4 bis 6 Uhr. Zwölf Monate später gab es nun wieder, wenn auch stille Proteste vor der Harmonie am Schillerplatz, wo die Räte am Mittwoch über die Beibehaltung der seinerzeit getroffenen Regelung abzustimmen hatten. Diesmal aber waren es um ihren Schlaf geraubte Anwohner, die auf sich aufmerksam machten. "Wir wollen kein Sperrgebiet für Geselligkeit in Bamberg erreichen. Aber während die einen ungehemmt feiern, trinken und grölen möchten, sollen wir betroffenen Anwohner alles schweigend hinnehmen, Oropax benutzen und aufs Land ziehen. Dabei wollen wir doch nur ein paar Stunden Schlaf", stand auf einem Flugblatt, das die Arbeitsgruppe Lärm des Bürgervereins Mitte im Vorfeld der Sitzung den Stadträten in die Hand gab.

"Leider hat die neue Verordnung nicht ganz den gewünschten Erfolg gebracht. Besonders am Wochenende hat die Verlängerung der Sperrzeit nicht zu einer deutlichen Reduzierung der Polizeieinsätze geführt", berichtete der Bamberger Polizeichef Udo Skrzypczak drinnen im Sitzungsaal. Als Gründe dafür führte er die gestiegene Anzahl an Studenten und Touristen an, die sich nicht immer wunschgemäß verhielten. Ferner habe sich das Ausgehverhalten der jungen Menschen nach hinten verlagert und überhaupt gibt es nach Ansicht der Polizei zu viele Ausnahmegenehmigungen in Richtung Sperrzeitverkürzung.

359 Ausnahmegenehmigungen


Laut Ordnungsamt wurden seit Inkrafttreten der Verordnung 359 Sperrzeitverkürzungen ausgestellt. "Wir schlagen daher vor, die Anzahl der Ausnahmegenehmigungen auf ein Maß zu reduzieren, das für die Bewohner der Innenstadt verträglich ist", schlug Sozialreferent Ralf Haupt vor. Dabei sollen die Ausnahmegenehmigungen rund um die Hälfte verringert werden.

Die CSU-Fraktion legte ihrerseits ein Neun Punkte-Konzept "für den Lärmschutz in Bamberg" vor. Dieses sieht unter anderem vor, dass die bisherige Sperrzeitregelung erhalten bleibt, gleichzeitig soll die Einhaltung der Lärmschutzauflagen durch das Ordnungsamt verstärkt überprüft werden. Weiterhin sollen zusammen mit den Gastronomen Konzepte ausgearbeitet werden, die zur Lärmminderung beitragen. So könnten beispielsweise Rauchern Vor- bzw. Innenhöfe zur Verfügung gestellt werden. Auch soll die Stadtverwaltung auf eine "Last-Oder"-Regelung hinwirken.

SPD-Fraktionsvorsitzender Heinz Kuntke betonte, dass in Bamberg natürlich auch künftig gefeiert werden dürfe. Allerdings müssten dabei die Interessen der Anwohner gewahrt werden. Das Ordnungsamt forderte er auf, strenger gegen Lärmverstöße vorzugehen. "Wir werden das derzeitige Sperrzeitenkonzept um ein Jahr verlängern. Sollten die Ruhestörungen aber weiter ausufern, scheuen wir uns nicht, nächstes Jahr die Sperrzeitverlängerung weiter auszubauen."

Klaus Stieringer von den Bambergern Realisten sah Bamberg auf dem Weg zurück ins Mittelalter. "Wir können uns nicht mit Rekordzuwächsen bei Touristen und Studenten brüsten, gleichzeitig aber beschweren, dass sie feiern", wetterte er. Die eigentlichen Ursachen für die Lärmbelästigungen sah Stieringer im Nichtraucherschutzgesetz, welches die Gäste der Kneipe vor die Türe treibe. Letztendlich sprach sich die Mehrheit des Stadtrates für eine Beibehaltung der bisherigen Sperrzeit aus, ebenso wie für eine Reduzierung der Ausnahmegenehmigungen.