Für das Projekt der beiden Bamberger Architekten Elmar und Matthias Bornhofen wäre die Lage optimal: nahe zur Ortsmitte mit Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Bedarf, Apotheken und Gastronomie in in unmittelbarer Nähe sowie einer Stadtbus-Anbindung.

Widerspruchsschreiben bei der Gemeinde

Doch die potenziellen Nachbarn sind alles andere als begeistert von der Aussicht auf eine Seniorenwohnanlage vor ihrer Haustür. Zur Änderung des Bebauungsplans Kreuzweiher ging unter anderem ein von 69 Bürgern unterzeichnetes Widerspruchsschreiben bei der Gemeinde ein. Eine Informationsveranstaltung sollte nun dazu beitragen, eine einvernehmliche Lösung zu finden. Doch das Vorhaben, das Elmar Bornhofen noch einmal vorstellte, scheint mehr denn je in der Schwebe.

Nach den Plänen - die vom Bauausschuss und Gemeinderat im Frühjahr noch grundsätzlich begrüßt wurden - sollen auf dem rund 2500 Quadratmeter großen, bislang unbebauten Grundstück an der Renkenstraße insgesamt 32 bis 40 barrierefreie, senioren- und behindertengerechte Zwei- beziehungsweise Dreizimmer-Eigentumswohnungen entstehen. Statt der im ursprünglichen Bebauungsplan rechtsverbindlich vorgegebenen maximal drei Vollgeschosse plus Satteldach planen die Architekten - die das Projekt in Eigenregie bauen und vermarkten wollen - drei Gebäude mit je drei Vollgeschossen plus je einem Penthouse.

Anwohner halten Plan für überdimensioniert

Den Anwohnern erscheint dies überdimensioniert. In ihren Einwänden befürchten sie unter anderem den Schattenwurf durch die "nicht ins Ortsbild passenden Hochhäuser". Eine weitere Frage gilt der Kanalisation. Ist diese ausreichend dimensioniert, oder muss sie möglicherweise - mit Ausbaubeiträgen für das gesamte Wohngebiet - erweitert werden? (Bauamtsleiter Andreas Geck versicherte, dass die Kanalisation ausreichend sei und nicht erneuert werden müsse.)

Die Hauptsorge der Anwohner gilt aber der Parkplatzsituation. Gibt es genügend Stellplätze für die künftigen Bewohner, deren Besucher und mehrmals täglich anfahrende Service- und Pflegedienste? Oder werden diese in die angrenzenden Anwohnerstraßen ausweichen? Neben solchen konkreten Befürchtungen schwingen aber auch einige sehr diffuse Ängste beim Widerstand gegen das Bauvorhaben mit. So ist in den Widersprüchen auch von betreuungsbedürftigen "Drogenabhängigen, Alkoholikern und psychisch Kranken", die die Sicherheit im Wohngebiet gefährden würden.

Wohnungsbau hinkt hinterher

Bornhofen legte in der Informationsveranstaltung dar, dass er eine ganz andere Klientel ansprechen will: geistig aktive Menschen, die sich auf die körperlichen Gebrechen des Alters einstellen wollen und deshalb nach eigenen vier Wänden suchen, in denen sie möglichst lange selbstständig leben können. Die Wirtschaft und die Werbung hätten diese Zielgruppe längst erkannt, nur der Wohnungsbau habe sich noch bis Ende der 1990er Jahre fast ausschließlich an jungen Familien orientiert - mit der Folge, dass barrierefreie Wohnungen heute Mangelware seien.

Vorgesehen sei, die Wohnanlage mit der Möglichkeit für modernste Betreuungstechnik auszustatten. Wie Bauamtsleiter Geck ausführte, ist im Durchführungsvertrag mit der Gemeinde festgelegt, dass die Wohnungen ausschließlich an Menschen über 50 und oder mit einer Körperbehinderung von mindestens 30 Prozent verkauft werden können.

Doch auch diese Aussicht trug nicht zur Beruhigung der Gemüter bei. "50-Jährige arbeiten und haben Autos", warf eine Anwohnerin ein. Und diese würden möglicherweise mit ebenfalls Auto fahrenden jüngeren Partnern und erwachsenen Kindern in die geplanten Dreizimmerwohnungen ziehen, malten andere das Gespenst dynamischer Jungsenioren aus. Als Knackpunkt kristallisierte sich auch hier die Stellplatzfrage heraus. Gegen das Seniorenwohnmodell als solches wollte sich niemand wenden. "Ich bin sehr wohl dafür, aber nicht an dieser Stelle", brachte es ein Gegner auf den Punkt.

Neuplanung gewünscht

Aus dem Gemeinderat, der fast vollzählig an der Veranstaltung teilnahm, gab es schließlich klare Signale an den Architekten, dass er bis zur entscheidenden Gemeinderatssitzung - voraussichtlich im Oktober - die Pläne noch überarbeiten muss. Zum einen, was die Stellplatzfrage betrifft, zum anderen eventuell auch die gesamte Dimension des Vorhabens. Fraglich ist allerdings, ob eine verkleinerte Version des Millionenprojekts - Bornhofen rechnet für die gegenwärtige Planung mit Kosten von rund sieben Millionen Euro - überhaupt wirtschaftlich zu realisieren ist. Bei Herstellungskosten von rund 2600 Euro je Quadratmeter Wohnfläche sei das Projekt in Stegaurach ohnehin nicht unter dem Gesichtspunkt des Gewinnstrebens zu sehen. Für ihn und seinen Sohn stelle es vielmehr ein Pilotprojekt dar, das dann möglicherweise auch an anderen Standorten zu verwirklichen sei, führte Elmar Bornhofen aus.