Dass Thordis Wiencke und Axel Örlygsson von Reykjavík in den Landkreis Bayreuth zogen, liegt an der isländischen Mentalität. "Wir Isländer haben ein unglaubliches Selbstbewusstsein", sagt Axel Örlygsson. Seine Frau lacht: "Wir glauben, dass wir alles können! Und wenn etwas nicht klappt: Dann fängst du einfach noch mal an. Hauptsache ist, du machst etwas." Konzepte wie Verlieren und Scheitern sind den beiden fremd, und so sahen sie es auch nicht als Katastrophe an, als Axel Örlygsson seine kleine Baufirma nach einem Arbeitsunfall aufgeben musste.

"Wir haben entschieden, dass wir die Firma verkaufen und etwas ganz Neues machen", erzählt Thordis Wiencke. "Dann haben wir eine Landkarte genommen und so gemacht:" Die 48-Jährige kneift die Augen zu und kreist mit dem Zeigefinger durch die Luft, bis sie an einem Punkt auf der imaginären Karte zusticht: Hollfeld. "Wir hätten genauso gut in Italien landen können." 2003, im "Mars" wie die beiden den März nennen, kamen sie mit ihren Söhnen Georg (heute 28) und Alex (heute 19) nach Hollfeld, die Mädchen Helena (6) und Amanda (7) wurden hier geboren.
 

Ideale Voraussetzungen, um eine Bar zu eröffnen...

Die Isländer wussten anfangs wenig über Deutschland, konnten die Sprache nicht und hatten keine Ahnung von Gastronomie - für sie ideale Voraussetzungen, um eine Bar zu eröffnen. Dass in Deutschland alles "geplant, ausgerechnet und geregelt" ist, bescherte ihnen manchmal Probleme. Oder wie Isländer es sehen: interessante Erfahrungen. "Wir sind sehr spontan, wir machen einfach", erklärt Thordis Wiencke.


  "Ich denke, das steckt noch von den Wikingern in uns." Ihr Mann ergänzt: "Die Natur ist hart, das Meer ist sehr hart und unruhig. Du musst kämpfen, du musst es immer weiter versuchen." Der 49-Jährige lächelt. "Du", sagt er, weil sich in Island alle duzen. Auch Fremde sprechen einander mit dem Vornamen an. Der Nachname verrät, wessen Sohn oder Tochter jemand ist. Amtliche Verzeichnisse wie Telefonbücher sind nach Vornamen sortiert.


Isländische Namen

"Du", sagt Axel noch einmal, "Du musst nach Island! Es ist ein Traumland: wunderschön von der Landschaft her, wunderbares Essen und ich finde, auch die Menschen sind wunderbar." Das ist Selbstbewusstsein auf Isländisch. Axel lacht.

Sehr offen und modern sei seine Heimat, aber eben auch traditions- und naturverbunden. Land aus Feuer und Eis wird der Inselstaat wegen seiner Vulkane und Gletscher genannt. Die Geysire sind weltberühmt, die Nordlichter einzigartig und die Panoramablicke wunderschön.


Elfen, Trolle und ein Schutzgott

"Du erlebst viele Sachen. Geister, Trolle, Elfen. Die Leute glauben immer, dass wir Isländer an Elfen glauben. Wir glauben nicht an Elfen. Wir wissen: Sie sind da." Das Land hat sogar eine Elfenbeauftragte. "Wenn wir eine Straße bauen wollen und da wohnen Elfen" - Axel umschreibt mit der Hand einen großen Bogen - "dann legen wir einfach eine Kurve drumherum." In Hollfeld haben Axel und Thordis noch keine Elfen bemerkt. Aber sie haben einen Gott an ihrer Seite: Thordis tätschelt eine fast mannshohe Holzstatue des Donnergottes Thor, dem sie ihren Namen verdankt.

"Unser lieber Thor, unser Schutzgott. Der gehört dazu!" Die sechsjährige Helena umarmt die Statue - die Familie legt großen Wert auf ihre Kultur, auf die Mysterien und die Folklore. Sie versuchen, jedes Jahr einmal nach Island zu fahren. "Wir müssen weggehen, aber wir kommen immer zurück nach Island", sagt Thordis. "Wir sind wie die Wikinger."