Gibt es auch mit der Bundespolizei eine Konversion in Bamberg? Zwei Tage nach der Bekanntgabe der Pläne sind die Reaktionen im Rathaus durchwachsen. Frust und Aufbruchstimmung liegen nah beieinander. Manchmal sogar in einer Partei. Zum Beispiel SPD-Stadtrat Heinz Kuntke. Der Vorsitzende des Bürgerverein Ost spricht unverhohlen davon, dass der Konversionsprozess auf absehbare Zeit auf Eis gelegt ist. Kuntke glaubt auch, dass die 3000 neuen Stellen bei der Bundespolizei nicht das Ende der Fahnenstange sind. Bekanntlich überbieten sich Bundespolitiker mit Aufstockungsplänen.

Freilich freut man sich auch im Bürgerverein über die anstehenden Investitionen und neue Arbeitsplätze. Doch der Wermutstropfen bleibt: Die dringend benötigte städtebauliche Aufwertung des Ostens sei mit der auf kasernenartige Strukturen angewiesenen Bundespolizei kaum zu machen.

Doch man kann es auch positiv formulieren: Bambergs OB Andreas Starke (SPD) spricht lediglich von einer "Verschiebung der Arithmetik". Nicht die Konversion sei hinfällig, es ändere sich nur die zeitliche und räumliche Dimension. Der OB setzt darauf, dass die nicht von der Akademie beanspruchten Teile der Lagardekaserne doch noch vorzeitig erworben werden können. Zwar hat Christof Stellwaag von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) gegenüber dieser Zeitung gesagt, dass eine "Splittinglösung" nicht in Frage kommt. Doch Starke ist zuversichtlich, den Bund überzeugen zu können.

Selbst das ehemalige US-Hauptquartier, bis 2021 als Verwaltungsgebäude im Nutzungsplan der Bundespolizei eingezeichnet, will der OB möglichst noch 2016 herauslösen, indem Bamberg dem Bund Ersatzgebäude in den vor kurzem erworbenen Boardinghäusern an der Zollnerstraße anbietet. Der für die Polizei wichtige IT-Knoten in der Lagardekaserne könne ebenfalls ersetzt werden.

Ob die Verhandlungen zum erwünschten Ergebnis führen? Starke rechnet bereits im Februar mit Antworten aus Potsdam und Bonn, die dann Grundlage für ein Art Neustart des Konversionsprozesses sein sollen. Klar ist ihm, dass das Thema erschwingliches Wohnen durch den Wegfall der Lindenanger-Siedlung nun eben auf der Fläche der Lagarde eine wesentlich wichtigere Rolle spielen müsse als vorgesehen. Neben dem digitalen Gründerzentrum und den geplanten Kultureinrichtungen können laut Starke zwei Freiflächen bebaut werden, gefördert durch den Wohnpakt Bayern.


Wird das Balkanzentrum kleiner?

Um weitere Wohnungen zu schaffen, schließt der OB auch ein Überdenken der Grenzen des Balkanzentrums nicht aus. Dessen Auslastung schreitet bei weitem nicht so schnell voran wie noch im Oktober angenommen. "Es stellt sich die Frage, ob wirklich alle Häuser der Flynn-Area dafür gebraucht werden", sagte der OB , der bekanntlich einen guten Draht zu Sozialministerin Emila Müller (CSU) hat. Sicher ist: Einem solchen Unterfangen wären Sympathien in großen Teilen der Bamberger Bevölkerung sicher. Denn die Flynn-Häuser gelten allgemein als die attraktivsten auf dem Konversionsgelände.

Ganz anders als in der Stadtspitze fällt das Fazit bei der Bürgerinitiative "Armygelände in Bürgerhände" aus. "Die Bundespolizei übernimmt die Bamberger Konversion" fasst Heinrich Schwimmbeck die Erkenntnisse der letzten Tage zusammen. Was den Stadtrat der Linken Liste zu dieser Bemerkung veranlasst, ist vor allem der riesige Bestand an Wohnraum, der der Bevölkerung nun vorenthalten bleibe. Zwar räumt er ein, dass die Einflussmöglichkeiten des Stadtrats begrenzt waren, doch zeige das Beispiel der beiden CSU-regierten Städte Donauwörth und Schweinfurt, dass es auch anders gegangen wäre. In Donauwörth habe sich die Stadtspitze von Anfang an entschlossen für eine Wohnnutzung der ehemaligen Kaserne eingesetzt; in Schweinfurt sei es gelungen, durch schnellen Zugriff deutlich mehr zu retten als in Bamberg, wo man sich lange mit dem Suchen von Altlasten in den Häusern aufgehalten habe.

Um Wohnraum dennoch bezahlbar zu halten, setzen sich die Linken dafür ein, das Mehr an Schlüsselzuweisungen, 3,5 Millionen Euro, für die Wohnbauförderung in Bamberg einzusetzen. Entschieden wurde über den Antrag noch nicht.