Bayerns Bauern werden nach Einschätzung von Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) in manchen Gegenden des Freistaats ihre Felder schon bald zunehmend bewässern müssen. Der Klimawandel verstärke die Trockenheit im Norden Bayerns, sagte Brunner. "In Unterfranken und in der nördlichen Oberpfalz wird man sich bei der Bewässerung Gedanken machen müssen." Vor allem Gemüse und Wein brauchen das Nass.
Doch wie ist die Lage in und um Bamberg? Fakt ist, dass die Dürre seit April auch den Landwirten und Gärtnern in der Region schwer zu schaffen macht.

Bauern im Landkreis stöhnen, dass das Getreide auf den Feldern viel zu trocken sei. In manchen Lagen sei der Mais weit hinterher. Beim Grünschnitt für Viehfutter auf den Wiesen sei der Ertrag spürbar geringer ausgefallen. Etwa 25 Prozent an Menge würden fehlen. Gerade Felder auf Sandböden wie im Maintal haben große Probleme. Dort sind die Pflanzen viel kleiner als auf Flächen mit lehmigeren Untergrund, die im Vergleich nicht so rasch austrocknen.

Werner Nützel, Geschäftsführer des Bauernverbandes Bamberg/Forchheim, sagt auf Anfrage des Fränkischen Tages: "Grundsätzlich sind die Erträge gegenüber dem letzten Jahr bei allen Getreidearten, bei Silomais und beim Grünland (Heu, Grummet, Silage) niedriger." Beim Futteranbau könne es deshalb regional zu Knappheit kommen. Über 40 000 Hektar Ackerfläche werden im Kreis Bamberg landwirtschaftlich genutzt.

Hilft bei solchen Flächen überhaupt künstliche Bewässerung? Gibt es Möglichkeiten, eine extreme Trockenheit anzugleichen? Werner Nützel sieht das skeptisch: "Tiefbrunnen zur Bewässerung von normalem Ackerland oder Grünland sind nicht finanzierbar, weil eben zu teuer. Im Ergebnis wird das den allermeisten Landwirten nicht helfen, diese sind weiterhin auf die Natur angewiesen, denn nur Petrus kann es richten."

Künstliche Bewässerung sei nur in wenigen Fällen sinnvoll, ergänzt Nützel. "Es gibt seit Jahrzehnten im Landkreis Forchheim aktive Bewässerungsgenossenschaften. Durch den Bau des Rhein-Main-Donaukanals wurde in Hausen eine Bewässerungsgenossenschaft gegründet und auch ein neues Bewässerungssystem entlang vom Kanal in den 60er-Jahren gebaut. Damit werden grundsätzlich die Sonderkulturflächen mit Spargel bewässert." Ob ein Brunnen zur Bewässerung gebohrt werden darf, entscheidet im Übrigen das Wasserwirtschafts- oder das Landratsamt.

In den Gärtnereien in Gebiet Bamberg-Nord/Hallstadt gibt es bereits ein gemeinschaftliches Wasser-System für Beregnungsanlagen. Das half in den vergangenen Wochen, dass das Gemüse dort auf insgesamt 82 Hektar Fläche gedeihen konnte. Bis zu 500 Kubikmeter Wasser gingen pro Stunde an künstlichem Regen auf die Felder nieder. Gärtner Pankraz Deuber ist froh über die künstliche Hilfe aus den Leitungen: "Unsere Sandböden wären ohne künstliche Bewässerung längst schon komplett ausgetrocknet."

Hoffen auf Neuzüchtungen

Fakt ist, dass die Staatsregierung nun die Auswirkungen neuer Dürren in den Griff bekommen möchte. Zur Entwicklung intelligenter Bewässerungsanlagen und mobiler Systeme gebe es daher im Weinbau bereits eine Partnerschaft mit einer israelischen Firma. "Aufgrund des Klimawandels wird das Thema immer dringlicher", meint Minister Brunner. Deshalb seien auch seitens der EU Hilfen nötig. Der ländliche Raum werde bei der Anpassung an die Klimaveränderung unterstützt, versichert Brunner. Es sei ein weit verbreiteter Irrglaube, dass die Auswirkungen des Klimawandels hierzulande keine allzu großen Auswirkungen hätten. Doch die Frage bleibt, ob die Bewässerung von Menschenhand auch für die Landwirte in der Region Bamberg eine effektive Lösung bieten kann. Für die Tröpfchenbewässerung sind nämlich hohe Investitionskosten nötig. Mehr Erfolg erhoffen sich Frankens Landwirte von neuen Pflanzen-Züchtungen, die weniger Wasser benötigten und hitzeresistent sind.