Der Nationalpark Steigerwald wurde von den Gegnern schon mehrfach beerdigt, aber totzukriegen ist er nicht. Das wurde auch bei der Debatte im Kreisausschuss des Bamberger Kreistags am Freitag deutlich, die sich am Sachstandsbericht zum sogenannten Dialogprozess entzündete.

Für Landrat Johann Kalb (CSU) ist die Handlungsgrundlage der kategorische Ausschluss des Steigerwaldes im Ministerratsbeschluss von Ende Juli 2016 zu einem dritten Nationalpark in Bayern. Beim ersten runden Tisch kurz zuvor waren noch sieben Optionen für die künftige Entwicklung des Steigerwalds zur Debatte gestanden. Von der Option Nationalpark ist nach der zweiten Runde am 10. Mai nun gar nicht mehr die Rede, ein Weltnaturerbe taucht nur noch am Rande auf.

Im Fokus liegt nun der Versuch ein Weltkulturerbe-Siegel von der Unesco zu erhalten, oder wenigstens ins immaterielle Kulturerbe - das nichts mit dem Unesco-Welterbe zu tun hat und auf dessen deutscher Liste beispielsweise Skat spielen und ostfriesische Teekultur stehen - aufgenommen zu werden. Letzteres sei eine Möglichkeit, die sich aus der Kulturlandschaftsinventarisation des Steigerwaldes ergeben habe, so Kreisjurist Steffen Nickel, der den Sachbericht referierte. Kandidaten für dieses immaterielle Kulturerbe seien etwa die traditionelle Herstellung von Dörrobst, die Tradition der Bürgerwehren oder die bäuerlichen Gemeinschaftswälder mit dem Rechtlerwesen.


Eine Frage des Titels?

Den Vertretern von SPD, Grünen und der Fraktionsgemeinschaft FDP/ÖDP waren die im Sachbericht aufgezeigten Ergebnisse des Dialogprozesses eindeutig zu wenig. Während sich Helmut Krämer (CSU) damit zufriedengab und die Meinung vertrat, wenn man die beste Lösung nicht bekommen könne, müsse man es eben mit der zweitbesten versuchen - und das mit den etwas unglücklich gewählten Worten "Hauptsache irgendein Titel" formulierte, widersprach Liebhard Löffler (FDP) ganz energisch: "Es ist nicht egal, welches Etikett wir bekommen."

Er vermisse bei dem Dialogprozess den Dialog, also das demokratische Element, und vor allem eine Begründung, warum die Option Nationalpark herausgefallen sei. Denn ein Nationalpark oder anderes großes Schutzgebiet sei ganz klar Voraussetzung für ein Weltkulturerbe, wie es der Kreistag 2010 in einem fast einstimmigen Beschluss gefordert habe. "Landrat Denzler hat hier einen Pflock eingeschlagen. Warum hat man den wieder herausgerissen?", fragte Löffler in Bezug auf das noch in der Amtszeit von Günther Denzler (CSU) ausgewiesene - und auf Anweisung der Staatsregierung inzwischen wieder aufgelöste - Schutzgebiet Hoher Buchener Wald bei Ebrach. Löffler verwies zudem auf das bayerische Umweltministerium, das nun für einen dritten Nationalpark mit genau den Argumenten werbe, die von den Nationalparkbefürwortern im Steigerwald vorgebracht wurden und werden: Investitionen; Fördermittel und Einnahmen aus sanftem Tourismus in zweistelliger Millionenhöhe jährlich.

Auf der eigens vom Umweltministerium eingerichteten Internetseite www.np3.bayern.de liest sich das so: "Allein die beiden bestehenden Nationalparke Bayerns im Bayerischen Wald und in Berchtesgaden zählen im Jahr zusammen knapp drei Millionen Besucher. Das bringt den beiden Regionen eine Netto-Wertschöpfung von über 68 Millionen Euro - Geld, das in den Regionen bleibt." Mit der Feststellung "Nationalpark ist ein Premiumtitel", verwies auch Bernd Fricke (Grüne) auf die Homepage des Umweltministeriums. Er beklagte die Mängel des Dialogprozesses und forderte: "Wenn wir den Titel, der uns am meisten bringt, bekommen können, dann sollte wir uns auch dafür einsetzen."

Jonas Merzbacher (SPD) bestand auf der Forderung seiner Partei, die Eignung des Steigerwaldes für einen Nationalpark mit einem unabhängigen Gutachten prüfen zu lassen. Außerdem regte er eine "demokratische Entscheidung" an: "Wir sollten die Bürger befragen."


Biosphärenreservat wird geprüft

Weil sich auch Landrat Kalb an das Kreistagsvotum zum Weltnaturerbe von 2010 gebunden sieht, soll nun auch eine andere Option plötzlich wieder auf den Prüfstand kommen: ein Biosphärenreservat.

Doch auch ein Biosphärenreservat erfordert dem Bundesamt für Naturschutz zufolge eine streng geschützte Kernzone auf mindestens drei Prozent der Gesamtfläche. Würde der bestehende Naturpark Steigerwald (128 000 Hektar) ein Biosphärenreservat bilden, ergäbe das ein Schutzgebiet von fast 4000 Hektar.
Orientiert man sich an den kleinsten deutschen Biosphärenreservaten (ca. 30 000 Hektar), wären es gut 900 Hektar Kernzone, für die noch strengere Schutzregeln gelten als im Nationalpark - eine Fläche größer als der ehemals geschützte Landschaftsbestandteil Hoher Buchener Wald.