Da hängen sie. Und jetzt? Hab' ich drei Wünsche frei, oder was? Vergackeiern kann ich mich selber. Es reicht, dass ich mich von meinen türkiskarierten Stoffschuhen trennen muss. Alles nur, um einem Trend nachzuspüren, der in Bamberg nicht so recht aus den Puschen kommt.

Alte Latschen schmeißen. Zusammengeknotet an den Schnürsenkeln, müssen sie irgendwo hängenbleiben. An Straßenlampen, Stromkabeln oder Bäumen.

"Shoe tossing" oder "shoefiti" soll angeblich seit Mitte der 2000er-Jahre auch in Deutschland populär sein. Dann ist der Raum Bamberg davon wohl weitgehend verschont geblieben.

Und doch erreichen uns in letzter Zeit immer mehr Leserfotos, auf denen im Baumgeäst pendelnde Treter zu sehen sind. Vorzugsweise aus dem Bamberger Hain.

Da ich weder aus der Armee ausgeschieden bin, noch als Bandenmitglied das Revier meiner Gang markieren will, auch keine bösen Geister zu verscheuchen habe, geschweige denn das Schuhwerk meiner besiegten Feinde öffentlich ausstellen muss, ist das komplett an mir vorbeigegangen. Dennoch kann ein Versuch ja wohl nicht schaden. Vielleicht stellt sich eine völlig unerwartete Erkenntnis ein.


Der Hund weiß von gar nichts

Zunächst einmal die, dass meine hain-erfahrene Spaziergang-Begleiterin und ihr noch viel hain-erfahrenerer Hund zu diesem Thema gar nichts beisteuern können. Es gebe zwar Bäume, auf denen "viel Zeug" herumhängt, bekomme ich zu hören. Aber Schuh-Paare? Ja, doch, irgendwo schon. Keine Ahnung, wo das war.

Jetzt auch noch Zeit zum Suchen nehmen, das muss nicht sein. Jeder x-beliebige Baum taugt dazu. Nur sollte nicht jedermann unserem Treiben zusehen können. Und das schränkt die Auswahl der infrage kommenden Äste dann doch ein. Außerdem wäre eine Stelle ideal, die man leicht wiederfindet und wo man ab und zu nachschauen kann, ob die Schuhe noch da sind.

Kurz und knapp: Das Ganze ist extrem unspektakulär. Vielleicht muss man zum "Shoe tossing" im Rudel unterwegs sein, befeuert vom Gemeinschaftsgeist (und vom Himbeergeist?).

Flugs einen Knoten in die Schnürsenkel machen, zum auserwählten Baum hinstolpern - holla, wer oder was gräbt denn diese vielen Kuhlen in den Waldboden - und den Blick nach oben richten. Da rauf müssen sie.


Na also, geht doch!

Das Schuhpaar hat überraschend gute Flugeigenschaften und nimmt zielsicher Kurs auf den Kopf, wenn man mit dem Wurf senkrecht nach oben keinen Erfolg hat. Wie oft? Zu oft. Von den vergeblichen Schrägwürfen gar nicht zu reden. Der Hund schaut aus der Ferne verständnislos zu.

Irgendwann hängen die Schuhe dann da, wo sie hängen sollen. Geht doch! Ein paar Handyfotos als Beweis und gut ist's. Sollen sich doch all die anderen fragen, was das zu bedeuten hat.

Und wie war das jetzt? Drei Wünsche frei? Die darf man aber nicht verraten. Zumindest nicht alle. Nur den einen: Schmarrn wie diesen nur dienstlich machen zu müssen.