Es gibt gute Nachrichten für die Region: Die Zahl der Fehltage von Beschäftigten in Bamberg und dem Landkreis ist im Jahr 2014 leicht zurückgegangen. Laut Zahlen der Krankenkasse DAK sank der Krankenstand von 3,9 auf aktuell 3,6 Prozent. Matthias Gabeli, Leiter der DAK-Service-Region Oberfranken, erklärte dazu während einer Präsentation in der Steigerwaldklinik in Burgebrach: "Das ist eine erfreuliche Entwicklung."

Bayernweit liegt die Region damit nur knapp über dem Durchschnitt. An der Spitze in Sachen Krankenstand liegt Bayreuth mit einer Quote von 4,2 Prozent, gefolgt von den Landkreisen Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld sowie Schweinfurt. Städte wie Starnberg und München haben dagegen weitaus weniger Fehltage von Beschäftigten - dort liegen die Zahlen bei nur 2,6 beziehungsweise 2,8 Prozent.

Für Bambergs stellvertretenden Landrat Johann Pfister liegt ein möglicher Grund für den Unterschied zwischen Nord- und Südbayern im Strukturwandel und der Abwanderung junger Arbeitnehmer aus Teilen Frankens: "In den betroffenen Gebieten erhöht sich so der Altersdurchschnitt der Beschäftigten in den Betrieben, und Zahlen belegen, dass ältere Mitarbeiter eben häufiger krank sind als junge."

Auf der Suche nach den Gründen für die Krankschreibung von Arbeitnehmern lautet die häufigste Antwort: Probleme mit dem Muskel-Skelett-System, also Befunde wie Rückenschmerzen, Hüftprobleme oder Bandscheiben-Vorfälle. Bei rund 25 Prozent der erkrankten Beschäftigten in der Stadt und dem Landkreis Bamberg stehen orthopädische Gründe bei der Krankschreibung in der Statistik. Die Zahl der Fehltage in diesem Bereich ist im Vergleich zu 2013 auch noch einmal deutlich gestiegen. Der Wert der Fehltage je 100 Versicherte liegt laut DAK hier bei 337 (gegenüber 294 im Jahr zuvor).

"Auffallend ist auch der hohe Anteil der psychischen Erkrankungen. Bei 14,7 Prozent der krankgeschriebenen Beschäftigten sind sie die Ursache gewesen", hob Gabeli hervor. Im Jahresvergleich hätten aber die Fehltage dieser Krankheitsart von 213 im Jahr 2013 auf derzeit 195 abgenommen.

Grundsätzlich stellt die DAK aber für Bayern einen kontinuierlichen Anstieg des Anteils psychischer Erkrankungen als Grund für Krankschreibungen fest. Seit 2006 habe sich im Freistaat die Zahl der Fehltage je 100 Schritt für Schritt um rund 86 Prozent erhöht. Noch immer meiden viele Betroffene den Gang zu einem Arzt. Matthias Gabeli versuchte zu erklären, warum das so ist: "Viele verstecken sich, weil sie sich nicht trauen, sich zu outen. Dabei gibt es viele Veränderungen in der Gesellschaft, die solche Erkrankungen auslösen können."

Blick in unsichere Zukunft

Generell würden immer mehr Arbeitnehmer unsicher in die Zukunft blicken, hinzu kommen noch die Belastungen wegen einer Trennung in der Familie. Die Folgen können Depressionen und Angststörungen sein. Gabeli führte den Anstieg bei den psychischen Erkrankungen auch auf bessere Diagnostik zurück, während früher Symptome wie starke Schmerzen nicht psychischen Auslösern zugeordnet worden seien.

Um mit den beruflichen Herausforderungen fertigzuwerden, gebe es allerdings eine neue besorgniserregende Entwicklung: Matthias Gabeli nannte in diesem Zusammenhang das sogenannte Hirndoping. Darunter versteht man laut DAK die "Einnahme verschreibungspflichtiger Medikamente ohne medizinische Notwendigkeit", um die Leistungsfähigkeit zu steigern oder das psychische Wohlbefinden zu verbessern, beziehungsweise Ängste abzubauen. In Bayern hätten sieben Prozent der Befragten angegeben, sich wenigstens einmal im Leben bereits so gedopt zu haben.

Seit 2008 habe Hirndoping bundesweit zugenommen. Rein von der Häufigkeit des Griffs zu entsprechenden Medikamenten gebe es jedoch kaum Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Männer setzten Hirndoping aber tendenziell eher zur Leistungssteigerung ein. Frauen eher zur Verbesserung der Stimmung oder zum Abbau von Ängsten.

Hendrik Bachmann, Chefarzt für Intensivmedizin an der Steigerwaldklinik, hat bereits Erfahrungen gemacht mit Patienten, die zu ihm kamen, um sich derartige Medikamente verschreiben zu lassen: "Solche Menschen reden aber nicht von einer möglichen Leistungssteigerung, sondern sie schildern zumeist Defizite und Krankheitssymptome, um Rezepte für diese Mittel zu bekommen."

Ganz hoch im Kurs von jungen Menschen ist gegenwärtig Ritalin - die neue Modedroge unter Studenten. Viele nehmen das ADHS-Medikament aus der Gruppe der Stimulanzien, weil sie sich damit besser konzentrieren könnten. In Amerika ist laut Statistiken jeder vierte Student und sogar jeder fünfte Professor auf der Pille, für Deutschland sind noch keine offiziellen Zahlen bekannt.

Warnung vor den Wunderpillen

Hendrik Bachmann warnt eindringlich vor den vermeintlichen Wunderpillen: "Es ist eine große Versuchung, solche Patienten aus dem Gesundheitssystem heraus mit Medikamenten abzufertigen anstatt gezielte Hilfe anzubieten." Beratung und Prävention würden den Menschen viel mehr helfen, ist sich auch Gabeli sicher: "Kurse zur Stressbewältigung und zum Erlernen von Entspannungstechniken können langfristig dazu beitragen, dass der Griff zu Medikamenten für Hirndoping unterbleibt."