Es ist wie verhext: Da hat man den Auftrag, die Auswirkungen des Personal-Streiks an Kindertagesstätten zu schildern, aber es sind keine Kinder zu sehen. Die "Ausgesperrten" müssten doch zu Hause sein, im Freien herumtollen; aufgeregte Mütter könnten auf der Straße über den Arbeitskampf räsonieren oder das Personal mit ein paar Transparenten auf seine beklagenswerten Gehaltstarife aufmerksam machen. Nichts dergleichen.

Selbst bei schönstem Frühsommerwetter am Montagvormittag wirkt ein so kinderreicher Ort wie Röbersdorf geradezu ausgestorben. In etlichen Hausgärten verraten verwaiste Bobby-Cars, Schaukeln und Sandkästen, wo Kinder wohnen. Aber die Kleinen sind offenbar trotz des Personalstreiks an der örtlichen Kindertagesstätte gut aufgehoben.

"Wir sind es wert, wir streiken!" hat das Personal des Röbersdorfer Kindergartens "Sonnenland" plakatiert. Und es herrscht Ruhe wie sonntags in der Ferienzeit, rund um die geräumige Anlage. (Außerdem werden noch die gemeindlichen Kindergärten von Seigendorf und Sassanfahrt bestreikt.)

Und dann doch: Am Abtsweg in Röbersdorf bewegen sich zwei Kinder im Garten eines Wohnhauses. Sie sind schwer beschäftigt: Simona (vier Jahre) und ihr Cousin Fabian (drei) haben Spaß an der Arbeit. Kaum streiken die Erzieherinnen, brennen die beiden Kinder darauf, Vater und Großvater beim Abtransport von Aushub zu helfen.

Papa Harald Haas weiß, dass dieser Eifer nicht lange währen wird und schaut amüsiert zu. Er hat zufällig in dieser Woche dienstfrei, erzählt Haas über den Gartenzaun; seine Frau arbeitet.

Für den Streik hat er volles Verständnis: Das, was die Erzieherinnen verdienten, sei vor allem der Verantwortung für die Kinder, aber auch dem Stress oder dem Lärm nicht angemessen.

Freilich hofft der Familienvater, dass die Tariferhöhung von der Gemeinde aufgefangen wird. Da aber gerade Hirschaid finanziell nicht auf Rosen gebettet ist, fürchtet Haas, dass die steigenden Personalkosten doch von den Eltern mitgetragen werden müssen. Beim Elternbeitrag von derzeit 110 Euro werde es wohl nicht bleiben.

Ein paar Häuser weiter vertreibt sich der vierjährige Magnus die Zeit. Statt im "Sonnenland" zu spielen, geht er Oma Brigitte nicht von der Schürze: Bei Dietzes werden leckere Krapfen gebacken, und Magnus belegt die Steigen mit Butterbrotpapier. Zur Belohnung darf er natürlich herzhaft zugreifen. Die Eltern von Magnus sind im Dienst, aber bei Oma und Opa ist der Kleine in besten Händen.

Theo Dietz bringt seinen Enkel täglich zum Kindergarten und holt ihn wieder ab. Er könne ermessen, was das Personal leiste. "Ganz klar, die sind unterbezahlt", stellt Theo Dietz fest.

Und Oma Brigitte dehnt diese Einschätzung gleich noch auf Alten- und Pflegeheime aus: "Was dort gezahlt wird, ist eine Frechheit!" Ungerecht findet es die Rentnerin, dass etwa die Erzieherinnen nach fünfjähriger Ausbildung gegenüber Lehrern so benachteiligt würden, und das bei deutlich weniger Ferien.

Der fünfjährige Jonas wird im Ortsteil Juliushof von der Oma betreut: Helga Steinfelder, Rentnerin aus Mistendorf, ist angereist, um den Enkel zu hüten, während seine Eltern ihrer Arbeit nachgehen. Und über Nacht darf Jonas sogar mit zu den Großeltern nach Mistendorf. Den Nachwuchs zu versorgen, macht der Oma Freude. Aber ein bisschen Kritik am Streik hat sie dann doch.

Von Berufs wegen muss sich der Bürgermeister mit der Finanzierung der Kindertagesstätten beschäftigen. "Wir haben wie üblich eine Tarifsteigerung von drei bis vier Prozent einkalkuliert," berichtet Klaus Homann (CSU). Zehn Prozent mehr "würden uns ganz schön reinhauen". Ob die Erzieherinnen gerecht bezahlt werden, will der Hirschaider Bürgermeister nicht beurteilen, so sehr er deren schwierige Aufgaben anerkenne.

Gebührenerhöhung? "Ja", sagt Homann, "schon am Dienstag müssen wir die Krippengebühren anheben, um Gleichstand mit den Nachbargemeinden zu erreichen. Das hat aber mit dem Streik nichts zu tun."

Die Gemeinden im Umgriff von Hirschaid stimmen sich ab, um Pfennigfuchserei zu unterbinden. Das Defizit der Einrichtungen gehört zu den großen Posten im Budget jeder Gemeinde. Hirschaid hat in diesem Jahr vier Millionen Euro Ausgaben für Sach-/Personal- und Betriebskosten der Kindertagesstätten eingeplant. Die Einnahmen belaufen sich auf 1,96 Millionen Euro.