Mein Freund, der Baum, ist tot ... Frei nach diesem Song der unvergessenen Alexandra beklagte sich ein Leser unserer Zeitung über einen "Baumfrevel in Erlach". Tatsächlich stehen am Ortsrand, an einem früheren Hohlweg nahe dem Friedhof, vier Baumleichen, die noch vor wenigen Jahren in prächtigem grünen Kleid den Übergang zur freien Natur markierten. Treiben sie nächstes Jahr auch nicht wieder aus, dann wird man die Riesen wohl fällen müssen, um Gefahren für den Verkehr zu vermeiden. Tote Bäume direkt neben einer Erschließungsstraße, dahinter kann der Sensenmann lauern.

Baumfrevel oder nicht - diese Frage kann vielleicht erst beantwortet werden, wenn die Bäume umgesägt sind und gewissermaßen unter die Lupe genommen werden können. Was wirklich zum Absterben der Bäume führte, lässt sich momentan nicht endgültig erklären.

Hintergrund ist, dass die Gemeinde Hirschaid den Käufern der zwei Bauparzellen am Ende der Erlacher Hauptstraße vor rund zehn Jahren den Erhalt der über 100 Jahre alten und gut 20 Meter hohen Eichen zur Bedingung machte. Die Bauherren wurden mit dem Kauf der Grundstücke auch verantwortliche Eigentümer der Bäume. Freilich dauerte es nicht lange, bis die neuen Grundbesitzer im Rathaus vorstellig wurden und sich über die Bäume beschwerten. Das Übliche: viel zu viel Laub, dazu die Eicheln, immer wieder fallen Äste herab, Wurzeldruck entsteht etc.

Weg mit den Bäumen! Darauf ließ sich die Gemeindeverwaltung aber nicht ein. Immerhin machte der Markt Hirschaid schon mal 2000 Euro locker, damit ein fachgerechter Rückschnitt erfolgen konnte, informiert Verwaltungsangestellter Stefan Endres vom Bauamt. Die Familie Eysen, auf deren Grundstück drei der vier Eichen stehen, hat auf ihre Kosten auch schon den Eichenprozessionsspinner bekämpfen lassen. "Seit sechs Jahren verfolgen wir das Ziel, die Bäume zu beseitigen," räumte Frau Eysen ein. Gleichzeitig beschwert sie sich, dass die Gemeindeverwaltung zwar zugesteht, dass die Bäume den Grundstückseigentümern gehören, andererseits aber nicht zulasse, dass die Bäume verschwinden dürfen. "Wir würden ja gerne Ersatz pflanzen," versichert die Anwohnerin.

"Jetzt scheinen vollendete Tatsachen geschaffen worden zu sein", konstatiert ein enttäuschter Stefan Endres. Da hilft es nicht, dass die vier Bäume 1999, bei der Aufstellung des Bebauungsplans, als erhaltungs- und schützenswert eingestuft worden sind. Unter Naturschutz wurden sie aber nicht gestellt, auch nicht als Naturdenkmäler klassifiziert. Der Gemeinde fehlte es daher an rechtlichen Möglichkeiten, den Erhalt der Bäume zu erzwingen, gesteht Endres ein. Bei näherer Betrachtung ist an einer Eiche eine quer verlaufende Kerbe um den halben Stamm zu erkennen. Frau Eysen behauptet, dass hier einmal ein Kabel für die Hofbeleuchtung eingewachsen gewesen sei. Für einen Schnitt mit der Kettensäge ist die Kerbe zu dünn und zu glatt.


Rätseln über die Ursache

Auch der Kreisfachberater für Gartenkultur und Landschaftspflege, Uwe Hoff, rätselt über die Ursache dieser Verletzung der Rinde. "Man hätte diese Bäume im Eigentum der Gemeinde belassen müssen," weint Hoff der verpassten Gelegenheit nach. Stattdessen schaut der Fachmann ein wenig fassungslos auf die üblichen Sünden: Ganz nah am Stamm vorbei eine Straße asphaltieren, den Hof mit einem engen Verbundpflaster befestigen.

Beim Aushub für den Keller Wurzeln abschneiden und bald mangelt es den Bäumen an Wasser. Lange halten sie das nicht aus, vor allem wenn man ihnen nicht durch einen kräftigen Rückschnitt hilft, mit weniger Wasser auszukommen. Der Kreisfachberater will im nächsten Jahr nach dem Austrieb der vier Eichen schauen. Grünen sie nicht mehr, dürfen wohl Axt und Säge zum Einsatz kommen.

So weit müsste es nicht kommen, betont Uwe Hoff mit Blick auf vergleichbare Fälle: Im Interesse ortsbildprägender alter Bäume gibt es im Landkreis eine Regelung, wonach der Kreis ein Drittel der Kosten von Sanierungsmaßnahmen übernimmt, wenn auch die jeweilige Gemeinde ein Drittel finanziert. Dann bleiben die Kosten für den Eigentümer meist überschaubar. Im Bedarfsfall wende man sich an den Kreisfachberater oder die zuständige Gemeindeverwaltung. Zum Fällen alter Bäume auf Privatgrund gibt es übrigens weder in Hirschaid, Erlach noch andernorts einen Zuschuss. Dabei kann die Beseitigung eines Baumriesen neben einem Verkehrsweg ganz schön ins Geld gehen.