Während sich vor dem Landratsamt im Rahmen einer Protestkundgebung Gegner und Befürworter des Nationalparks Steigerwald verbal beharkten, herrschte bei der Aussprache im Sitzungstrakt nach dem Wirbel um eine Verordnung über die Errichtung eines Waldschutzgebietes bei Ebrach unerwartete Harmonie. Auf Antrag der Grünen-Fraktion klärten Landrat Johann Kalb (CSU) und die Landkreisverwaltung über den aktuellen Stand der Dinge und eine weitere Vorgehensweise in Sachen Steigerwald auf.

"Wir dürfen das Thema Nationalpark nicht nur schwarz-weiß sehen. Und wenn wir uns weiter zerfleischen, wird das wenig zielführend sein", unterstrich Kalb. Auch höre der Steigerwald nicht an der Landkreisgrenze auf und man müsse alle Menschen mitnehmen.

Der Sachstandbericht machte deutlich, dass es nach Auskunft des Bundesamt für Naturschutz im Steigerwald genügend Flächen gebe, um die naturschutzfachlichen Kriterien für ein Weltnaturerbe zu erfüllen. Allerdings lägen diese nicht nur im Landkreis Bamberg, sondern auch in den Landkreisen Haßberge und Schweinfurt. Für eine Bewerbung bei der Unesco sei es aber auch erforderlich, dass neben den Schutzflächen eine Verwaltung gewährleistet sei. Diese Auflage könnte eventuell mit dem Steigerwaldzentrum für Nachhaltigkeit in Handthal, mit der Ausstellung "Lebensraum Buchenwälder" im Markt Ebrach und dem Baumwipfelpfad am Radstein erfüllt sein.

Ausweisung der Fläche als Nationalpark nicht erforderlich
Es ist zwar noch nicht ganz geklärt, so betonte die Verwaltung, welche Anforderungen in welchem Umfang umgesetzt werden müssen, damit der Steigerwald als Weltnaturerbe ausgewiesen werden kann. Fest steht aber, eine Ausweisung der Fläche als Nationalpark ist nicht erforderlich.

Weiterhin ist die Verordnung "Der hohe Buchene Wald im Ebracher Forst" gültig. Weder der Landtag, noch die Untere Naturschutzbehörde, noch der Bamberger Landrat hätten diese Verordnung aufgehoben oder ihren Vollzug außer Kraft gesetzt. Die Staatsforsten hätten vielmehr in Gesprächen mit dem Landratsamt erklärt, bei der Bewirtschaftung des Forstbetriebes Ebrach die Vorgaben der Verordnung zu respektieren.

"Ziel ist ein gemeinsamer Vorschlag für den gesamten Steigerwald, der einvernehmlich mit allen Beteiligten erarbeitet werden soll. Auch nach Auffassung der Vertreter aller drei Landkreise setzt dies ein gemeinsames Handeln in der Region voraus", resümierte Christina Romig, die den Sachstandsbericht vortrug. Und Kalb ergänzte: "Ich denke, wir sind uns einig, dass der Steigerwald Welterbe werden soll. Jetzt gilt es den Weg zu finden, wie wir zu unserem Ziel kommen können."

Die Kreistagsmitglieder begrüßten den aufklärenden Sachstandsbericht. Sie betonten aber auch, wie beispielweise Andreas Lösche (Grüne/AL), dass man nicht nur einen "Landrat mit klarem Blick brauche, sondern auch ein langes Durchhaltevermögen." CSU-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Möhrlein ermahnte, beide Seiten der Demonstranten ernst zu nehmen. Auch Liebhard Löffler (FDP) will, dass man die Bevölkerung und deren Ängste wahrnehme. Auf einen guten Erfolg hoffte Kreisrat Richard Kaiser (ÖDP), und Heinrich Rudrof (CSU) forderte: "Wir sollten das ideologische Säbelrasseln unterlassen und uns eine Friedensperiode verordnen."