Hier ist "es" wohl Freitagabend passiert. Etwas, in dessen Folge M., ein junger syrischer Asylbewerber zu Tode gekommen ist. "Es" geschah in einem einstigen Gasthof. Der liegt drei Tage später unscheinbar und ruhig in eisiger Winterskälte; während eine Vielzahl von Experten fieberhaft an der Aufklärung arbeitet und zu rekonstruieren versucht. Im Fachjargon von Justiz und Polizei heißt das kurz: "Die Ermittlungen laufen noch."

Mehr will Polizeipressesprecher Jürgen Stadter aus Bayreuth auch aus ermittlungstaktischen Gründen nicht Preis geben. Verständlich, wie Volker Dittrich, Bürgermeister der 5000-Seelen-Marktgemeinde Zapfendorf, findet. Der zwei Kilometer vom Kernort entfernte gut 600 Einwohner zählende Gemeindeteil Unterleiterbach beherbergt seit etwa zwei Jahren in einem ehemaligen Gasthof Flüchtlinge. Zu Beginn waren es wohl um die 60.

Dieser Tage leben nur noch knapp halb so viele hier. Eine sechsköpfige Betreibergesellschaft ist für die Einrichtung zuständig. Probleme habe es keine gegeben, berichtet Dittrich. Seiner Meinung nach seien die Asylbewerber in Unterleiterbach gut integriert. Viele Einheimische engagieren sich für die Flüchtlinge, die auch selbstverständlich bei Festen eingeladen seien. Die Integration klappe hier ebenso gut, wie in Zapfendorf selbst, wo viele junge Leute in Vereinen untergekommen seien.

Dittrich hat von dem Todesfall über Facebook erfahren und war dann gleich selbst vor Ort. Den Austausch mit Polizei und Staatsanwalt empfindet er als positiv. Dass die Marktgemeinde Zapfendorf schon wieder in den Schlagzeilen ist, hingegen nicht.

Bereits am Tag darauf sei die Polizei erneut in Zapfendorf gewesen: Samstagfrüh wurde auf dem Friedhof eine tote Frau (75) gefunden. Im Gegensatz zu dem toten Asylbewerber hat Dittrich die Frau persönlich und gut gekannt, verrät er. Hier handle es sich wohl, anders als bei dem 26-Jährigen, um eine natürliche Todesursache.
Bei dem Syrer, so die Polizei in ihrer offiziellen Mitteilung, hätten die Situation, wie der Mann gefunden worden war, und die Verletzungen für ein Tötungsdelikt gesprochen. Zum Glück, so Dittrich, sei hier kein fremdenfeindlicher Hintergrund im Spiel.

Hinweise darauf hatte die Polizei zumindest bis Montag keine. Die von der Staatsanwaltschaft angeordnete Obduktion hat jedenfalls eine massive Gewalteinwirkung - Stichverletzungen - auf den Körper des 26-Jährigen bestätigt.


Nie auffällig gewesen

"Wenn so viele Menschen auf einem Haufen sind, kann es schon zu Spannungen kommen", bemüht der Bürgermeister einen Erklärungsversuch dafür, wie "es" soweit kommen konnte. Seines Wissens nach war der Syrer schon länger in der Unterleiterbacher Unterkunft und nie auffällig gewesen.

Bürgermeister Dittrich geht indes davon aus, dass "es", dass also "dieser Fall möglichst schnell aufgeklärt wird." Verhaftung habe es seines Wissens nach noch keine gegeben. Die Ermittlungen der Sonderkommission liefen jedenfalls auf Hochtouren.

In der Unterkunft selbst so wie in der Bevölkerung freilich sei man von der Tat geschockt, die Stimmung entsprechend gedrückt. Das erklärt Thomas Miske auch für seine fünf anderen Kollegen der Betreibergemeinschaft, die diese Unterkunft seit Ende 2014 "managt".

Es habe wohl mal dieses oder jenes Problemchen gegeben, aber keine Auseinandersetzung oder dergleichen. Die Stimmung sei eigentlich gut gewesen. Viele Bewohner hätten schon seit längerem hier gelebt, viele in eigenen Räumen, Familien miteinander. "Man kennt die Zusammenhänge nicht," zeigt Miske sich ratlos.

Gut bekannt hingegen ist den Betreibern das Opfer. M. wird als ruhig, angenehm und hilfsbereit beschrieben. Er wohnte allein in seinem Zimmer. Und: M. hatte bereits seine Anerkennung, war auf der Suche nach einer Wohnung und habe sich wohl auch schon auf einer Liste vormerken lassen. Umso tragischer finden die Betreiber den tödlichen Vorfall.
Auch Landrat Johann Kalb zeigte sich erschüttert über die Gewalttat. Die Mitarbeiter des Landratsamtes seien unmittelbar nach Bekanntwerden der Tat in der Unterkunft vor Ort gewesen, um Krisenmanagement zu betreiben und mit den Betreibern als Ansprechpartner für die Fragen und Sorgen der Bewohner zur Verfügung zu stehen. Gegenwärtig werde versucht, mögliche Verwandte des Opfers zu ermitteln.


Erster derartiger Fall

Bei dem tödlichen Angriff auf den Asylbewerber handele es sich um den ersten in einer Unterkunft des Landkreises Bamberg. Landrat Kalb erklärt zudem, "das Landratsamt Bamberg steht in stetem Kontakt mit sämtlichen Betreibern der dezentralen Unterkünfte im Landkreis Bamberg. Es finden regelmäßig Runde Tische statt."